Politik

Die griechischen Inseln zwischen Feuer und Zement

Artikel veröffentlicht am 3. September 2009
Artikel veröffentlicht am 3. September 2009
Die griechischen Inseln, eines der beliebtesten Touristenziele des Landes, wehren sich gegen die Baubedrohung und beweisen Mut in einem Land, in dem die Verfechter einer fortschreitenden Urbanisierung auch nicht vor Feuersbrünsten zurückschrecken, um sich geschützte Landstriche anzueignen.

Zu den griechischen Inseln zählen mehr als 5.000 Inseln und Inselgruppen im Süden Griechenlands: Ein mediterranes Klima, das azurblaue Meer, Bilderbuchlandschaften und zahlreiche antike Monumente machen sie zu einem Touristenziel erster Güte. Aber angesichts ihrer atemberaubenden Küsten verwundert die offensichtliche Erhaltung natürlicher Ökosysteme auf den Inseln. Wie kann es sein, dass diese Inseln, die bei Touristen aus aller Welt so hoch im Kurs stehen, nicht das gleiche Schicksal wie ihre Verwandten in anderen Ländern Europas, deren Küsten von einer Betonwelle überrollt worden sind, erlitten haben? Die Antwort liegt wohl in der geraden Linie begründet, die der Helenenstaat in seinem Umgang mit Häuslebauern und Immobilienspekulanten verfolgt. 

©Clara Fajardo

Strenge Regeln, um den Charme Griechenlands zu erhalten

Wenn Griechenland sich nicht so unerbittlich in Bezug auf den Verkauf von Land zeigte, meint E. Milioti, die Notarin der Insel Sifnos, würden sich die Bürgermeister der Inseln sicherlich unter der Hand an dem Landverkauf bereichern. In dieser Enklave des Natur- und Umweltschutzes, die von der Welt seit den Zeiten der venezianischen Händler des Mittelalters vergessen und erst in den 1960er Jahren vom Jetset wiederentdeckt worden ist, kämpft man erbittert für den Erhalt der eigenen Ruhe und Gemütlichkeit. Die überdimensionalen Sommerresidenzen wie beispielsweise an der Costa del Sol in Spanien oder der Côte d’Azur in Frankreich möchte man hier verhindern. Die griechische Strategie scheine angesichts der vollkommen ungehindert stattfindenden Betoninvasionen in anderen Teilen Europas allerdings aufzugehen, meint Milioti.

©Clara FajardoEine Privatperson darf auf den Kykladen am Rande der Stadtzentren nur dann ein Häuschen bauen, wenn die gekaufte Landfläche mindestens 4.000 m² groß ist. Eine entsprechende Bauerlaubnis ermöglicht die Konstruktion eines Gebäudes mit 200 m² Wohnfläche, die aber überschritten werden kann, wenn es sich um eine Hotelanlage handelt. Jeder zusätzliche Quadratmeter schlägt dann allerdings mit 3.000 Euro zu Buche.

Auf der Suche nach dem Bauschlupfloch

Doch die Bauregulierungen der griechischen Inseln sind noch umfassender: Um die besonderen Lichteffekte, die die ruhige und angenehme Atmosphäre der Inseln ausmachen, hervorzurufen, sind die Regeln kurz und bündig formuliert: Die Fenster müssen klein sein, das Wohnhaus darf nicht mehr als zwei Etagen zählen und die Wände aller Behausungen müssen geweißelt sein.

Aber nicht alles funktioniert so einwandfrei und es kommt häufig vor, dass Gesetze klammheimlich gebrochen werden. Milioti erklärt, dass in vielen Fällen die Existenz einer Kellerwohnung verschwiegen wird, um rechtmäßig eine dritte Etage auf das eigene Haus setzen zu können. Doch manchmal fliegt der Schwindel auf: Anfang dieses Monats zum Beispiel entdeckte Milioti ein Gebäude, dessen Konstruktion 300.000 Euro gekostet hatte und von dessen Grundfläche 40 m² gesetzeswidrig bebaut waren.

Legale Feuerschneisen als Weg ins Eigenheim?

©Ava Babili/flickrDie Bauregulierungen auf den griechischen Inseln funktionieren - bildlich gesprochen - ähnlich wie eine Feuerschneise, mit deren Hilfe ein um sich greifender Brand gestoppt werden soll, da sie die unkontrollierte Baufreude der Einwohner und Investoren zu stoppen suchen. Der Unterschied zum kontinentalen Griechenland wird schnell deutlich: „Die letzten größeren Feuersbrünste im Umland von Athen sind wohl zum Großteil von Brandstiftern gelegt worden“, meint ein Anwalt aus der Hauptstadt, der nicht namentlich genannt werden will. Diese Situation werde durch zahlreiche gesetzliche Schlupflöcher begünstigt. So enthalte das griechische Grundbuch bislang keine präzise Karte, an Hand deren man die Grenzen zwischen benachbarten Wohnhäusern deutlich festlegen könne. Deshalb komme es nach einer Feuersbrunst häufig dazu, dass Landstücke in vormals geschützten Waldregionen nachträglich unrechtmäßig reklamiert werden.

Ein Hausbau darf in Griechenland ohnehin nur auf Landstücken in Angriff genommen werden, die als „bebaubar“ klassifiziert sind. Daher könne eine „Einebnung des Gartenwegs“ die Arbeit der Bauwilligen oft erleichtern, verrät ein Mitglied einer Bürgervereinigung im Stadtteil Dionysos an der Peripherie von Athen. Diese musste während der Brände, die eine große Anzahl Wohnhäuser zerstörten, evakuiert werden. Die Situation verschlimmert sich allerdings noch, wenn man bedenkt, wie häufig es zu „Ersitzungen“ kommt, also zur mehr oder minder rechtmäßigen Übernahme eines Landstückes mittels Beweis, dass man dieses schon eine gewisse Zeit lang kultiviert habe - ein Recht, das zwar auf der Peloponnes immer noch Gültigkeit besitzt, im Ganzen allerdings veraltet ist.