Politik

Die Zukunft ist erneuerbar

Artikel veröffentlicht am 14. November 2005
Artikel veröffentlicht am 14. November 2005
Von Windenergie bis Biogas, das aus den Eingeweiden toter Kühe gewonnen wird: Steigende Ölpreise und das absehbare Ende der Ölvorräte zwingen die EU dazu, sich nach Alternativen umzuschauen.

Die Berichterstattung über Umweltfragen nimmt zu. Vor allem geht es dabei um Alternativen zu unserer auf Erdöl-basierten Wirtschaft. Dass wir den "peak oil", den höchstmöglichen Grad an Erdölförderung erreicht haben, wird allmählich allgemein akzeptiert. Auch wird die Sicherheit der Erdgasvorräte in Frage gestellt und die erste Generation von Atomkraftwerken unter erheblichen Kosten stillgelegt. Alternative Energiequellen werden immer dringender gesucht - zumal man erkennt, dass die bisherigen Arten der Energieproduktion nicht nachhaltig sind.

Ein europäisches Problem, eine europäische Lösung

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2010 22,1% der vom Verbraucher genutzten Elektrizität aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. In Brüssel geht man davon aus, dass damit nicht nur die Energiegewinnung sicherer werden, sondern auch das Angebot auf dem Arbeitsmarkt erweitert werden kann. Und nicht zuletzt können so die Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls leichter erfüllt werden.

Um die 22,1% zu erreichen, wurden jedoch - wie es in der EU-Politik üblich ist - in den einzelnen Mitgliedsstaaten unterschiedliche Maßnahmen und Strategien auf den Weg gebracht. Diese weisen große Unterschiede auf, was den Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten Energieproduktion betrifft.

Schweden und Österreich sind zweifellos die Vorreiter. Wie ProSus (Programme for Research and Documentation for a Sustainable Society) festgestellt hat, werden in diesen Staaten bereits 50% (Schweden) bzw. 70% (Österreich) des nationalen Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt. Beide Staaten nutzen Berge, indem sie in großem Ausmaß Wasserkraft zur Stromerzeugung einsetzen. So wird es auch in Norwegen gemacht.

Deutschland und Spanien dagegen dominieren den europäischen Windenergie-Markt, wobei Spaniens Produktion vor kurzem diejenige Deutschlands übertroffen hat. Jedoch ist unklar, wie Deutschlands Energie-Mix in Zukunft aussehen wird. Es häufen sich die Berichte, dass der Markt für Windenergie gesättigt sei. Auch werden in Deutschland passende Standorte knapp. Am anderen Ende der Skala stehen die beiden neuen EU-Mitgliedsstaaten Zypern und Malta, die beide fast keine Energie aus erneuerbaren Quellen nutzen. Sie werden einen harten Lernprozess durchlaufen müssen - auch wenn es in diesen Ländern viel Potenzial für Sonnenenergie gibt.

Innovative Ideen

Nach welchen Energiequellen ein Land auch strebt, es wird zweifellos eine Mischung verschiedener Quellen benötigen. Denn nur so kann eine einseitige Energiewinnung und die damit verbundenen Abhängigkeiten, die beim Öl offensichtlich sind, vermieden werden. Neben den etablierten erneuerbaren Energiequellen wie Sonnen- und Windkraft bildet dabei vor allem Biomasse eine Quelle mit erheblichem Potenzial, da die Ressourcen groß sind. Bei der Biomasse werden Naturstoffe wie Holz, Stroh, Zuckerrüben oder anderes Getreide verbrannt und die Hitze zur Stromerzeugung genutzt. Sie kann nicht nur ohne großen technischen Aufwand genutzt werden, sondern stößt auch kein Kohlendioxid aus. Das Kohlendioxid, das durch die Verbrennung produziert wird, wird durch das Kohlendioxid wettgemacht, das die heranwachsende Biomasse verbraucht.

Aber nicht nur Strom wird man aus alternativen Energien gewinnen müssen. Ölknappheit bedeutet auch, dass man andere Kraftstoffe finden und das Verkehrswesen ändern muss. Die Biokraftstoff-Richtlinie der EU (pdf) aus dem Jahr 2003 ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung: 20% der herkömmlichen Kraftstoffe sollen bis 2020 durch alternative Kraftstoffe ersetzt werden. Viele neue Motoren kommen deshalb auf den Markt. Sie werden durch Wasserstoff, Hybridtechnik, Ethanol, Biodiesel, Solarstrom oder Elektroautos betrieben.

Die dafür benötigten Technologien haben mit den traditionellen Kraftstoffen für den Transport nichts mehr zu tun. Denn nur so kann der Verkehr seinen Beitrag zur Verringerung des Ausstoßes von Kohlenstoffdioxid leisten. In einem Pilotprojekt in Schweden fahren Züge auf der Basis von Biogas aus den Eingeweiden toter Kühe. Das mag zwar nicht jedermanns Geschmack sein. Aber diese Züge sind ein Beispiel für die Innovation, die man in Zukunft benötigen wird: Nur durch sie kann die EU ihre energiepolitischen Ziele erreichen und seine Abhängigkeit von schwindenden Ölreservern überwinden...

Wie die einzelnen EU-Staaten mit diesen Problemen klarkommen, wird sich noch zeigen. Aber es ist offenkundig, dass mehr Geld, mehr politischer Wille und eine größere Kooperation unter den Konsumenten nötig sein werden, um die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte zu meistern. Doch neue Technologien und Innvoationen sind nicht die einzigen Lösungen. Bereits heute kann man viel tun. Egal ob man Lichter und Geräte nach der Nutzung ausschaltet, oder einen zusätzlichen Pullover trägt; egal ob man zu Fuß einkaufen geht oder sein Haus besser isoliert: Mit ein wenig Einsatz und etwas Fantasie kann jeder seinen Beitrag zur Energiewende leisten.