Lifestyle

Was Sie schon immer über Pizza wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten

Artikel veröffentlicht am 29. Januar 2010
Artikel veröffentlicht am 29. Januar 2010
Egal, ob Pita, Flammkuchen oder Rieska - die Grundzutaten für das runde, platte Weißbrot sind immer dieselben: Mehl, Wasser, Salz. Die Geschichte einer italienischen Legende.

Man findet diese Brotsorte, die mit den traditionellen Zutaten der jeweiligen lokalen Küche belegt oder gefüllt wird, fast überall in Europa, auch wenn sie mit der griechischen Pita und dem arabischen Kebab im Mittelmeerraum am meisten verbreitet ist. Dazu gehört auch die italienische Pizza. Woher der Name kommt ist noch unklar, auch wenn es über den Ursprung zwei Theorien gibt: die erste leitet das Wort Pizza vom griechischen 'Pita' ab, die zweite führt es auf das lateinische Verb pinsere ('zerdrücken'), in Anlehnung an die Knettechnik bei der Zubereitung des Teigs, zurück.

Aber auch wenn der etymologische Ursprung ungewiss ist, der Geburtsort der Pizza ist weltbekannt: Die Pizza ist im italienischen Neapel oder, um genau zu sein, in Torre del Greco, einer an Neapel grenzenden Gemeinde, zu Hause, in der die Sarazenen im ersten Jahrhundert nach Christus die Zweikornpizzen einführten. Später wurde das Zweikorn durch Weizen ersetzt. Mit ein bisschen Öl und Knoblauch war so die allererste Pizza geboren. Die Tomaten kamen erst nach der Entdeckung Amerikas dazu. Die erste ‚rote‘ Pizza gab es deshalb erst im 18. Jahrhundert.

Die wahre „Königin“ der Pizzen

Die Auswahl an Pizzen ist heutzutage schier unendlich. Dafür müssen nur ein wenig Fantasie und eine gute Auswahl an außergewöhnlichen Zutaten her. Ursprünglich gab es aber nur drei Sorten: die weiße Pizza (Bianca) mit Öl und Knoblauch, die Marinara (Tomate, Öl, Knoblauch und Oregano) und die Margherita (Tomate, Mozzarella, Öl).

Königin unter den Pizzen

Dass die Margherita in ihrer Einfachheit perfekt schmeckt ist bekannt, aber nur wenige kennen die dazugehörige Anekdote. Im Sommer 1889 verbrachte das italienische Königspaar Umberto I und seine Frau, die Königin Margherita von Savoyen, ihren Urlaub in Neapel in der Residenz Capodimonte. Die Königin war neugierig auf dieses unter den Neapolitanern so verbreitete Gericht und ließ den Pizzabäcker Raffaele Esposito und seine Frau Rosa an den Hof holen. In Anlehnung an die Farben der italienischen Flagge bereitete dieser für das königliche Ehepaar eine Pizza mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum zu. Laut Überlieferung entschied sich der Pizzabäcker Esposito, die Pizza zu Ehren der Königin, die von der Komposition begeistert war, „Margherita“ zu nennen. Die Königin unter den Pizzen ist in Italien somit nicht die Regina, eine Sorte, die sich vor allem außerhalb von Italien verbreitet hat. Im Stiefel nennt man diese Variante nämlich schlicht und einfach Prosciutto e Funghi (Schinken und Pilze).

Pizza mit Totò und Sofia Loren

Ein Muss für Pizzafans in NeapelIn Neapel gibt es eine Pizzeria, wo man immer noch die Pizza „von damals“ essen kann. In der alten Pizzeria da Michele, 1870 von Salvatore Condurro gegründet, gibt es nur zwei Klassiker: die Marinara und die Margherita. Jede weitere Zutat ist tabu, weil sie dem mos maiorum, der Sitte der Vorfahren, widerspricht. Das Lokal ist rustikal und spartanisch eingerichtet: eine große Marmorplatte am Ende des Saals, auf dem die Pizzabäcker den Teig kneten und die Pizzen belegen, und ein weißer Holzofen sind die Haupteinrichtungsgegenstände. An den Wänden erinnern Zeitungsausschnitte an die Erfolge der Pizzeria erinnern. Auch Fotos von Sofia Loren und Totò dürfen natürlich nicht fehlen.

Man weiß, dass man vor dem da Michele steht, wenn man schon gegen Mittag eine lange Schlange vor der Tür sieht. An der Kasse sitzt immer noch der ursprüngliche Michele (der Sohn von Salvatore Condurno, nach dem die Pizzeria benannt ist). Er ist immer weiß gekleidet und verpasst nie einen Tag Arbeit, trotz seines hohen Alters. Das Warten lohnt sich auf jeden Fall. Denn bei Michele setzt man immer noch auf die ursprüngliche Schlichtheit: Seine Pizzen sind eine Art traditionelles Fast-Food, das mittlerweile die ganze Welt erobert hat.