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Nordlichter: Dänemark - die Rache des versteckten Volkes

Artikel veröffentlicht am 5. August 2014
Artikel veröffentlicht am 5. August 2014

Willkommen an Land! Nach unserem Start in Island, machen wir Halt im kleinen Königreich Dänemark. Auch hier finden sich ausreichend Aberglaube, Märchen und Mystik. Dies ist der zweite Teil unserer Serie zum Aberglauben in Dänemark. Also dann, auf gehts!

"Die kleine Meerjungfrau"... die Welt der Märchen

Hinter dem alten Kastell Kopenhagens, sitzt sie auf einem Stein und blickt traurig auf das Meer hinaus. Hans Christian Andersen, der Mann, den Clara Schumann einmal als den „hässlichsten Mann, den es nur geben kann“ bezeichnete, ist der Schöpfer der tragischen Geschichte um die kleine Schönheit aus dem Meer. Die „Kleine Meerjungfrau" kam ans Land, um durch die Liebe eines Prinzen eine Seele zu erhalten. Mit Hilfe von Zauberei ließ sie sich Beine anstelle von Schwimmflossen wachsen. So begann sie sich unter die Menschen zu mischen, um den Prinzen zu verführen. Bedauerlicherweise ist sie nicht besonders erfolgreich darin, denn Zauberei hat für gewöhnlich immer eine Schwachstelle. In ihrem Fall verliert sie ihre Stimme, was jeden Flirt praktisch unmöglich macht. Der Königssohn heiratet letztlich also eine andere und die kleine Meerjungfrau stürzt sich vor Verzweiflung zurück ins Meer und verwandelt sich in zarten Schaum, der auf dem Wasser davon schwimmt.

Aus bautechnischen Gründen bitte füttern!

Verlassen wir doch erst mal die Hauptstadt und segeln wir weiter südlich auf die idyllische Insel von Bornholm. Über der Insel thront Hammershus Slot, eine imposante Burg, bei deren Bau es einige Schwierigkeiten gegeben haben soll. Wer sich jetzt an unsere letzte Folge erinnert fühlt, hat nicht ganz Unrecht. Die Bornholmer kennen nämlich ihr eigenes Huldufólk („ver­bor­ge­ne Men­schen"), das sich von Zeit zu Zeit in die Welt der Menschen mischt. Jeden Tag verschwanden Teile der Mauer von Hammershus, die am Tag erbaut wurden, des Nachts. Verzweifelt mussten sich die Insulaner etwas einfallen lassen, um den Bau fristgemäß fertigstellen zu können. Sie entschieden sich eine Herde Pferde quer über die Insel reiten zu lassen, um an die Stelle der ersten Rast der Tiere, endlich die Mauer zu errichten. Mit Pferden kennt sich auch

das verborgene Völkchen  auf Bornholm aus, dessen König unter dem Namen „Ellestingeren" bekannt ist. Dieser exzentrische Machthaber, stolzer Besitzer eines dreibeinigen Pferdes, hat die Bornholmer zum Aberglauben gebracht. So werfen ihm Bornholmer Bauern immer die letzte Gabel ihrer Haferernte zurück aufs Feld. Sollte man einmal aus Geiz oder Zerstreuung diesen Opferdienst unterlassen, wird Ellestingeren im kommenden Jahr ganz sicher Unglück und Missernten über die Insel hereinbrechen lassen.

Bloß nicht, um Himmels willen, bloß nicht bewegen!

Da steht es, Schloss Egeskov auf der Insel Fynen. Stolz und mächtig erhebt sich das prachtvolle Gemäuer aus dem weitgezogenen Wassergraben. Man nähert sich über eine lange Eichenallee dem Anwesen, das bis heute im Besitz des dänischen Geschlechts von Ahlfeld-Laurvig-Bille ist. Dieses Schloss zieht jährlich tausende Touristen an und doch kann es jederzeit verschwinden. Spaziert man durch das Schloss, so wandelt man durch die Epochen, die die dänische Insel durchlebt hat.

Am Ende kommt man auf einem verwinkelten Dachboden heraus, der eigentlich nichts Besonderes zu sein scheint, doch dann bleibt man erstarrt stehen. Da liegt etwas! Da liegt jemand! Durch ein Dachfenster fällt spärlich Licht auf eine verzweigte Balkenkonstruktion. Und tatsächlich, in deren Mitte liegt jemand. Auf einem uralten Kissen erkennt man einen kleinen Holzmann. Arme und Beine hat die Zeit sich genommen, ebenso seine Nase. Es ist seltsam, aber von dieser Figur geht eine so eigene Aura aus, dass man respektvoll Abstand hält. Wenn man das Glück hat und Graf Michael im Schloss trifft, erzählt er sicher gern die Geschichte des „træmanden". Keiner weiß, woher er kommt oder wer ihn auf Kissen und Balken gelegt hat. Ein Gerücht hat sich jedoch erhalten: Wenn man ihn von seinem Ehrenplatz entfernt, dann ver­sinkt Egeskov am nächsten Weihnachtsabend im Wassergraben. Auch Aberglaube? Für die Vorfahren des Grafen jedenfalls genug, um niemals die Feiertage auf dem Schloss zu verbringen. Heutzutage steigt Gräfin Caroline mutig in der Heiligen Nacht

die hunderten Stufen auf den Dachboden, um dem kleinen Wächter ein Schale Reisbrei zu bringen. Am nächsten Morgen ist diese natürlich leer.                                                                                                       Der Wind ist gut, Zeit zur Abreise!             Und zum Schluß noch etwas Praktisches. In Dänemark gibt es auch noch einen alltagstauglichen Aberglauben im Sprachgebrauch: „7-9-13" (Syv-ni-tretten). So hängt man einfach an jeden Wunsch „syv-ni-tretten" und dann scheint morgen garantiert die Sonne oder man hat bis zum Jahresende den Mann fürs Leben gefunden. Was auch immer es ist, „syv-ni-tretten" hilft immer. Die Frage nach dem Wahrheitsgehalt stellt sich erst gar nicht (das bringt Unglück), deshalb gibt es unzählige Theorien aber eben keine genaue Erklärung. Fakt ist, die Wirkung der Formel ist unbestritten und unerschöpflich, syv-ni-tretten...