Lifestyle

Schwule Schmetterlinge

Artikel veröffentlicht am 1. April 2009
Artikel veröffentlicht am 1. April 2009

Merkwürdige Metaphern für Schwule treiben in ganz Europa Blüten. Das englische queer, das sowohl Homosexuelle als auch Sonderbares bezeichnet, kommt ursprünglich vom deutschen quermonica. Im Gegensatz dazu werden die Heterosexuellen straight genannt, was eigentlich „geradlinig“ bedeutet. Als Nebenbedeutung klingt jedoch auch „verklemmt“ durch.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen - und jedem sein Laster. Noch fantasievoller waren die spanischen Homosexuellen, die sich als „kleine Marie“ (mariconpedro) bezeichnen. Auch haben sie sich angewöhnt, einander als „Schmetterling“ (mariposapedro) zu titulieren oder gar als „kleines Schmetterlingsweibchen“ (mariquitapedro). Auf der iberischen Halbinsel kann es sogar passieren, dass man über einen schwulen Mann sagt, er sei „schwuler als eine lahme Taube“: mas maricon que un palomo cojopedro.

Die stets sehr poetischen Franzosen wiederum lassen gelegentlich über einen Mann die Bemerkung fallen, er sei „schwul wie eine Robbe“ (pédé comme un phoquepedro). Bei wissenschaftlicher Überprüfung zeigt sich jedoch: Die Flossenfüßer vom Packeis scheinen dem gleichgeschlechtlichen Liebesspiel nicht mehr geneigt zu sein als andere Tierarten. Woher kommt also dieser tierische Vergleich? Vielleicht von der lautlichen Ähnlichkeit zum Verb phoquer, einem kanadischen Wort für Analsex, das direkt vom kosmopolitischen fuck [poppen] abgeleitet ist.

Dies ist jedoch nur eine der möglichen Erklärungen. In der Sprache der Seeleute ist die Fock ein Segel, das auf dem Boot den Wind quasi „von hinten nimmt“. Noch ein Wortspiel aus der Schifffahrt: der französische Ausdruck à voile et à vapeur, „mit Segeln und mit Dampfkraft“ beschreibt eine Person, deren wandlungsfähiger Geschmack sich von männlichen wie weiblichen Reizen angesprochen fühlt. Deutlich pragmatischer heißt es von den englischen Bisexuellen, sie würden für beide Lager spielen: play for both teams.