Lifestyle

"Spotted"-Trend auf Facebook: Baggern und taggen

Artikel veröffentlicht am 4. Februar 2013
Artikel veröffentlicht am 4. Februar 2013
Wer hat die eigene Zurückhaltung nicht schon bereut, Sekunden nachdem man der Frau oder dem Mann seiner Träume im Bus, in der Bibliothek oder auf einem Uni-Flur begegnet ist? Ein tiefer Blick, eine zurückgestrichene Haarsträhne...es ist Liebe auf den ersten Blick. Aber wie soll man sie oder ihn nur ansprechen? Fast eine „Mission Impossible“, möchte man meinen. Doch Hilfe naht - mit „Spotted“.

Der erhoffte Flirt ist manchmal nur ein paar Mausklicks entfernt.

„To be spotted“ bedeutet im Englischen „ausgemacht, identifiziert werden“. In diesem Falle jedoch hat der neue Trend recht wenig mit der Geheimpolizei zu tun. „Spotted“ sind neue Flirt-Facebook-Seiten, die im Umfeld vieler europäischer Universitäten wie Pilze aus dem Boden schießen. Sciences Po Paris, die Newcastle Robinson Library, der Dubliner Stadtbus oder die Warschauer Uni-Bibliothek: nahezu jede Uni (oder jeder öffentliche Platz) hat heute sein eigenes „Spotted“.

Spotted ist ein Phänomen, das sich über ganz Europa ausbreitet: bereits letzten Dezember berichtete eine belgische Zeitung über den neuen Trend 2.0. Die Erfinder erklären, ihr Ziel sei gewesen, wieder mehr Freude und Vergnügen auf den Uni-Campus zubringen. Das Prinzip ist einfach: man schickt den Administratoren der Gruppe eine Nachricht mit einer möglichst originellen Beschreibung des Objekts der Begierde, sowie Zeit und Ort des Aufeinandertreffens. Diese Nachricht wird dann anonym veröffentlicht. Wenn die gesuchte Person die Spotted-Seite verfolgt, besteht die Möglichkeit, dass sie sich in der Beschreibung wiedererkennt. Selbstverständlich wird von den Seitenbetreibern keine Garantie nach der Kontaktaufnahme übernommen - um die muss sich schon jeder selbst kümmern. Man könnte „Spotted“ mit den Kontaktanzeigen vergleichen, die früher manchmal in Zeitschriften abgedruckt wurden. In der modernen Version kann die Wartezeit um einiges verkürzt werden: der erhoffte Flirt liegt manchmal nur ein paar Mausklicks entfernt.

Die Stimmung auf den Kuppelseiten der jeweiligen Unis ist locker:

« Spotted: chica muy guapa, tienes pelo moreno. Estuviste en la biblioteca de las conchas y llevaste una bufanda roja. Me he perdido en tus ojos cuando me has preguntado la hora… Quien eres? Nos podemos quedar una vez para tomar un café? » (Spotted: Sehr hübsches Mädchen mit braunen Haaren. Du warst in der Las Conchas-Bibliothek und hattest einen roten Schal an. Ich bin in deinen wunderbaren Augen versunken als du mich nach der Uhrzeit gefragt hast... Wer bist du? Lust auf einen Kaffee?)

Dies und ähnliches kann man auf der Seite der Universität SalamancaSpotted-USAL lesen, die momentan ca. 100 Likes zählt. Der Seite der Dubliner Stadtbusse folgen bereits über 38.000 Fans! Es hagelt zwar hier und da Kritik an den Fahrern, aber es finden sich auch Glückwünsche oder andere nette Worte:

«Bus man on the 66 just offered me his gloves because I looked cold from waiting for the bus. Faith in humanity restored » (Der Fahrer des 66er-Busses hat mir grade seine Handschuhe ausgeliehen, weil ich vom Warten so erfroren aussah. Ich habe meinen Glauben an die Menschheit wiedergefunden."

Neuer Dating-Hotspot?

Herzens-FAQ

Für wen?

Für alle Studierenden, die keine Schwerenöter im Flirten sind und sich nicht trauen, jeden sofort und auf der Stelle nach der Handynummer zu fragen. Für die Schüchternen. Für die Dichter. Für alle, die während der Prüfungsphase nur wenig herumkommen und Leute kennenlernen.

Wozu?

Um die Liebe zu finden. Nein, kleiner Scherz. Eher, um sich mal auf ein Käffchen mit dem Mädel oder dem Typen zu treffen, die/der einen umgehauen hat als man eigentlich nur die Soziologievorlesung nachbereiten wollte. Oder, um wenigstens herauszufinden wie sie oder er heißt, weil man Wetten über den Vornamen abgeschlossen hat und sich nun den Kopf darüber zermartert.

Wirklich notwendig?

Wenn sich das Spotted-Phänomen weiter so ausbreitet, sicherlich. Denn es betrifft jeden. Auf der Straße, auf der Arbeit, im Supermarkt. Überall kann die Liebe auf uns warten. Spotted bietet schließlich die Möglichkeit, den Namen des jungen Mannes rauszufinden, der dich von der Kühltheke aus beobachtet hat oder den des Mädchens, mit dem du an der Kaffeemaschine kurz Blickkontakt hattest.

Alles in allem also ein stetig wachsender, nützlicher und lustiger Trend. Aber bringt „Spotted“ auch wirklich was? Das wird sich wohl erst in ein paar Monaten zeigen, wenn ER oder SIE euch zum Jahresabschlussball eingeladen hat. Oder eben nicht.

Fotos: Teaser: mit freundlicher Genehmigung der ©Spotted Facebookseite der Universität Salamanca; im Text: Screenshot der ©Facebookseite Spotted: LMU; Dubliner Stadtbus: mit freundlicher Genehmigung der ©Facebookseite des Dubliner Stadtbusses.