Lifestyle

West-Kaffee ist nicht gleich Ost-Kaffee

Artikel veröffentlicht am 20. Mai 2011
Artikel veröffentlicht am 20. Mai 2011
Kaffee hat in Rumänien eine besondere Bedeutung, nachdem er im Kommunismus Mangelware war. Für viele Rumänen ist es deswegen noch immer etwas Besonderes, Produkte wie Jacobs Krönung oder Nescafé in den Läden zu finden. Dumm nur, dass der Kaffee nicht schmeckt...

Trotz aller Besonderheit westlicher Lebensmittel in Osteuropa: Viele Rumänen lassen sich Kaffee und Schokolade lieber von Verwandten oder Bekannten aus Deutschland oder Österreich schicken, statt selbst in den Laden um die Ecke zu gehen. Ihrer Meinung nach schmecken die in Rumänien erhältlichen westlichen Markenprodukte nämlich weniger gut als die aus Wien oder München. Dieser Verdacht erhielt nun wissenschaftliche Unterstützung: Eine im April veröffentlichte Studie des slowakischen Verbraucherschutzdienstes fand heraus, dass Markenprodukte wie Coca-Cola, Jacobs Krönung, Tchibo Espresso und Nescafé Gold auf dem osteuropäischen Markt (Tschechien, Polen, Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Ungarn) eine minderwertigere Qualität aufweisen als in Deutschland und Österreich.

Doch warum schmeckt er so seltsam?

Mysteriöse ‚Konfusion‘

„Es ist durchaus üblich, dass Produkte der gleichen Marke in verschiedenen Ländern unterschiedlich hergestellt werden."

Die Konsumentenschützer stellten etwa fest, dass die in Osteuropa verkaufte Coca-Cola mit Isoglucose gesüßt wird, die in Deutschland und Österreich aber mit den teureren Zutaten Saccharose und Kristallzucker. Coca-Cola zeigte sich von den Vorwürfen überrascht. Laut Ibolya Szabo, Senior Communication Manager von Coca-Cola Europe, benutze die Firma in Deutschland und Österreich ebenso wie in Rumänien Raffinade. Man sei folglich „erstaunt über die angeblichen Laborbefunde bezüglich der in Rumänien verkauften Coca-Cola“ und werde prüfen, wie es zu dieser „Konfusion“ kommen konnte. Ein Sprecher der deutschen Coca-Cola-Zentrale erklärte außerdem, die in Deutschland verwendete „125 Jahre alte Rezeptur“ unterscheide sich nicht von der in anderen Staaten.

Der für den slowakischen Verbraucherschutz zuständige Kommissar John Dalli reagierte jedoch verhalten auf die Untersuchung. „Die Studie bezieht sich nur auf eine begrenzte Anzahl von Produkten, außerdem weiß ich nichts über die tatsächliche Verlässlichkeit der Ergebnisse“, sagte ein Sprecher des Kommissars. „Es ist durchaus üblich, dass Produkte der gleichen Marke in verschiedenen Ländern unterschiedlich hergestellt werden. Es ist Aufgabe der Unternehmen, die Qualität zu garantieren.“

Hamsterkäufe in deutschen Supermärkten

In Osteuropa profitieren derweil findige Geschäftsleute vom angeblichen Qualitätsmangel der Produkte – beispielsweise Marius Popescu, der seinen richtigen Namen nicht nennen will. Einmal pro Woche fährt er zur deutsch-österreichischen Grenze und kauft ein, was in Supermärkten gerade im Angebot ist, von Kaffee über Schokolade bis Waschmittel. Die Idee des Handels mit Westprodukten kam ihm nach einem Deutschland-Besuch, von dem er für alle Nachbarn Kaffee mitbringen musste. Dass dieses Geschäft nicht unbedingt legal ist, weiß Popescu. Doch sein Geschäft floriert und mit den Einnahmen konnte er für seine Familie ein Haus bauen. Von der slowakischen Studie weiß er weder noch kümmert sie ihn.

Ruxandra Stanescu ist Korrespondentin des Journalisten-Netzwerks n-ost

Fotos: Homepage (cc) Ronny Stiffel/flickr; Im Text (cc) Corinna A. Carlson/flickr, (cc) Uwe Hermann/flickr