Politik

Der 'Tag der Liebe' - What’s love got to do with it?

Artikel veröffentlicht am 13. Februar 2006
Artikel veröffentlicht am 13. Februar 2006
Die Ursprünge des Valentin-Tages gehen auf einen italienischen Märtyrer zurück. Doch heute droht er zu einem Marketing-Event zu verkommen.

Als ich in den späten Achtziger Jahren Teenager war, kannte ich keinen Valentinstag. Damals regierte in Polen noch ein kommunistisches Regime und es gab andere Feiertage: zum Beispiel den Tag der Arbeit am 1. Mai oder den Jahrestag der Befreiung Polens am 22. Juli 1944. Heutzutage kennen polnische Kinder diese Feiertage gar nicht mehr, dafür ist den Polen der Valentinstag nicht nur ein Begriff – sie feiern ihn auch, als hätten sie seit Jahrhunderten nichts anderes getan.

Von deinem Valentin

Woher kommt der Valentinstag? Schon früher gab es Feiertage für die Liebe, so wurde in der Region des heutigen Italien der heidnische Festtag Lupercalia, im Gebiet Polens und der Ukraine Kupala gefeiert. An diesen Tagen wurden die heidnischen Götter geehrt, Männer und Frauen konnten sich beim Tanz näher kennenlernen und ihre Gefühle füreinander zum Ausdruck bringen.

Obwohl keine gesicherten Fakten über die Ursprünge des Valentinstags existieren, deuten viele Legenden darauf hin, dass dieser Tag mit der Person des römischen Priesters Valentin verbunden ist. Valentin lebte in der Regierungszeit Kaiser Claudius’ II und wurde zum Märtyrer, da er sich weigerte, seinen christlichen Glauben aufzugeben. Der Legende zufolge hinterließ er an seinem Todestag, dem 14. Februar 269 n. Chr., eine Nachricht für ein Mädchen, das ihm während der Gefangenschaft mit Besuchen Mut gemacht hatte. Die kurze Botschaft trug die Unterschrift: „von deinem Valentin“.

Valentin wurde zum Schutzheiligen aller Liebenden, unter denen es Tradition wurde, sich am 14. Februar gegenseitig anonym unterschriebene Liebesbotschaften zu senden.

Gedichte und Schneeglöckchen

Seit Jahrhunderten drückt man am 14. Februar seine Liebe in verschiedenen Ländern unterschiedlich aus. In Dänemark ist es beliebt, Gedichte und Schneeglöckchen auszutauschen. Man schickt sich gegenseitig Karten mit einem Rätsel (gaekkebrev) und unterschreibt anonym, indem man seinen Namen in Form von Punkten darstellt. Wenn der Empfänger den richtigen Namen errät, erhält der Absender ein Osterei. In Italien war es üblich, diesen besonderen Tag im Freien zu verbringen: in Ziergärten, bei Musik, mit dem Lesen von Gedichten und Spaziergängen mit der oder dem Liebsten. Überraschenderweise sind es in Japan nur die Frauen, die ihren Arbeitskollegen und natürlich ihrem Freund oder Ehemann zum Valentinstag ein Geschenk überreichen. Für den Chef wäre dies zum Beispiel ein eleganter Pralinenkasten, für den Geliebten dagegen ein herzförmiger Schokoladenkuchen. In den meisten Ländern sendet man sich für gewöhnlich Karten mit Liebesbotschaften, überreicht Blumen (vor allem Rosen) und Süßigkeiten. Und mit dem wichtigsten Menschen in seinem Leben besucht man zur Feier des Tages ein edles Restaurant, verbringt ein romantisches Wochenende, oder schenkt Unterwäsche, Parfum oder Schmuck. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Europäer von Jahr zu Jahr mehr Geld für diese besondere Gelegenheit ausgeben. Stimmt es überhaupt noch, dass die besten Dinge im Leben kostenlos sind? Und hatten die Beatles Recht, als sie sangen: „Money can’t buy me love?“

Valentin-Tauchwochenende in Ägypten

Betrachtet man den kommerziellen Aspekt des Valentinstages, wird man den Eindruck nicht los, dass sich dabei alles nur ums Geld dreht. Die Nummer Eins in Sachen Geldausgabe an Sankt Valentin sind die USA mit 13 Milliarden Dollar allein im Jahr 2005. Aber die Europäer sind nicht viel besser. Jedes Jahr geben wir mehr aus, um unsere gegenseitige Zuneigung zu zeigen. „Der Valentinstag ist für den Einzelhandel ein sehr großes Geschäft geworden in einer Zeit, die traditionell zu den unergiebigsten Monaten im Jahr gehört“, sagt Tracy Mullin, Geschäftsführer der (NRF), des weltweit größten Einzelhandelsverbandes.

Millionen von Unternehmern auf der ganzen Welt erfinden ständig neue Ideen , wie sich der Valentinstag „im Trend“ feiern lässt. Nichtsdestotrotz bleibt die Mehrheit der Kunden bei den altbewährten Valentinstagsgeschenken. Aber manche sind durchaus an einem „Valentin-Tauchwochenende in Ägypten“ interessiert, oder an der Idee, den Weihnachtsbaum durch einen „Valentinsbaum“ zu ersetzen, an dem sich Liebesbriefe und Herzen für die Familienmitglieder befestigen lassen.

Außerdem wird es immer beliebter, den Valentinstag nicht nur mit der einen speziellen Person zu verbringen. Laut NRF planen „Kunden mehrere Menschen in ihre Valentinstagsausgaben ein“: den Lebenspartner, andere Familienmitglieder, Freunde, die Klassenkameraden der Kinder, Lehrer, Mitarbeiter, aber auch Nachbarn oder Babysitter. Doch bei einem näheren Blick auf das Warenangebot lassen Qualität und künstlerischer Wert nach. Massenproduktion und Marketing machen alles ein wenig zu kitschig. Sarah aus Belgien weiß überhaupt nicht, was sie für ihren Freund kaufen soll: „Ich glaube, ich werde ein bisschen im Internet shoppen und vielleicht lustige Unterwäsche aussuchen.” Doch würde sie sich auch über eine künstliche Rose oder einen hässlichen Porzellanengel freuen?

What’s love got to do with it? Sankt Valentin wäre wahrscheinlich nicht besonders stolz auf uns.