Politik

Countdown für die Erde

Artikel veröffentlicht am 22. April 2008
Artikel veröffentlicht am 22. April 2008
Der 22. April ist der Internationale Tag der Erde. Reagiert Europa schnell genug, um die schwindende Biodiversität aufzuhalten? Griechenland, Portugal, Rumänien: Rettet eure Artenvielfalt!

Laut EU-Umweltkommissar Stavros Dimas ist das Aufrechterhalten der Bioversität für die nächsten Generationen das "wichtigste Ziel der Menschheit". Eine Eurobarometer-Umfrage vom 18. Januar 2008 zeigt, dass 90 Prozent der Europäer dem zustimmen und ernsthaft um das Verschwinden von Tier- und Pflanzenarten besorgt sind.

Das erste europaweite Übereinkommen, um den Verlust der Artenvielfalt bis 2010 zu stoppen, wurde während des EU-Gipfeltreffens 2001 im schwedischen Göteborg getroffen. Die fünfte und bisher letzte Initiative wurde 2006 von der 'Biodiversitäts-Konvention' ins Leben gerufen. Die EU-Länder wurden dazu aufgerufen, Naturschutzgebiete für die meistbedrohten Arten in ihren Regionen einzurichten. Das Programm Natura 2000 beispielsweise schützt 18 Prozent der Fläche der ersten 15 Gründungsländer der Europäischen Union. Ein Blick auf bedrohte Regionen in Griechenland, Rumänien und Portugal.

Griechenland: Parkhäuser und Schildkröten

Entlang der längsten Küste des Mittelmeeres hat Griechenland eine vielfältige Flora und Fauna, die, noch bis vor einiger Zeit, fast unberührt war. Viele bedrohte Tierarten haben andere Gebiete Europas verlassen, um sich hier anzusiedeln. Gerade 25 Prozent der Tierarten und nur 20 Prozent der Pflanzen in Griechenland stammen tatsächlich aus dem Land. Laut einer Studie, die 2006 von der Umweltschutzorganisation WWF durchgeführt wurde, um die Umsetzung des Natura 2000 Programms zu untersuchen, fehlt es Griechenland sowohl an politischem Engagement als auch an Interesse von Seiten der Bürger. Trotz Drängen einiger Umweltschutzorganisationen, gibt es keine griechischen Initiativen, um die so genannte Karettschildkröte oder die seltenen Mönchsrobben auf der Zakynthos-Insel vor dem Aussterben zu bewahren. Im Jahr 2002 drohte der Europäische Gerichtshof Griechenland mit Geldstrafen, weil sie ihrer Pflicht nicht nachkamen, effektive und wirkungsvolle Maßnahmen zum Schutz ihrer Artenvielfalt zu ergreifen. Infolgedessen wurde ein nationaler Naturpark für Meerestiere geschaffen, um die Existenz bedrohter Arten zu sichern. Aber schon fünf Jahre später wurden zwei neue Parkhäuser in der Nähe einer geschützten Strandzone gebaut.

Portugal: Vögel und Präsidenten

Portugal hat seine Artenvielfalt größtenteils der Vulkanlandschaft und dem tropischen Klima der Azoren und dem Madeira-Archipel zu verdanken. Doch auch auf dem Festland sind viele verschiedene Arten in den Dünen, Klippen, Sümpfen und Lagunen zu Hause. 35 Prozent der 313 Vogelarten in Portugal sind vom Aussterben bedroht. Während seiner EU-Ratspräsidentschaft (Juli bis Dezember 2007) war Portugal einer der führenden Staaten in der Suche nach Strategien, um das 'Ziel 2010' zu erreichen.

Rumänien: Fauna im Herzen Europas

Das Donau-Delta, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, beherbergt das größte Schilfrohrgebiet der Welt. Rumänien besitzt mehr biogeographische Regionen als jedes andere EU-Land. Aber die Landschaften werden zunehmend von der boomenden Landwirtschaft und dem Städtewachstum beeinflusst.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2006 hat Rumänien in vielen Punkten des Natura 2000 Programms noch Verbesserungen zu machen. Dazu gehört ein zu niedriges nationales Budget in diesem Sektor sowie ein fehlendes Bewusstsein über die EU-Richtlinien. Auch die rumänische Öffentlichkeit wird nicht genug informiert. Im Oktober 2007 bekam Bukarest eine schriftliche Verwarnung der Europäischen Kommission: mit der Begründung, das Land habe Gesetze zur Erhaltung der Biodiversität nicht eingehalten. Konkret ging es darin um bestimmte Schutzzonen für Migrationsvögel, die Natura 2000 verlangt.