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Strassburg: Ein Schneider in der Stadt der Anzüge

Artikel veröffentlicht am 6. Juni 2014
Artikel veröffentlicht am 6. Juni 2014

Ein­mal im Monat fällt eine Armee an Par­la­men­ta­ri­ern, As­sis­ten­ten, Be­ra­tern und sons­ti­gen Bü­ro­kra­ten in Straß­burg ein. Dann ver­sam­melt sich das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment dort. Wäh­rend die­ser Woche ent­wi­ckelt sich Straß­burg zur „Stadt der An­zü­ge". Aber diese An­zü­ge wach­sen nicht ein­fach so auf den Bäu­men ...

Straß­burg ist die Haupt­stadt der El­saß-Re­gi­on im Osten Frank­reichs. Es liegt genau an der Gren­ze zu Deutsch­land und hat mehr­fach in sei­ner Ge­schich­te die Sei­ten wech­seln müs­sen. Heute je­doch, auf­grund der letz­ten 60 Jahre des Frie­den, gilt die Stadt als eine blü­hen­de mul­ti­kul­tu­rel­le Me­tro­po­le Eu­ro­pas.

Trotz ihrer sehr traum­haf­ten Er­schei­nung, ist Straß­burg we­ni­ger be­kannt für seine Men­schen, die Mo­nu­men­te oder das Essen. Straß­burg ist be­rühmt auf­grund der dort an­säs­si­gen eu­ro­päi­schen In­sti­tu­tio­nen.

Je­weils für eine Woche jeden Mo­nats strö­men mas­sen­haft eu­ro­päi­sche Po­li­ti­ker, die sonst nor­ma­ler­wei­se in Brüs­sel leben und ar­bei­ten, nach Straß­burg. Diese mo­nat­li­che Zu­wan­de­rung er­streckt sich auf die ganze Stadt und füllt die Stra­ßen und Ho­tels mit zu­sätz­li­chem Leben. Wäh­rend die­ser Woche ent­wi­ckelt sich Straß­burg zur „Stadt der An­zü­ge".

Xa­vier He­doi­re ist ein Schnei­der, der in Straß­burg lebt. Er kam mit einem be­son­de­ren Vor­ha­ben in die Stadt: die Haupt­ak­teu­re in Straß­burgs mit feins­tem Zwirn und Schuh­werk ein­zu­klei­den. Er roch das Ge­schäfts­po­ten­zi­al in einer Stadt vol­ler An­zug­trä­ger aus den eu­ro­päi­schen In­sti­tu­tio­nen.

Al­ler­dings ist das Leben nicht ge­ra­de ein­fach für einen Men­schen der gerne Her­ren­an­zü­ge schnei­dert und davon leben möch­te: denn Straß­burg ist nur für 7 Tage im Mo­na­t die Stadt der An­zü­ge" und es ist schwie­rig, Kun­den zu fin­den die re­gel­mä­ßig zu­rück­keh­ren.

Als Xa­vier das erste Mal nach Straß­burg kam, gab es dort noch keine Her­ren­schnei­der die nach Maß fer­tig­ten.

Aber nun zeich­nen sich dunk­le Zei­ten ab für Xa­vier und seine Straß­bur­ger Mit­strei­ter.

Es wird dar­über dis­ku­tiert, den zwei­ten Par­la­ments­sitz ab­zu­schaf­fen. Ei­ni­ge Eu­ro­pa­po­li­ti­ker spre­chen sich für eine Ab­schaf­fung des Par­la­ments in Straß­burg aus und wol­len lie­ber alles in Brüs­sel statt­fin­den las­sen.

Sie be­schwe­ren sich über per­sön­li­che Un­an­nehm­lich­kei­ten und Kos­ten, las­sen aber die Be­lan­ge der Men­schen in Straß­burg außer Acht. Unter ihnen be­fin­den sich viele, deren Le­bens­un­ter­halt fi­nan­zi­ell ab­hän­gig ist von den eu­ro­päi­schen In­sti­tu­tio­nen.

Xa­vier, wie die meis­ten Men­schen in Straß­burg, möch­te das Par­la­ment er­hal­ten. Für ihn ist es nicht nur eine wirt­schaft­li­che Frage. Straß­burgs eu­ro­päi­sche In­sti­tu­tio­nen spie­len eine wich­ti­ge sym­bo­li­sche Rolle für den Cha­rak­ter der Stadt.

Stras­bourg: A Tai­lor in The City of Suits, by Josep Gutiérrez

Die­ser Ar­ti­kel ist Teil eines Re­por­ta­ge­pro­jekts, das in Straß­burg rea­li­siert wurde. „EU­to­pia: Time to Vote“, wurde in Zu­sam­men­ar­beit mit der Stif­tung Hip­po­crène, der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on, des fran­zö­si­schen Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums und der EVENS Stif­tung rea­li­siert. Die ganze Serie wird bald auf un­se­rer Seite zu fin­den sein.