Lifestyle

ToHandBike: nachhaltige Mobilität für (wirklich) alle

Artikel veröffentlicht am 11. September 2015
Artikel veröffentlicht am 11. September 2015

In diesem Sommer ist in Turin das Experiment ToHandBike angelaufen, ein Handbike Sharing-Angebot, das Menschen mit eingeschränkter Mobilität (und nicht nur ihnen) spezielle Fahrräder zur Verfügung stellt. Turin ist die erste Stadt in Europa mit diesem Angebot und zeigt sich als Vorreiter auf dem Gebiet der sozialen Innovation und der nachhaltigen Mobilität.

ToHandBike ist ein Turiner Projekt mit dem Ziel Bike Sharing wirklich für alle zugänglich zu machen. Dafür stellt der Sharing-Dienst [TO]Bike nun neben den klassischen auch sogenannte Handbikes und Easybikes in der Hauptstadt von Piemont zur Verfügung. Der Verband "AIPS Onlus" und der Sharing-Dienst haben die Initiative zusammen ins Leben gerufen.

Ein Handbike ist mit „Pedalen“ am Lenker ausgestattet, die sich mit den Händen bedienen lassen. Das Easybike hingegen ist ein besonderes Einrad, dessen Pedalkurbeln direkt an einen Rollstuhl gesetzt werden können. Diese Fahrräder wurden für Menschen mit eingeschränkter Mobilität entworfen, können im Grunde aber von jedem benutzt werden.

Während des ersten Probemonats testeten bereits 15 Personen das Handbike, nicht alle von ihnen mit einer Behinderung. Tatsächlich ist es gut vorstellbar, dass ein derartiges Angebot auch für Personen mit Verletzung interessant sein könnte. Oder für alle, die Probleme mit der Benutzung eines normalen Fahrrads haben. Die Fortbewegung auf drei statt auf zwei Rädern  kann jedem im Stadtverkehr mehr Sicherheit geben.

Das vernetzte Fahrrad

In mehr als 500 Städten in Europa gibt es ein Bike Sharing-System. Seit der Einführung der ersten Initiativen hat sich das Konzept weiterentwickelt. Vorreiter dieser technischen Innovationen waren E-Bikes oder Cargo-Bikes, also Lasten-Dreiräder. Sie können die Mobilität in der Stadt deutlich verbessern. Die Nutzer profitieren also von einem breiteren Angebot und können von Fall zu Fall entscheiden, welches Gefährt sich gerade am besten eignet.

Eine Verbindung mit GPS und Smartphone-Apps ist bei den Bike Sharing-Konzepten mittlerweile üblich. Sie geben in Echtzeit Auskunft über den Zustand des Fahrrads, die nächste Station oder auch die Fahrtzeiten anderer öffentlicher Verkehrsmittel. Darüber hinaus sind auch Systeme ohne feste Stationen in Arbeit, die ausschließlich über die konstante Überwachung per GPS funktionieren. In Deutschland hat sich seit dem Jahr 2000 das Angebot Call a Bike der Deutschen Bahn verbreitet: die Räder können überall abgestellt werden und sind mit einem Schloss ausgestattet. Dieses lässt sich mit einem Code verschließen, den der Radfahrer per Smartphone erhält.

Turin als Vorreiter der Mobilität

Andere Städte haben sich auf Angebote für Kinder spezialisiert. In Paris  will der Anbieter P’tit Vélib 300 Fahrräder mit Stützrädern für Kinder im Alter zwischen zwei und neun Jahren zur Verfügung stellen. Umgekehrt bietet die Firma Agueda in Portugal kostenlose E-Bikes für ältere (oder faulere) Menschen an.

Das Turiner Beispiel ist auch eine soziale Innovation auf dem Gebiet. Mit ToHandBike ist Turin die erste Stadt in Europa, die das Bike Sharing potenziell für alle Bürger zugänglich macht. Während der derzeitigen sechsmonatigen Probezeit können Interessierte die Prototypen kostenlos testen. Diese Versuchsphase ermöglicht es, eventuelle Probleme zu melden, die meistgenutzten Stationen zu finden und Vorschläge zur Verbesserung einzureichen. Bis der Service ToHandBike dann allen Bürgern zur Verfügung steht, müssen die Turiner noch bis zum Frühjahr 2016 warten.

Angelo Catanzaro, Präsident von AIPS Onlus, führt das ToHandBike vor.