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Tour de France 2008: Stippvisite bei den italienischen Nachbarn

Artikel veröffentlicht am 7. Juli 2008
Artikel veröffentlicht am 7. Juli 2008
Die 95. Tour de France findet vom 5. bis zum 27. Juli statt. Dabei werden zwei der voraussichtlich 21 Etappen im Ausland ausgetragen. Nach London im letzten und vor Monaco im nächsten Jahr fiel die Wahl für die diesjährige Auslandsetappe auf die norditalienische Provinz Cuneo.

Die Tour de France ist gar nicht 100 Prozent französisch. Seit jeher gab es bei der Tour kleine Stippvisiten im Ausland: im damals noch deutschen Elsass, in den italienischen Alpen oder in London. Die Tour gibt sich europäisch - nicht nur die Nationalitäten der Teilnehmer sind bunt gemischt.

Tour de France?

Zwischen dem Start in Brest in der Bretagne und dem Ziel auf den Champs Elysées in Paris liegt eine Strecke von rund 3.500 Kilometern, die in 21 Renntagen zurückgelegt wird. Jedes Jahr aufs Neue sind die Organisatoren der Tour auf der Suche nach der bestmöglichen Strecke. Wie aber erfolgt die Auswahl der Etappenziele? In einem langen Verfahren wird eine Auswahl zwischen den Bewerberstädten getroffen, die ihr Dossier eingereicht haben. Dabei spielen die geografische Lage und die Beschaffenheit der vorgesehenen Etappe ebenso eine Rolle wie das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Regionen.

In jedem französischen Departement, mit Ausnahme der zwei von Korsika, fand die Tour bisher mindestens ein Mal statt. Die endgültige Entscheidung wird von zwei "Generalkomissaren" getroffen, die alle Bewerberstädte besuchen, um eine Inspektion vor Ort vorzunehmen. Ein Jahr vor Beginn der Veranstaltung bekommt der ausgewählte Austragungsort schließlich das Okay, und die Vorbereitungen können in Angriff genommen werden.

Bienvenue in Cuneo und Prato Nevoso

Dieses Jahr dürfen sich die italienische Stadt Cuneo und der nahe gelegene Skiort Prato Nevoso in den italienischen Alpen darüber freuen, für die Auslandsetappe ausgewählt worden zu sein. Am 20. Juli 2008 wird die 15. Etappe der Radrundfahrt in das kleine Städtchen Prato Nevoso führen, ehe die Tour am nächsten Tag zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Ruhetag im Ausland einlegt, namentlich in Cuneo. Am 22. Juli werden die Radfahrer schließlich nach Jausiers in Frankreich zurückkehren.

Gemeinsam mit der lokalen Handelskammer haben die zwei Austragungsorte das Organisationskomitee Granda Tour 2008 gegründet, das das Programm für die zwei Etappen in Rom und im restlichen Italien vorgestellt hat. "Diese Sportveranstaltung wird unglaubliche Auswirkungen auf unsere Region haben. Wir werden weltweit im Fernsehen sein", sagt Fiorenza Barbero von Granda Tour 2008, die stolz erzählt, dass die Kommissare die Piazza Galimberti in Cuneo mit dem Place Vendôme in Paris verglichen haben. Ausschlaggebend für die endgültige Entscheidung war die atemberaubende Bergkulisse der Stadt.

Tour des Big Business

©Wikipedia

Cuneo setzt zunehmend auf den Tourismus und hofft auf die Werbung, die die Tour de France für die Region mit sich bringt. "Über dem Brunnen auf der Piazza della Stazione in Cuneo wurde ein Turm errichtet, von dem aus Lichteffekte in den Farben Frankreichs, Italiens und der Tour de France den Platz in Szene setzen werden", fährt die Organisatorin fort. Außerdem ist ein umfassendes Rahmenprogramm für die Zuschauer vorgesehen. Während Stelzenläufer, Fahnenschwinger und Gaukler tagsüber für Unterhaltung sorgen, sind für den Abend vor der Ankunft des Rennzirkus eine Reihe von Veranstaltungen unter dem Motto 'Gelbe Nacht' geplant.

Die Auslandsetappen sind seit jeher Teil der Veranstaltung. Warum? "Warum nicht?", lautet die Antwort von Seiten der Amaury Sport Organisation (A.S.O), des offiziellen französischen Tour-Veranstalters. "Es handelt sich hierbei um eine der größten Sportveranstaltungen weltweit neben den Olympischen Spielen und der Fußballweltmeisterschaft, und sie wird in über 80 Ländern übertragen. Es ist selbstverständlich, dass auch im Ausland starkes Interesse an der Organisation einiger Etappen herrscht. Beim Auftaktrennen für die Tour 2007 in London waren Tausende Zuschauer anwesend." Die Entscheidung zur Emigration ist also nicht etwa eine Hommage an ein Europa ohne Grenzen, sondern ihre Gründe sind einzig und allein geschäftlicher Natur.