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Ostern in Europa: Unheilige Wasserspritzer

Artikel veröffentlicht am 9. April 2009
Artikel veröffentlicht am 9. April 2009
Ob Osterhase oder Hot Cross Buns: Am 12. April feiert jedes Land in Europa auf seine Art das Osterfest.

Spanien: Semana Santa

In Spanien ist Ostern das “Fest aller Feste” und ihm gebührt daher ein würdiger Rahmen. In der heiligen Karwoche, der Semana Santa von Palmsonntag bis Karfreitag, wird alljährlich ein imposantes Spektakel aufgeführt. Seine Tradition reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, als die katholische Kirche der Bevölkerung die Passion Christi anschaulich machen wollte.

Für die Organisation der Osterumzüge sind heute wie damals religiöse Bruderschaften verantwortlich. Jede Prozession wird von Büßern in langen Gewändern eröffnet, die spitze Kaputzen tragen. Beim Fakelschein und Trommemusik, umhüllt vom Weihrauch, durchmessen sie Spaniens Straßen und Gassen. Am Schluss folgt der “Pasos”, einer auf schweren Tragegestellen getragenen Heiligenstatue, die eine Szene aus der Passionsgeschichte erzählt.

England: Hot Cross Buns

Das Oster-Erlebnis kann auch einen würzig-süßlichen Geschmack erlangen. Insbesondere, wenn man daran glaubt, dass der gerade verzehrte Leckerbissen über magische Kräfte verfügt und Glück bringen könnte. Werden die Hot Cross Buns, eine Art Milchbrötchen, vielleicht deswegen so heiß begehrt? Das englische Karfreitagsfrühstück ist jedenfalls ohne das Gebäck mit einer kreuzförmigen Verzierung, die an Christus Leid erinnert, nicht denkbar.

Die Geschichte des typischsten Ostergerichts Englands beginnt jedoch noch aus heidnischer Zeit, als es als Gabe für die Frühlingsgöttin diente. Die christliche Kirche versuchte die Spezialität zu verbieten, allerdings war diese schon zu populär und wurde letztlich christianisiert.

Deutschland: Osterhase

Der osterliche Hoffnungsträger Deutschlands ist genau so süß wie sein englischer Kollege, daher aber um einiges beweglicher. Die Rede ist vom Osterhasen, der seit dem 16. Jahrhundert zu Ostern Eier in deutsche Häuser legt. Dank seinem sprichwörtlichen Vermehrungseifer wurde der Hase zum Fruchtbarkeitsymbol ernannt. Er bringt die Hoffnung auf ein neues Leben und wird somit mit der Auferstehung Christi in Zusammenhang gebracht.

Darüber hinaus kommen Hasen im Frühjahr zur Futtersuche in die Dörfer und Gärten. Da sie sich gerne in Menschennähe aufhalten, wurde ihnen das Ablegen der bunten Ostereier angedichtet. Der Osterhase bewies jedoch im Laufe der Jahrhunderte eine große Flexibilität und lernte nicht nur Eier, sondern auch verschiedene Süßigkeiten und sogar kleine Geschenke zu bringen, die die deutschen Kinder am Ostermontag suchen müssen.

Polen: migus-Dyngus

Spielerisch gestalten auch die Polen den Ostermontag. Nach den langen 40 Tagen der Buße, des Verzichts und der erhabenen Feiern der Karwoche wird die Zeit reif für das Erwachen der im Winterschlaf versunkenen Fröhlichkeit. migus-Dyngus ist der Tag, an dem man sich gegenseitig mit Wasser bespritzt. Das läßt sich sowohl auf die heidnische als auch auf die christliche Tradition zurückführen. In der Zeit vor der Christianisierung Polens wurden junge Frauen von den Männern des Dorfes mit Wasser besprengt – eine symbolische Reinigung im Frühjahr. Eine andere Legende verweist auf die Taufe des Prinzen Mieszko I. am Ostermontag des Jahres 966, der den Polen das Christentum brachte.

Gelangweilt und ermüdet von dem langen Schmaus in der Familie geben sich die Kinder in Polen natürlich nicht mit ein paar Wasserspritzern zufrieden. Es wird nach Eimern und Wasserpistolen gegriffen, um richtige Wasserkriege zu veranstalten. Sollte jemand feierlich gekleidet aus der Kirche kommen, hat er Pech gehabt. Denn die Kinder lassen selten Gnade walten. Und was, wenn er völlig durchnäßt keinen Spaß versteht? In diesem Fall schweigt die Tradition.

Italien: Die Auferstehung der Casatiellos

Auch in Italien erobern zur Osterzeit Schokoladeneier die Bäckereien. Aber der Stiefel hält zu Ostern noch mehr kulinarische Köstlichkeiten bereit. Vor allem in Süditalien und Neapel: Dort gibt es Pastiera und casatiello. Pastiera ist ein Kuchen mit Ricotta-Käse, kandierten Früchten, Blättern von Orangenbäumen und gekochtem Weizen. Weil es sehr schwierig zuzubereiten ist, bereitet jede Frau, die etwas auf sich hält, mindestens ein dutzend davon für Freunde und Familie vor. Und dann läuft in den Dörfern Süditaliens die Gerüchteküche auf Hochtouren: Wer hat wohl diesmal die beste Pastiera gemacht?

Die andere Oster-Delikatesse ist casatiello. Es ist ein salziger Hefezopf, der mit Mehl, Speck, Eiern, Salami und Pekorino-Käse zubereitet wird. Der Name kommt vom Neapolitanischen Caso, was soviel wie „Käse“ bedeutet. Der Pecorino wird aus Lamm-Milch gewonnen und das Lamm ist bekanntlich das Symbol des Osterfestes.

Doch eigentlich hat das Casatiello in Neapel einen schlechten Ruf. Es liegt so schwer im Magen, dass es zum Synonym für faule Menschen geworden ist.

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