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Voll nice! Berliner Szenesprache

Artikel veröffentlicht am 23. Juli 2014
Artikel veröffentlicht am 23. Juli 2014

Kaum erst in Berlin angekommen, lernt man als Zugezogener schnell seine Worte zu wählen. Denn schließlich muss man hier nicht nur zwischen Berlinerisch und zahlreichen Fremdsprachen navigieren, sondern sich auch möglichst schnell mit der Berlin eigenen Szenesprache vertraut machen. Mit diesem kleinen Lexikon an der Hand wird der Start aber nicht ganz so schwer.  

Ob man cool ist oder nicht, hängt in Ber­lin von einem schein­bar un­wich­ti­gen Wört­chen ab. Denn es ist neu­er­dings nicht mehr cool, "cool" zu sagen. Alles, was einem in­ter­es­sant, neu­ar­tig oder lo­bens­wert vor­kommt, ist jetzt “nice”. Nun könn­te man mei­nen, das hinge mit der ste­tig wach­sen­den Zahl eng­lisch­spra­chi­ger Aus­län­der zu­sam­men, die Ber­lin zu ihrer Wahl­hei­mat gemacht haben und sich rein auf Eng­lisch durch Kreuz­kölln und Fried­richs­hain schla­gen. Das ist aber eher un­wahr­schein­lich, lässt sich im Eng­li­schen doch keine Re­nais­sance des Wor­tes “nice” be­mer­ken. Statt­des­sen hört man das un­schein­ba­re Wört­chen fast aus­schließ­lich aus dem Munde jun­ger Deut­scher, denen “cool” wohl zu lang­wei­lig ge­wor­den ist.

Ber­lin ist nied­lich... oder nicht? 

Als Neu­an­kömm­ling lernt man eben­so schnell, dass die meis­ten Ber­li­ner zwar im Ver­gleich zu ihren Haupt­stadt­kol­le­gen in Lon­don, New York und Be­jing eher wenig zu tun haben, doch wenn ge­re­det wird, soll alles kurz, schnell und grif­fig sein. Nur Tou­ris­ten und Un­ein­ge­weih­te sagen daher Schle­si­sches Tor, Gör­lit­zer Park oder Kott­bus­ser Tor. Aus dem Munde eines coo­len Ber­li­ners hört man nur “Schle­si”, “Görli”, “Kotti”. Glei­ches gilt für viele an­de­re Worte, die häu­fig ge­braucht und daher ver­nied­licht wer­den: Der Spät­kauf - an sich schon eine recht selt­sa­me Wort­fü­gung - wird zum “Späti”, die öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel zu den “Öffis” und das all­seits be­lieb­te, da bil­li­ge Stern­bur­ger Bier zum “Ster­ni”. Wer cool sein will, kommt um diese Ab­kür­zun­gen nicht herum, al­ler­dings soll­te man sich hüten, zu viele in einem Satz un­ter­zu­brin­gen.

Wer die Spra­che der hip­pen Wahl­ber­li­ner ein­mal ge­meis­tert hat, muss sich aber immer noch mit dem fröh­lich-dreis­ten Jar­gon der “ech­ten” Ber­li­ner, deutsch­land­weit als "Ber­li­ner Schnau­ze" be­kannt, her­um­schla­gen. Dass ein Bröt­chen hier “Schrip­pe” heißt, haben die meis­ten von uns wahr­schein­lich schon ein­mal ge­hört. Auch in die Ver­än­de­rung vie­ler Aus­laut­kon­so­nan­ten, die “ich” zu “icke”, “was” zu “wat” und “das” zu “dit” wer­den lässt, kann man sich ein­hö­ren. Wenn aber An­laut-G kon­se­quent zu J wird und Ver­ben kom­plett aus­ge­tauscht wer­den, brau­chen Nichtberliner schon ein­mal ein paar Wo­chen, um sich halb­wegs zu­recht zu fin­den: “Kiek doch, wo de hin­jehst!”

Mein Kiez, dein Kiez, unser Kiez? 

Ein wei­te­rer Be­griff, der einem in Ber­lin sys­te­ma­tisch ins Ge­sicht springt, ist der “Kiez”: Was an­ders­wo schlicht “Stadt­vier­tel” heißt, wird in Nord­ost­deutsch­land, aber vor allem in Ber­lin, lie­be­voll als “mein Kiez” be­zeich­net. Frü­her zähl­ten zu den ech­ten Ber­li­ner Kie­zen nur we­ni­ge Stadt­viertel, heut­zu­ta­ge nennt jeder seine Stra­ßen­ecke mit Späti und Lieb­lings­knei­pe einen “Kiez”. Wenn man ge­ra­de erst nach Ber­lin ge­zo­gen ist, soll­te man den Be­griff aber nicht schon nach zwei Tagen ver­wen­den, da das ein­deu­tig nach Möch­te­gern­ber­li­ner­tum stinkt.

Böse Zun­gen könn­ten nun be­haup­ten, dass sich der ei­ge­ne Cool­heits­grad nicht an der Wort­wahl ab­le­sen lasse. Das mag wohl sein, aber in der Ber­li­ner Par­ty­sze­ne kann man durch ein fal­sches Wort trotz­dem schnell als Tou­rist oder Neu­ber­li­ner ab­ge­stem­pelt wer­den. Die Auf­for­de­rung “komm rum!” be­deu­tet nicht etwa, dass man je­man­dem um die Ecke fol­gen, son­dern dass man ihn zu Hause be­su­chen oder sich einer Party an­schlie­ßen sollte. Wer als Auf­takt zu einer lan­gen Nacht einen “Pfef­fi” be­stellt, meint damit einen gif­tgrü­nen Pfef­fer­minz­li­kör, und wer noch von Dis­cos an­stel­le von “Clubs” spricht, wird mit Ber­lin viel­leicht nicht so rich­tig warm wer­den. Über­haupt geht man in Ber­lin nie­mals “Party ma­chen”, son­dern immer nur “fei­ern”: Denn schließ­lich geht es dabei nicht um eine ak­ti­ve Tä­tig­keit, son­dern um den Spaß an der Freu­de. Und genau des­we­gen ist Ber­lin, Sprach­bar­rie­ren hin oder her, ein­fach nur voll nice