Politik

Damit man nicht im Regen steht: Der Rain Check

Artikel veröffentlicht am 19. April 2012
Artikel veröffentlicht am 19. April 2012
Am 06. Mai wissen wir mehr: Dann nämlich steht fest, wer der neue Präsident Frankreichs ist und welche Partei demnächst die Geschicke Griechenlands bestimmt. Allerdings gibt es viele, vor allem jüngere Bürger, die dieses Mal lieber nicht wählen wollen. Sie machen einen "rain check".

Im letzten halben Jahr hat sich in Europa in Sachen politischer Führung einiges verändert. Technokratische und konservative Regierungen sind an die Macht gekommen - so in Italien und Spanien Ende 2011 und in Finnland Anfang des Jahres. Als nächstes sind nun Frankreich und Griechenland an der Reihe (06. Mai).

Die meisten jungen Leute, mit denen cafebabel kürzlich in Paris und Athen gesprochen hat, sagten, sie würden "weiß" wählen (franz.: vote blanc) oder "leer" wählen (engl.: blank vote). Dahinter steht die Idee, die eigene Stimme für einen Kandidaten abzugeben, der sowieso keine Chance hat oder sie in irgendeiner Form ungültig zu machen. Warum dieses Einstellung? Sie wollen sich von der Wiederwahl des unbeliebten Präsidenten Sarkozy und der noch unbeliebteren Regierungspartei PASOK in Griechenland distanzieren. Mit anderen Worten würden sie lieber einen "rain check" einlegen, sprich die Entscheidung auf ein anderes mal verlegen. Denn egal für wen sie sich entscheiden: eine wirkliche politische Alternative oder gar eine Erneuerung sind momentan nicht in Sicht.

Franzosen und Engländer bleiben nicht im Regen stehen

Der Begriff "rain check" wird im Englischen benutzt, wenn eine Verabredung oder ein Treffen aus irgendwelchen Gründen abegsagt werden muss. Zugleich beinhaltet er aber aber auch das Versprechen, dies in naher Zukunft nachzuholen. Ursprünglich kommt die Redewendung vom Baseball, wo sie Anfang des 19. Jahrhunderts aufgetaucht ist. Wenn ein Spiel wegen Regen ausfallen mussten, bekamen die Zuschauer Tickets für ein neues, zukünftiges Spiel, kurzum: es gab einen "rain check".

In Frankreich gibt es eine ähnliche Redewendung für das Verschieben von Terminen. Auch sie kommt aus dem Sport und heißt "partie remise". Das bedeutete ursprünglich: ein Spiel wurde abgesagt und für ein anderes mal neu angesetzt. Oft wird der Ausdruck  "partie remise" auch benutzt, um das Verschieben eines Termines weniger schlimm erscheinen zu lassen. Die Franzosen sagen dann: "ce n'est que partie remise" (Aufgeschoben ist nicht aufgehoben).

Für die pünktlichen Deutschen gibt es allerdings keine derartige Redewendung. Sie kommen wie verabredet und werden dann im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen gelassen, wenn keiner sie über den "rain check" informiert hat.

Foto: (cc)shitsuren/flickr