Lifestyle

Obamas Sieg rockt europäische Blogs

Artikel veröffentlicht am 7. November 2008
Artikel veröffentlicht am 7. November 2008
Europäer bloggen über den Wahlsieg eines Afroamerikaners, der nunmehr zum mächtigsten Mann der Welt geworden ist. Stimmen aus Europas Blogosphäre.

Spanien: Die sozialistische Partei PSOE kann ihre Freude kaum verbergen

Obamas Hautfarbe provoziert bei den spanischen Bloggern viele Kommentare. Auf Políticamente Incorrecto.es lanciert der Journalist J.O. Noville die Debatte: "War der Tod der ‘weißen, äußerst weißen‘ Großmutter Obamas ein Vorteil für den demokratischen Kandidaten? Auf der anderen Seite teilen die Blogger der iberischen Halbinsel aber auch ihre Freude mit. Beispielsweise auf der Website der spanischen PSOE (Spanische Sozialistische Arbeiterpartei), wo Obamas Porträt samt der Devise "Der Wandel ist bereits Realität" seit neuestem im Großformat abgebildet wird.

Deutschland: Homer Simpson wählt Obama - den 'Pfälzer'

In Deutschland hat der Transatlantikblog T.A.B. Barack Obamas letzte Wahlkampfstunden Schritt für Schritt mit verfolgt. Lawinen an Wahlprognosen, frenetische Party-Fotos, ein Eintrag über die Studenten der Penn State University, die ausnahmsweise bereits um 7 Uhr morgens aufgestanden sind, um ihre Stimme abzugeben, und dann die große Erleichterung: "Dieser historische Tag wird vielen für sehr lange im Gedächtnis bleiben". Auch Homer Simpson hat für Barack Obama gestimmt, lesen wir außerdem bei datenwachschutz.de. Laut godelta.de seien 5 Prozent der Wurzeln von Obama (von Seiten seiner Mutter) zudem ‚pfälzisch‘ – der erste offizielle Staatsbesuch würde deshalb auch in Rheinland-Pfalz erwartet, an der Seite von Kurt Beck: "Ick bin ein Pfälzer!"

Polen: Obama zu unterstützen bedeutet ein "europäischer Liberaler" zu sein

Die Polen sind mit dem Wahlsieg des Demokraten vollends zufrieden, auch wenn viele unter ihnen es noch gar nicht glauben können. Denn hier in Polen hatte man viel über den Bradley-Effekt diskutiert. Obama wird als ein Präsident gesehen, der die Vereinigten Staaten grundlegend verändern und die Beziehungen mit Polen wieder verbessern kann. Dass McCain die Wahl verloren hat, sei, laut den polnischen Bloggern, einer Serie an Fehlern zuzuschreiben: Sarah Palin war einer davon. Aber auch die Einmischung von Cheney in die republikanische Wahlkampagne und der Fakt, dass er Obama als damaligen Gegner von Hillary Clinton nicht das Wasser reichen konnte, haben gegen ihn gesprochen. Obama sei in jedem Fall der Kandidat gewesen, den man unterstützen sollte, wenn man sich selbst als 'liberalen Europäer' betrachtet, so die polnischen Blogger.

Italien: Über Extreme lachen

In Italien machte der Blog Unoenessuno, der die italienische Rechte karikiert, Furore im Zusammenhang mit dem Wahlkampf in den USA. Besonders Alduccio, ein Liebhaber von Superlativen, gibt sich euphorisch: "Obama hat gewonnen: ein Schwarzer mit Immigrationshintergrund, der die Demokratie aus Kenia mitgebracht hat, ohne bestimmte Interessen für Öl oder Waffen." In der Region Padanien (von der die Lega Nord träumt), sagt Alduccio weiter, warteten „die Menschen darauf, den frischgebackenen Präsidenten mit einem 'Oba-ma, va a lavurà' ('Obama - an die Arbeit!') zu empfangen. Die Reaktion der italienischen Alleanza Nazionale (AN) war ihrerseits ironischer Natur: "Auch wir hatten 20 Jahre lang einen schwarzen Präsidenten", zitiert Alduccio die AN in Referenz zu Mussolini.

US-Wahlen in den Babelblogs

Radio Free Cheesestake ist einer der neuesten Blogs in der Babel-Community. Er wurde speziell für die Präsidentschaftswahlen in den USA eingerichtet. Der amerikanische Expat, Matt Pagett, hat den Wahlabend live bei den Demokraten in Dublin mit verfolgt. Die amerikanischen Freunde des Bloggers haben seine Posts aus Philadelphia kommentiert und somit über Nacht eine transatlantische Diskussion angeregt.

Als dann endlich die Siegesglocken läuteten, meldete sich der Babelblogger The Angry American zu Wort. Für ihn sind die Amerikaner, ihre Institutionen und ihre Verfassung voller Fehler. Nach einer langen kritischen Tirade zeigt sich der Blogger trotz allem stolz: „Endlich sind wir aufgewacht und haben festgestellt, dass unsere Art zu funktionieren nicht die richtige war. Wir haben einen Mann auf den höchsten Staatsposten gewählt, der durch seine Existenz selbst das amerikanische Ideal repräsentiert, das für mich so wichtig ist.“

Frankreich: Argwöhnische Seligkeit

La Flat Eric Attitude gibt sich bereits beim morgendlichen Sprung aus dem Bett euphorisch: "Sie haben‘s getan! […] Unglaublich diese Emotion, die mich durchbohrt, als handelte es sich um das Ende eines Krieges, als hätte man gerade erfahren, dass von nun an alles besser werde - die Utopie als Waffe! Ich erdenke mir eine bessere Welt. Und wenn das alles Wirklichkeit wäre?"

Oder auch nicht. Der französische Blog Kwaame relativiert: "Aufgepasst, ich sage nicht, dass ich mit dem Wahlausgang nicht zufrieden wäre. Ich bin es. Naja, vielleicht bin ich zwiegespalten. Zu misstrauisch!", kommentiert er seine Gefühle nach einer Wahlkampagne, bei der zu viele Argumente in einen Topf geworfen worden seien. "Journalisten zu hören, die eine Verbindung zwischen der Wahl Obamas und den Gesten von Tommie Smith und John Carlos in Mexiko herstellen und sich diesbezüglich fragen, ob die US-Wahlen den dortigen Kampf für die Zivilrechte endlich mit Erfolg krönen, ist eine Schande […]. Diese drei wichtigen Kapitel der US-Geschichte in den gleichen Topf zu werfen - den Kampf um Zivilrechte mit den Black Panthers zu verwechseln - ist in puncto qualitative Berichterstattung gewagt, wenn nicht gar kontraproduktiv."