Lumière und die dunkelheit

Der Tschad- besser ohne Weihnachtsmann

Artikel veröffentlicht am 19. November 2007
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Artikel veröffentlicht am 19. November 2007
Tim BurtonSpanien und Frankreich kommen mit der aus der Kindesentführung resultierende Krise im Tschad nicht besonders gut klar- ist es doch auch keinem der beiden Länder bisher eingefallen, Tim Burton herzubestellen, um den Konflikt zu lösen. Ja, ja, Sie haben schon richtig gehört. Keiner der Diplomaten von Zapatero und Sarkozy ist auch nur halb so kompetent, was Entführungen angeht, wie Mister Burton. Dieser ist denn nicht nur für seine Vorliebe für Schokolade bekannt, sondern auch dafür, in seinem Film „Pesadilla antes de navidad“ (dt.: Albtraum vor Weihnachten), den Weihnachtsmann höchstpersönlich entführt zu haben, weswegen er eben nun als Experte in solcherlei Staatsangelegenheiten gilt.

Und glauben Sie nicht, den Weihnachtsmann zu entführen sei eine leichte Sache. Denn obwohl dieser aussieht wie ein Kommunist und obendrein nur einmal im Jahr arbeitet, wird der Weihnachtsmann nämlich (unerklärlicherweise) von allen, und vor allem von den Nordamerikanern heiß geliebt. Sogar in Spanien, ist der Einzelgänger mit Bierbauch und Zahnpastalächeln drauf und dran, den Heiligen Drei Könige den Rang abzulaufen (die republikanischen Parteien Spaniens sollten das mitschreiben); er ziert öffentliche Gebäude, hängt von Häuserfassaden und nötigt Studenten, unter dem Wohlwollen der Bevölkerung verkleidet wie er in Warenhäusern herumzustehen . Doch trotz dieser Beliebtheit schaffte es dennoch, uns mithilfe seines Meisterwerks davon zu überzeugen, dass die Entführung der Ikone des Glückes eine durchaus lustige und der Gesellschaft zuträgliche Angelegenheit sein kann. Burton

In dieser Szene von der Entführung des Weihnachtsmannes lässt sich das vollkommen verstehen.

Wer will da nicht gerne an der Stelle von stehen, der da aussieht wie ein Sack voll Maden? Wer, der auch nur einen Funken Gewissen besitzt, will da nicht mit diesem Materialisten abrechnen, der einzig Geld und Heuchelei verteilt. Oogie Boggie

hat den Weihnachtsmann in der Hand, so wie der Präsident des Tschad (der mich sogar äußerlich an erinnert) die spanischen und französischen Gefangenen in der Hand hat. Er kann mit ihnen anstellen, was er will. Arca de Zoés Verhalten ist dabei dermaßen schlecht, das ihn auf einem Silbertablett servieren kann, ohne eine Erklärung dafür geben zu müssen. Niemand wirft ihr vor, dass sich unter dem Lammfell des Schutzes der Kinder aus dem Tschad eigentlich dunkle Absichten verbergen, und dass viele dieser Kinder womöglich die Liste der Kindersoldaten des Landes noch verlängern. Das sage nicht ich, das steht im letzten Bericht von Human Right Watch, in dem ausdrücklich bestätigt wird, dass die Armee des Tschad jedes Jahr tausende von Kindersoldaten rekrutiert, die an den kriegerischen Auseinandersetzungen teilnehmen.  Idriss DebyOogie BoggieIdriss DebyOggie BoggieDeby

Wer wen entführt

Mir, der ich ein Mensch mit klaren Vorstellungen bin, fällt es schwer, mich in dieser Angelegenheit festzulegen, stellen Sie sich das mal vor. Ich weiß nicht, ob ich eher für oder den Weihnachtsmann bin. Wer wäre wohl besser für die Kinder im Tschad? Europäische Weihnacht oder afrikanisches Halloween? Ebenfalls ist schwer zu sagen, wer wen entführt. Dass die Organisation von Zoé aus Verbrechern besteht, daran besteht kein Zweifel. Die Bilder, welche die französischen Kooperateure zeigen, wie sie unechte Wunden verbinden und die Kinder mit Jod beschmieren, damit es wie Blut aussieht, sind ziemlich erbärmlich. Aber sie „Häftlinge“ zu nennen wäre selber Euphemismus wie die Spitze einer schnöden Pinie als „Baumkrone“ zu bezeichnen. Denn die Tage, die sie in diesen Gefängnissen verbringen müssen, sind bestimmt ein absoluter Oogie BoggieAlbtraum vor Weihnachten.

Einer Sache bin ich mir allerdings sicher, nämlich, dass ich den Weihnachtsmann nicht sehen kann und dass dieser mehr von einem Entführer hat als von einem Entführten. Ein Entführer von Illusionen und von Geschenken. Denn ist dieser fette Fresser von Rentierfleischhamburgern etwa nicht der Spitzenreiter aller unmoralischen Vergeudung, die sich um Weihnachten konzentriert, die uns aber tagtäglich begleitet? Und wie viele Kinder hat er denn nicht schon unglücklich gemacht? Sicherlich mehr als er je glücklich gemacht hat. Vielleicht kennen diese entführten Kinder des Tschads den Weihnachtsmann gar nicht und werden ihn auch nie kennen. Aber ich verstehe diejenigen, die denken könnten, sie seien wohl glücklicher ohne ihn, auch wenn sie schließlich im Sudan kämpfen werden, das Gewehr in der Hand. Für diejenigen, die nun vielleicht Lust auf weiterer

bekommen haben… Traduktion: Teresa Bornschlegl