Politik

Berlusconi: Italien setzt erneut auf 'Il Cavaliere'

Artikel veröffentlicht am 16. April 2008
Im Magazin veröffentlicht
Artikel veröffentlicht am 16. April 2008
Mit 47% der Stimmen hat Silvio Berlusconis Partei PDL in Italien die Parlamentswahlen gewonnen. EU-Kommissar Franco Frattini wird voraussichtlich Außenminister.

Da hatten sich die deutschen Macher der politischen Satire Bye Bye Berlusconi 2005 wohl zu früh gefreut. Denn 2008 schafft es 'Il Cavaliere' bereits zum dritten Mal auf den Posten des Ministerpräsidenten: eine in der jüngeren europäischen Politik einzigartige Situation, die nicht zuletzt den Mangel an potentiellen Kandidaten in der italienischen Politik deutlich macht. Allerdings hatte der Medienmogul in seiner Kampagne große Versprechungen vermieden und "schwierige Jahre mit ihm am Ruder" angekündigt. Eine Taktik, die ihm das Vertrauen der italienischen Wähler einbrachte, die die Maskerade falscher Versprechungen von Seiten ihrer führenden 'Kaste' leid sind. Der Aufstieg der rechtsgerichteten und separatistischen Lega Nord - als Reaktion auf die Skandale im Süden des Landes, um die Müllentsorgung in Neapel und die Dioxinbelastung von Büffelmozzarella - hat ein Übriges dazu getan, die Waage in Richtung der Konservativen zu neigen.

Mit einer Wahlbeteiligung von 80 Prozent haben Befürworter eines Wahlboykotts ihr Ziel jedoch nicht erreicht. Berlusconis Partei Volk der Freiheit (Populo de la Libertà, PDL) wurde mit 47 Prozent stärkste Kraft vor Walter Veltronis linksgerichteter PD (Demokratische Partei) mit 33 Prozent. Angesichts des Wahlergebnisses kündigte Silvio Berlusconi an: "Diese Legislaturperiode wird mit der von 2001 nichts zu tun haben" - das heißt, er wird sich vorerst auf die Innenpolitik konzentrieren und seinem Ansehen im Ausland und seiner Außenpolitik weniger Bedeutung beimessen. Kein Einsatz mehr für scheiternde europäische Projekte (wie die misslungene Verfassung) oder für selbstmörderische Kriege (wie im Irak). Mit seinen 71 Jahren hat er keine 'internationalen Kumpel' und keine Beweihräucherung durch die Medien mehr nötig.

(Homepagefoto: Silvio Berlusconi - Samuele Silva/flickr)