Politik

20 Jahre Maastricht-Vertrag: Hier kommt mein Geschenk!

Artikel veröffentlicht am 7. Februar 2012
Artikel veröffentlicht am 7. Februar 2012
Weil heute Dein Geburtstag ist... Der Vertrag von Maastricht wurde am 7. Februar 1992 unterschrieben, ein Zeitpunkt, zu dem die meisten cafebabel.com Editors noch Kinder waren.
Der nach der holländischen Grenzstadt benannte Vertrag besiegelte zum einen die Schaffung der Europäischen Union – vorher noch unter dem Namen Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) bekannt – und den Euro als Gemeinschaftswährung. Zwei Jahrzehnte später zieht der Vertrag den Zorn krisengeschüttelter Europäer auf sich. Cheers!

Felicidades Maastricht, meine Geschenke sind ein Kompass und eine Packung Valium. Der Kompass soll dir dabei helfen, den rechten Weg zu finden. Denn wie es scheint, bist du in den letzten 4 Jahren [seit 2008, dem Beginn der Krise] ein wenig vom rechten Weg abgekommen. Und das Valium? Naja, du solltest ein wenig relaxen… Du standest in den letzten Monaten unter tierischem Druck, mit all diesen Staatsoberhäuptern, die dich ständig in Frage stellten und dich ständig ändern wollten, armes Ding. Da du gerade keinen Urlaub einreichen kannst (schlechte Zeiten, um dem Kontinent den Rücken zu kehren), wird dir das Valium gut tun (aber nur eins am Tag), um besser schlafen zu können. Wenn du etwas ruhiger bist, wirst du auch feststellen, dass die Lage in Europa gar nicht so schlimm ist, zumindest nicht so schlimm wie sie uns immer glauben machen. Besos, Cristina, Spanien.

Dear treaty, ich schmeiße dir spontan eine Überraschungsparty zu deinem Geburtstag. Nicht nur, weil du dich im Moment völlig ungeliebt fühlst, sondern auch weil wir Europäer dich einfach ein bisschen besser kennenlernen sollten. Wie tickst du eigentlich wirklich? Was sind deine Ziele im Leben? Und in welche Richtung bewegst du dich? Komm und teile ein paar polnische Pancakes (placki ziemniaczane), dänischen Zitronenkuchen und spanischen Sherry und sag uns selbst deine Meinung. Birthday wishes, Annie, Großbritannien.

Auguri Maastricht, ich schenke dir einen neuen Namen zum heutigen Jahrestag. Maastricht, wie viele junge Europäer wohl wissen, wo das liegt? Ich empfehle dir einen etwas spritzigeren Namen: wie wäre es mit dem Vertrag von Ibiza, dem Mykonos-Pakt oder der Capri-Allianz? Denk mal drüber nach. Ciao, Jacopo, Italien.

Lieber Maastricht-Vertrag, du hast eine ziemlich schwere Zeit hinter dir. Zwanzig Jahre lang hast du Regeln aufgestellt, Wahlen ausgerichtet und an den Grenzen patrouilliert. Du warst beliebt, hattest viele Freunde. Doch seit einigen Monaten läuft es nicht mehr gut für dich. Keiner beachtet dich und niemand interessiert sich für deine Meinung. Hinter deinem Rücken sagt man, du seist schwach geworden und unwichtig. Sei nicht traurig. Vielleicht brauchst du einfach eine Auszeit! Zu deinem Geburtstag schenke ich dir deshalb einen Urlaub. Spann ein paar Tage aus, vergiss den Stress der letzten Wochen. Warum nicht gleich ein Sabbatical? Ein paar Monate auf den Malediven? Denk darüber nach. Und vielleicht findest du dort auch ein paar neue Freunde. LG, Alexandra, Deutschland.

Sto lat Maastricht, zu deinem 20. Geburtstag spendiere ich dir eine Weltreise. Aber bitte lass dich nicht in Luxushotels nieder, an die sich unsere europäischen Volksvertreter leider allzu sehr gewöhnt haben. Ich würde mir wünschen, dass du – solltest du außerhalb der EU in Trouble geraten – nicht gleich Papa Sarkozy anrufst. Ich würde mir wünschen, dass du herausfindest, dass es außerhalb dieses Europas der zwei Geschwindigkeiten auch noch andere (nicht unbedingt zu unterschätzende) Geschwindigkeiten gibt, die uns vielleicht in nicht allzu langer Zeit überholen werden. Cześć, Agata, Polen.

Konvergenzkriterien - was'n das?

Lieber Vertrag von Maastricht, zum heutigen 20. Geburtstag wäre ein neues Kosmetikset angebracht – das alte ist sicherlich längst aufgebraucht. In den letzten Jahrzehnten wurde an dir europäischem Klauselmonster öffentlich geschminkt, gebürstet, wegretuschiert und übermalt, was das Zeug hält. Im Großen und Ganzen: niemand hält sich an deine Regeln! Ist die 3%-Defizit Grenze [Neuverschuldung darf nicht höher als 3% des jährlichen BIP liegen] nicht zu schaffen, trägt auch Deutschland (2003) schonmal dick Make-up auf, um seine schlechte Jahresbilanz zu retuschieren. Nicht nur gegen die Krisensündenböcke, sondern gegen 23 von 27 Mitgliedstaaten laufen aktuell Defizitverfahren. Deshalb lieber schnell eine dicke Portion Make-up auftragen! Kuss, Katharina, Deutschland.

Salut Kumpel, weil man ja nicht jeden Tag 20 Jahre alt wird und ich keine Lust hatte, dir bei dieser Kälte ein Auto zu schenken, habe ich das neue Album von Leonard CohenOld Ideas für dich ausgesucht. Ich erklär‘ dir kurz warum: Ich finde, dass Cohen zu dir passt. Er hat so ein altbackenes Crooner-Image, aber er macht immer noch Rock. Gar nicht mal so daneben. Du mit deinen 20 Jahren hast dir schon so ziemlich alles anhören müssen, aber grundsätzlich wollen alle das, was du da erfunden hast – nämlich den Euro – mit allen Mitteln retten. Europa und der Euro sind so ein bisschen wie Rockmusik; „Old Ideas“, wie Leonard sagen würde, die jeder verbessern möchte aber niemand tatsächlich in den Schatten stellen kann. Dein Vertrag ist wie eine gute alte Basslinie von Led Zeppelin, jeder wird sie auch 100 Jahre später noch spielen. Und Cohen ist der lebendige Beweis dafür, dass man mit 77 Jahren noch ein Comeback feiern kann. Worauf wartest du noch? Allez ciao l’artiste, Matthieu, Frankreich.

Illustrationen: (cc)AndyWilson/flickr/fatreg.net/blog/