Lumière und die dunkelheit

WUNDER IN EUROPA

Artikel veröffentlicht am 3. November 2007
Aus der Community
Artikel veröffentlicht am 3. November 2007
Magst du Kino, hast aber keine Lust mehr, dauernd den selben Film erzählt zu bekommen? Willst du auf dem laufenden sein, hast aber keine Lust mehr, die Nachrichten so zu hören als wäre es immer der selbe Film? Magst Du Kino? Magst Du Musik? Hast du keine Lust mehr auf Blogs? Dann hereinspaziert und viel Vergnügen!
Den meisten Menschen, mit welchen ich die Nachrichten bespreche, kommt das Sehen der Tagesmeldungen vor wie ein jeden Tag wachsendes Leiden. Zeitungslesen, elende Langweile. Das Ziel der Journalisten heutzutage ist die dramatische Katharsis jedes Berichtes und der Sinn für Humor ist völlig verschwunden: es gibt ihn nicht, er existiert einfach nicht. Das Ende der Welt ist schon da und es scheint, als würden wir alle zur Hölle fahren. Terroristische Attentate, unheilbare Krankheiten, Gewalt, Rassismus, Homophobie, Tsunamis und Niederlagen in der Champions League... Früher oder später erwischt das Leiden ja doch einmal jeden von uns. Zum Glück bleibt uns als Trost, dass, wenn auch viele zur Hölle fahren, diese, wie Woody Allen sagt, in verschiedene Stockwerke aufgeteilt ist, aber einzig das letzte, dort, wo es am heißesten und die Folter unerträglich ist, ist den Journalisten reserviert. Dennoch kommt es auch auf die Brille an, durch die man guckt. Vor kurzer Zeit fand ein für Europa gewichtiges Ereignis statt, dass wir kaum wahrgenommen haben, da es keine ausreichend dramatische Nachricht war. , das verschwunden Mädchen, dass, wie der Name schon sagt, die Welt zum Weinen brachte, war wichtiger und hörte nicht auf, Nummer eins in den Medien zu sein.

Magdalena

Und auf eben dieser Linie der Desinformation kamen unsere Präsidenten letzte Woche zu einer Einigung über die zukünftige . In der Tat ist es wirklich ein Erfolg, eine Verfassung für 450 Millionen Personen zu beschließen, ohne das diese auch nur wählen können. Ich würde sagen, mehr als ein Erfolg: es ist schon fast ein Wunder, dass alle einverstanden zu sein scheinen und keiner protestierte. Doch auch wenn sie den Namen änderten, um zu kaschieren, dass sie der Bevölkerung zugehört haben (nun heißt er “Reformvertrag““), bleibt der Text in Wirklichkeit nahezu identisch mit jenem, welchen die Franzosen und die Holländer vor zweieinhalb Jahren ablehnten. Mit einem Unterschied: die europäische Charta der Menschenrechte, die anfangs eingeschlossen werden sollte, wurde herausgelassen (doch, doch, es ist fast besser die Menschen auszuschließen, sie sind ja schon so mit Magdalena beschäftigt...). Mich erinnert dieses Thema ein bisschen an die herrliche Kajütenszene aus dem Film der …

Europäische Verfassung“Eine Nacht in der Oper“ Marx Brothers

Vielleicht bin ich ein bisschen unausgeglichen, aber besser, Sie gewöhnen sich schon einmal daran. Diese Szene scheint mir nämlich tatsächlich einiges mit der Europäischen Verfassung gemein zu haben, die wie das Gepäck ist, welches kaum Luft zum Atmen lässt.

Groucho Marx

Groucho ist ein wenig wie der europäischer Staatsbürger, der friedlich in seiner kleinen Kajüte wohnt (Na los, wie die Europäer! Was für ein Zufall!) und sich auf einmal mit einem Gepäck wiederfindet, welches er nicht versteht, welches er nicht ausgesucht hat und aus welchem in einem fort Gäste herauskommen. Sein stummer und schlafwandelnder Bruder, dessen einzigste Tätigkeit darin besteht, zu stören (wie der ehemalige polnische Präsident), zwei Mädchen, die kommen, um das Bett zu machen und versuchen und das Ärgernis auszubügeln (wie die Staatsoberhäupter von und , welche das ganze Jahr über die Diplomaten spielen mussten, um die Haltungen der anderen Staaten versöhnlich zu stimmen), ein Klempner, eine Putzfrau, zwei Kellner, bis hin zu einem ein wenig verlorenem Mädchen, das seine Tante Michealla sucht, und welche mich ein bisschen an erinnert, da niemand genau weiß, welche Rolle es in dem Ganzen spielt. Gemeinsamkeiten gibt es viele, man braucht nur ein wenig Phantasie.

PortugalDeutschlandGroßbritannien

Aber Groucho, nimmt es, wie die Europäer, mit Humor, und gibt weder die Zigarre, noch das Lächeln auf. Seine Solidarität für diese unbekannten blinden Passagiere, die plötzlich Teil seiner Kajüte sind, ist so groß, das er sogar die Maniküredame bittet, seine Fingernägel zu schneiden, weil nicht soviel Platz in dem Zimmer ist. Das Ende kennen Sie bereits. Europa platzt vor lauter Luft.

Tom Wolf Das Wunder

Bevor er den Koffer in seine Kajüte stellt, fragt die Pagen: Ein offenkundiges Wunder, wie es auch die Verfassung ist, die zu guter Letzt platzen wird. Obwohl das wahrhaftiges Wunder darin bestand, dass letzte Woche 200.000 Menschen friedlich in den Strassen von Lisabon wenige Meter von der Stelle entfernt, an der sich das zukünftige Europa entschied, demonstrierten, ohne dass auch nur ein einziges Nachrichtenorgan darüber informiert hätte. Dahingegen berichtete die österreichische Zeitung, (um ein Beispiel zu nennen), lieber über eine gewaltsame Demonstration von 300 Anti-Europäern, welche am gleichen Tag in Paris stattfand. Es scheint, als müsse man sich wie ein Schimpanse aufführen und öffentliche Gebäude zerstören und auf die Strasse scheißen, will man in Europa gehört werden.

Groucho „Wäre es nicht einfacher, die Kajüte in den Koffer zu packen?“ „Der Standard“

Und da sind wir gerade dabei: ein Wunder zu versuchen: nämlich die 3 Prinzipien von Tome Wolfe wiederzuerlangen. Dieser Herr, mit dem Anschein eines Bestsellers der CDs in Tankstellen , war in Wirklichkeit der Vater des neuen Journalismus und sagte etwas, was nur wenige in die Tat umsetzten: informieren, unterhalten und ständig neu erfinden. Einzig, dass wir hier noch ein kleines bisschen Kunst dazu mischen. Nicht mehr und nicht weniger. Traduktion:

Teresa Bornschlegl

Traduktion:

Teresa Bornschlegl