Politik

Alexander Van der Bellen: Eisschlitten, Europa und Frösche

Artikel veröffentlicht am 27. September 2016
Artikel veröffentlicht am 27. September 2016

Es war eine Zitterpartie: Ökonom und ehemaliger Grünen-Chef Alexander Van der Bellen ging aus den Wahlen im Mai mit knappem Vorsprung gegenüber dem Rechtspopulisten Norbert Hofer (FPÖ) als österreichischer Bundespräsident hervor. Doch dann kamen die Anfechtung aufgrund von Unregelmäßigkeiten, nicht klebende Kuverts und nun Neuwahlen am 4. Dezember. 

cafébabel: Die moderne Welt ist ziemlich komplex. Wie würden Sie einem Kind erklären, was Sie beruflich machen?

Alexander Van Der Bellen: Der Bundespräsident ist so etwas wie ein erfahrener Kapitän auf einem Schiff, der ein wachsames Auge auf das Tun der Mannschaft, immer ein offenes Ohr für ihre Anliegen hat und darauf achtet, dass das Schiff auf Kurs bleibt. Wenn ein Sturm aufkommt, achtet er darauf, dass der Steuermann das Schiff gut durch die stürmische See steuert und dass alle sicher durch das Unwetter kommen.

cafébabel: We can all be heroes, just for one day. Von welcher Sache haben Sie schon immer heimlich geträumt, aber sie am Ende doch nicht gemacht?

Alexander Van Der Bellen: Vom „Cresta Run“ in St. Moritz. Das ist ein Eiskanal, durch den man mit 140 km/h bäuchlings auf einem schmalen Schlitten hinunterdonnert.

cafébabel: Für viele Menschen ist Europa ganz schön nervig. Was denken Sie, wie könnte man Europa sexy machen?

Alexander Van Der Bellen: Frieden und Arbeitsplätze sind schon einmal sehr überzeugende Argumente für ein gemeinsames Europa, finde ich. Ein stabiles, gemeinsames Europa ist für mich aus wirtschaftlichen und friedenspolitischen Gründen unverzichtbar. Zehntausende Arbeitsplätze in der Industrie, im Tourismus hängen direkt von der Mitgliedschaft Österreichs in der EU ab und wären bei einem Austritt in Gefahr. Und es ist vor allem für viele junge Menschen schon ziemlich toll, dass sie sich frei entscheiden können, wo in Europa sie leben, lernen und wohnen wollen.

cafébabel: Was regt Sie in der Welt aktuell am meisten auf?

Alexander Van Der Bellen: Das Liebäugeln mit dem Austritt Österreichs aus der EU, also mit dem Öxit. Schon das Gerede von einem EU-Austritt schadet Wirtschaftsstandort und Arbeitsmarkt. Ich werde als Bundespräsident daher alles tun, damit Österreich von einer pro-europäischen Regierung geführt wird und sich nicht auf's Abstellgleis begibt.

cafébabel: Unsere Gesellschaft verlangt nach Perfektion. Über welchen Makel können Sie trotzdem gut hinwegsehen?

Alexander Van Der Bellen: Ich bin im Großen und Ganzen ein sehr toleranter Mensch.

cafébabel: Es scheint, das Internet weiß so ziemlich alles. Was weiß google noch nicht über Sie?

Alexander Van Der Bellen: Eventuell, dass ich im Frühling das Quaken der Frösche gerne habe, solange es nicht zu nah an meinem Schlafzimmerfenster ertönt ;).

cafébabel: Glückwunsch! Sie wurden soeben zum Jugend-Repräsentanten der Welt gewählt. Wie lautet Ihr Slogan?

Alexander Van Der Bellen: Du und ich. Gemeinsam stärker. Gut gefallen würde mir auch: It’s your future!

cafébabel: Was ist das erste, was Sie am Morgen tun?

Alexander Van Der Bellen: Die Augen öffnen. Kaffee trinken.

cafébabel: Wenn Sie eine Sache erfinden könnten, die es noch nicht gibt, welche wäre das?

Alexander Van Der Bellen: Gut bezahlte Arbeitsplätze für alle, die Jobs brauchen.

cafébabel: „WIR - Alle Gemeinsam“ - steht auf Ihrem Wahlplakat. Wie wollen Sie die 50%, die im Mai für Norbert Hofer gestimmt haben, nur wenige Monate später (4. Dezember) später mit diesem Wir-Gefühl überzeugen?

Alexander Van Der Bellen: Mit einer sehr breiten Bürgerbewegung weit über die Parteigrenzen hinweg. Da engagieren sich ganz selbstständig junge Menschen, die in der U-Bahn für mich singen und mittlerweile auf Tour durch ganz Österreich gehen, Gastronomen, Gewerkschafter, Ärzte, junge Leute, die noch nicht einmal wahlberechtigt sind, Computerfreaks, Landwirte und viele mehr. Wer kann das schon von sich behaupten? 

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In Europas Teich schwimmen viele große Fische. Die cafébabel-Interviewserie Big Fish taucht tiefer in den Alltag der großen Namen des Kontinents ein.