Lifestyle

VOLONTOURISM: ‘INTO THE WILD’ GESCHÄFTE MIT  FREIWILLIGEN

Artikel veröffentlicht am 30. Juli 2013
Artikel veröffentlicht am 30. Juli 2013

Ein Sabbatical-Jahr als Volunteer im Ausland kommt immer mehr in Mode, von amerikanischen und britischen Studenten wird es inzwischen oft sogar schon als „Muss“ angesehen. Der Volontourismus boomt und laut Africa Insight dürfte das noch einige Zeit so weitergehen.

REISEN UND FREIWILLIG ARBEITEN

Der Volontourismus kombiniert Reisen mit freiwilliger Arbeit. Die meisten Volontariate sind englischsprachig und finden in entlegenen Dörfern in Entwicklungsländern statt. Die Projekte befassen sich mit Forschung und Arbeit in Nationalparks, um Ökosysteme zu bewahren, vom Aussterben bedrohte Tierarten zu schützen oder Entwicklungshilfe für die lokale Bevölkerung zu leisten. Obwohl Volontariate als ideale Aktivität während des sogenannten gap year angepriesen werden, dauern sie oft nur einige Monate, manche sogar nur eine einzige Woche. 

Bis vor wenigen Jahren wurden solche Aktivitäten praktisch nur von NGOs (Nichtregierungsorganisationen) angeboten, die sich mit ganz bestimmten Themen befassten und dafür freiwillige Helfer suchten. Im letzten Jahrzehnt hat sich das geändert. Große Tourismus-Agenturen haben diese alternative Form des Reisens für sich entdeckt und versuchen nun, mit Angeboten für den Massenmarkt Gewinne zu erzielen. In Ländern wie Großbritannien ist es Tradition, nach Abschluss des Gymnasiums ein gap year einzulegen, die Jugendlichen sollen sich selbst finden und das tun, worauf sie wirklich Lust haben. Inzwischen ist es für die jungen Absolventen jedoch beinahe schon eine Pflicht, während dieser Zeit ein Volontariat einzulegen. 

Mode, Marketing und Business

Die großen Tourismus-Agenturen beschreiben den Volontourism bewusst als langen sonnigen Urlaub, der außerdem noch den Lebenslauf aufwertet. Durch diese Bilder geprägt brechen jährlich viele junge Europäer auf; mit Erwartungen, die oft weit von der Realität entfernt sind und ohne richtige Vorbereitung. In Wahrheit braucht es für die Teilnahme an solchen Projekten nämlich eine große Menge an Hingabe, Energie und Anpassungsfähigkeit. Barbara Heron, Professorin und Forscherin an der Universität New York, hat über dieses Thema ein Buch verfasst: „Desire vor Development: Whiteness, Gender and the Helping Imperative“ („Verlangen nach Entwicklung: Weiß-Sein, Gender und das Bedürfnis zu helfen“). Darin erklärt sie, dass sich die von NGOs gesuchten Freiwilligen und Volunteers, die das Angebot einer Tourismus-Agentur wählen, stark unterscheiden. Zweitere wollen meist einfach einen langen Urlaub machen, ein wenig die Dritte Welt kennenlernen und nebenbei noch einen guten Punkt im Lebenslauf und ein paar nette Fotos für Freunde sammeln. Einige machen das Jahr auch nur, weil „alle es machen“ – einfach, weil es eben gerade in ist. 

Die Tourismus-Agenturen verfügen in Wahrheit nicht über die notwendigen Fähigkeiten, um Projekte für Volunteers zu organisieren und sie beraten und selektionieren die Freiwilligen auch nicht nach ihren Fähigkeiten und Neigungen, eigentlich eine wesentliche Voraussetzung für ein erfolgreiches Volontariat. Ist die Teilnahmegebühr erst einmal bezahlt (praktisch die einzige Voraussetzung für die Teilnahme), werden die Freiwilligen bis zum Tag der Abreise sich selbst überlassen. Der Kulturschock ist dadurch vorprogrammiert. Es ist ein Geschäft, nicht mehr. 

Volontourism? Ja, aber vorbereitet

NGOs handhaben das vollkommen anders. Ihr vorrangiges Ziel ist es, Gemeinschaften in ihrer Entwicklung zu unterstützen oder die Vielfalt in der Natur zu bewahren und sie achten sehr genau darauf, dass ihre Freiwilligen motiviert und gut vorbereitet sind, damit sie mit voller Energie an den Projekten mitarbeiten, die mit viel Mühe und Arbeit aufgebaut wurden. 

Zusammen mit anderen Volunteers helfe ich jede Woche im Hauptquartier von Frontier in London mit. Wir bereiten Studenten auf ihre Reise vor. Laufend rufen Leute an, deren Volontourism-Erfahrung kurz bevor steht und die deshalb Fragen, Zweifel oder Ängste haben. Das Team versucht, ihnen diese zu nehmen und ein möglichst detailliertes Bild von der kommenden Erfahrung zu vermitteln. Oft rufen auch Eltern an und fragen nach Details zum Transport vom Flughafen und dem Basiscamp, oder sie wollen sich einfach versichern, dass ihre Kinder inmitten des wilden Dschungels auch wirklich sicher seien. Vor ihrer Abreise nehmen die Volunteers noch an einem Briefing-Wochenende teil, an dem sie unter anderem die Chance haben, gewisse Schnellkurse zu machen, wie beispielsweise den TEFL (Teaching English as a Foreign Language). Außerdem hat jeder Volunteer die Möglichkeit, direkt mit dem Team des eigenen Projekts Kontakt aufzunehmen und sich über den letzten Stand und alles andere was von Interesse sein könnte, zu informieren. Wenn die Volunteers dann schlussendlich vor Ort sind, sind sie vorbereitet und bereit für die Arbeit, die sie erwartet.

REISEN ALS VOLUNTEER LÄSST EINEN WACHSEN

Der Blog Into The Wild von Frontier bietet eine schier unzählbare Menge von Geschichten über Reisen von Volunteers, die ihre einzigartigen Erfahrungen teilen wollen. Viele sprechen vom „travel bug“, sprich Reisefieber, dem viele während ihres Sabbatical-Jahres verfallen sind. Andere beschreiben die außergewöhnlichen Kreaturen in ihrer natürlichen Umgebung, die sie bewunderten, während sie dabei mitgeholfen haben, ihren Lebensraum zu bewahren. Andere wiederum erzählen von den Fähigkeiten, die sie sich während der Reise angeeignet haben, von der Herausforderung, in einer kleinen Gemeinschaft inmitten der Natur zusammen zu leben und von ihrer erlernten Anpassungsfähigkeit, die sie nun überall hin begleitet und ihnen weiterhilft.

Reisen und dabei Gutes tun ist eine Erfahrung, die einen wachsen lässt. In einer Welt, die sich immer mehr um den Kapitalismus dreht, ist es allzu einfach, einen neuen Trend wie diesen auszunutzen, um einen üppigen Gewinn einzustreichen und nebenbei die edle Idee für zweitrangige und egoistische Ziele zu verraten. Bevor man also zu jenem fantastischen und unvergesslichen Abenteuer des Volontourism aufbricht, ist es gut, sich noch einmal zu versichern, dass man bereit ist, die heimische Bequemlichkeit hinter sich zu lassen, um ganz in eine neue Erfahrung einzutauchen. Eine Erfahrung, die einen hart auf die Probe stellt und die Welt aller zum Positiven verändert – sollte man die richtigen Vorbereitungen getroffen haben.