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Shakespeare in love

Artikel veröffentlicht am 4. Juni 2008
Artikel veröffentlicht am 4. Juni 2008
Neben Fußball die schönste Nebensache der Welt

Heute soll es in unserer kleinen Rubrik um etwas gehen, von dem sogar Männer manchmal einräumen, dass es schöner als Fußball sein kann. Der Volksmund umschreibt es gerne als "die schönste Nebensache der Welt" und auch mit anderen, weniger blumigen Worten, die wir hier aber nicht en détail ausführen wollen.

Wir interessieren uns vielmehr für die Formulierungskunst unserer Dichter. Man kann, wie der Kolumbianer Gabriel García Márquez in seinem Roman Die Liebe in den Zeiten der Cholera, an den Stolz der Männlichkeit appellieren. Als Florentino Ariza endlich nackt vor seiner Geliebten Fermina Daza steht, schreibt García Márquez: "Er präsentierte ihr sein Gewehr."

Man kann sich natürlich auch wie Hermann Hesse ins Mystische flüchten. In seiner Erzählung Klingsors letzter Sommer gelingt Hesse eine einmalige Verbindung zwischen Geschlechtsakt und Christentum: "Sie tranken den Becher".

Unübertroffener Meister der obszönen Anspielung ist jedoch William Shakespeare. Man muss nicht Siegmund Freud heißen und in jedem Kirchturm einen Phallus bzw. jedem Erdloch eine Vagina sehen, um Shakespeare als eines der größten Ferkel der Literaturgeschichte zu entlarven. So lesen wir in Romeo und Julia die folgenden Worte von Romeos Gefährten Mercutio:

Now will he sit under a medlar tree/ And wish his mistress were that kind of fruit/ As maids call medlars when they laugh alone./ O Romeo, that she were, O that she were/ An open-arse and thou a poperin pear!

Diese scheinbar harmlosen Verse vergleichen Romeos Noch-Geliebte Rosalinde mit einem "Mispelstrauch" (medlar tree) und ihn mit einer Birnensorte aus der flämischen Stadt Poperinghe, einer poperin pear. Nun muss man wissen, dass medlar genauso klingt wie meddler, was zu Zeiten Shakespeares "Rammler" oder "Vögler" hieß. Und dass die Frucht der Mispel aufgrund ihrer Form als Synonym für das weibliche Genitale gebraucht wurde. Gleiches gilt für die Birne aus Poperinghe. Sie erinnerte die Elisabethaner an ein erigiertes männliches Glied samt Hodensack. Und poperin klingt schon sehr nach pop her in ("tu rein").

Den Genuss, sich die Zeilen Shakespeares noch einmal Wort für Wort zu übersetzen, überlassen wir an dieser Stelle jedoch unseren Lesern.