Politik

2010: Countdown für den Schutz der europäischen Artenvielfalt

Artikel veröffentlicht am 11. März 2008
Artikel veröffentlicht am 11. März 2008
Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen sind in einigen europäischen Ländern schon bis zu 24 Prozent der Schmetterlings-, Vögel- und Säugetierarten ausgestorben.

Bereits 785 Tier- und Pflanzenarten der Welt sind ausgestorben. Tausend sind vom Aussterben bedroht und 17.000 sind einer starken Bedrohung ausgesetzt. Das sind Daten der Weltnaturschutzunion (IUCN), die davor warnt, dass 2020 ein Drittel der weltweiten Artenvielfalt verschwunden sein könnte. Die EU hofft allerdings bis 2010 den wachsenden Verlust der Artenvielfalt in ihren Mitgliedsstaaten ausbremsen zu können.

Die spanische Gypaetus Stiftung kämpft mit ihrem Projekt LIFE für die Wiederansiedelung des Bartgeiers in Andalusien". Gypaetus will verhindern, dass das empfindliche natürliche Gleichgewicht zwischen dem Menschen und anderen Lebensformen völlig zerstört wird.

Demografischer Druck, unkontrollierte Bebauung, Industrialisierung, Klimawandel, übermäßige Nutzung der Bodenschätze, unerlaubte Jagdpraktiken oder die Zuwanderung exotischer Arten haben nach und nach dazu geführt, dass viele heimische Arten - wie der Bartgeier - vom Aussterben bedroht sind. Der Bartgeier ist ein großer Aasfresser, der bis ins vergangene Jahrhundert in den europäischen Gebirgen lebte und schließlich in drei kleine Regionen in den Pyrenäen, auf Korsika und Kreta zurückgedrängt wurde.

LIFE is life - ein Überlebensprogramm

2004 erhielt die Gypaetus Stiftung, eine private gemeinnützige Körperschaft, die für die Bewahrung des Natur- und Landschaftserbes Andalusiens arbeitet, finanzielle Unterstützung von der EU. Dank des Projekts, dessen Budget bei 1,5 Millionen Euro liegt, haben die fünf jungen Bartgeier, die seit 2006 wieder über dem andalusischen Himmel kreisen, die besten Überlebenschancen. Global gesehen ein kleiner Erfolg.

"Obwohl die EU seit den siebziger Jahren im Bereich der Artenvielfalt einige Gesetze erlassen hat, wurde bis 2001 keine bestimmte Strategie auf den Weg gebracht. Erst seitdem wurde der Schutz der Artenvielfalt zu einem politischen Ziel ersten Ranges. Zum ersten Mal wurde ein konkretes Datum festgelegt: Das Jahr 2010", erklärt José Eugenio Gutiérrez, Projektkoordinator der Gypaetus Stiftung.

"Es ist nun nicht mehr nur eine Frage der Verantwortung, unser biologisches Erbe zu bewahren, um es an zukünftige Generationen weitergeben zu können", sagt Gutiérrez weiter. "Mit dem Aussterben jeder weiteren Art verliert unser Umfeld an Stabilität. Es wird schwächer und wir verlieren natürliches Kapital für unser eigenes Überleben. Wenn wir den Bartgeier und seinen Lebensraum schützen, ziehen auch andere Arten einen Nutzen daraus. Die Natur bietet Phänomene, wie den Wasserkreislauf oder das Klimasystem. Natürliche Leistungen, die für uns unverzichtbar und unersetzbar sind."

Die langsamen EU-Mühlen beginnen zu mahlen

Die Europäische Kommission stellte in dieser Hinsicht im Mai 2006 einen Aktionsplan mit 150 konkreten Maßnahmen vor. Dieser stärkt nicht nur das derzeit vorhandene Netz der Schutzgebiete, Natura 2000, sondern weißt auch nachdrücklich auf die Priorität der Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Kräften und dem Finanz-, Bildungs- und Privatsektor hin.

Das Projekt von Gypaetus fügt sich in diese Arbeitsphilosophie ein. Auf der einen Seite fördert es die länderübergreifende Zusammenarbeit, auf der anderen Seite setzt es auf Verbreitung und Sensibilisierung als Vorbeugungsmaßnahmen. "Vom ersten Moment an interessiert uns der Standpunkt anderer internationaler Einrichtungen, wie der des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes (EEP), dass die Aufzuchtstationen koordiniert, oder der Schweizer Stiftung pro Bartgeier, verantwortlich für das Programm für die Wiederansiedelung in den Alpen", erklären die Verantwortlichen der Stiftung. "Genauso wichtig wie die Ergebnisse selbst, sind das Weitergeben und Teilen des Wissens. Und das nicht nur auf wissenschaftlicher Ebene. "Tatsache ist, dass es unmöglich ist, das Unbekannte zu schützen", bemerkt Gutiérrez.

Übertreiben, um zu überzeugen?

Eine größere politische Kohärenz, eine beweglichere und kraftvollere Finanzierung, Weitergabe und Zusammenarbeit. Dies scheint der Schlüssel zu sein, um sich des Problems gemeinschaftlich anzunehmen, dass laut dem Vorstandssekretär der UNO-Biodiversitäts-Konvention, Ahmed Djoghlaf, "die größte Austerbenswelle seit dem Verschwinden der Dinosaurier" ist.

Übertreibung? - "Das kommt schonmal vor, aber wenn wir nichts unternehmen, um den Trend umzukehren, werden die Folgen verheerend sein. Die Erhaltung der Artenvielfalt geht alle etwas an: es ist unsere eigene Zukunft, die hier auf dem Spiel steht", bekräftigt José Eugenio Gutiérrez. Bis 2010 bleiben noch 661 Tage.

Einblick in die Aktivitäten von Gypaetus