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Netflix : mein Fernseher explodiert

Artikel veröffentlicht am 23. September 2014
Artikel veröffentlicht am 23. September 2014

Seit dem Blum-Byrnes-Abkommen aus dem Jahre 1946 stellen sich die französischen Filmproduzenten bewusst gegen den American Way of Life. Seit einigen Tagen ist Netflix in Frankreich verfügbar und werden unsere Fernseher in Zukunft noch schneller und besser die neuesten Hollywood-Kreationen übertragen. Muss man sich darüber jetzt Sorgen machen?

Das Programm des 40. Festival du cinéma américan in Deauville, welches dieses Jahr vom 05.-14. September stattfand, „war mit einer ausgezeichneten Jury ausgestattet." Verschiedene eingeladene Franzosen, wie Claude Lelouch, Jean-Pierre Jeunet und der Präsident des Festival zu Cannes Pierre Lescure haben sich versammelt, um die Tradition des Kinos made in USA zu bewerben. Eigentlich ist es nichts Neues, dass amerikanische Filmproduktionen in ganz Europa an vorderster Front stehen, aber in letzter Zeit nimmt das Ganze neue Dimensionen an: die Jugend wird zur besonderen Zielscheibe des Marktes.

Die neuen Kreativen

Zwischen den beiden Polen Kunst und Entertainmaint gibt es zahlreiche Kritiker, die das amerikanische Kino verteidigen. Auf dem amerikanischen Markt sind dies zunächst einmal, die Bezahlsender, wie z.B. HBO (Home Box Office, die unter anderem The Sopranos, Game Of Thrones und True Detective produziert haben), die die Fernsehlandschaft mit ihren Serienproduktionen revolutioniert haben. Sie waren die ersten, die Serien außerhalb des Konzepts der formula show (Fernsehsendungen, bei denen jede Episode nach dem selben narrativen Muster abläuft, wie z.B. Cold Case) konzipiert haben. Seit kurzem konkurrieren Netflix und Amazon miteinander, ohne dabei viel Risiko auf sich nehmen zu müssen, denn die Verkaufszahlen sind ihnen sicher: ein Monatsabo bei Netflix kostet lediglich 7,99 Euro. Bruno Nahonreste, der Produzent der Serie Ainsi soient-ils/Dein Wille geschehe (Arte), erklärte erst letztens seine Bedenken gegenüber Netflix im französischem Magazin Les Inrocks: „Bei solchen Unternehmen, geht es häufig um nichts anderes als Zahlen und Marketing. Aber werden sie auch die Autoren unterstützen und ungewöhnliche Formate durchsetzen? Nichts ist sicher." Weltweiter Anführer der Streamingdienste, der nicht weniger als 50 Millionen Abonnenten vorzuweisen hat, ist nun letzten Montag nach Frankreich gekommen. Die Konkurrenten knirschen mit den Zähnen und fürchten um nichts weniger als um die französische Kultur. Und Netflix hat in diesem jahr noch viel vor, denn auch in Belgien, Deutschland, Luxemburg und Österreich soll das Angebot auf den Markt kommen. 

Trailer der Serie True Detective (HBO) 

Netflix: die komplette Kontrolle?

„Je mehr Videos du markierst und dir ansiehst, desto mehr können wir dir helfen, die Dinge zu finden, die du magst." So lautet das Versprechen von Netflix. Vor allem verspricht dir dies allerdings, dass die Firma ab jetzt immer weiß, welche Ausstrahlungen du konsumierst. Und noch mehr, wenn man es genau unter die Lupe nimmt: sie wissen auch, wie oft du umschaltest, wie lange du einen Film anschaust, welche Sucheingaben du tätigst und vieles mehr. Eine komplette Datenerfassung also, die sich fast ohne dein Wissen im Hintergrund abspielt. Und das für solche, die sich sowieso schon zu den Over-the-top" zählen. Das Tagesblatt Le Monde gibt an, dass die Ingenieure von Netflix jede Woche 300 Millionen Stunden des Zuschauerverhaltens aufzeichnen, um so ihr System zur Empfehlung bestimmter Filme und Sendungen zu perfektionieren. So wird unsere Suche, mithilfe der aufgezeichneten Empfehlungen, erweitert und letztendlich gesteuert. Aber zeigen diese Empfehlungen dann wirklich auch alles an, was man sehen möchte? Oder hindern uns die Empfehlungen vielmehr daran, unseren freien Willen auszuüben? Bergen sie die Gefahr, dass unser Sehverhalten vollkommen vereinheitlicht wird? 

Die letzte Studie des Centre National du cinéma et de l'image animée (CNC) zeigt, dass der Export von französischen Animationsfilmen eine Rekordmarke erreicht hat. Wonach die amerikanische Beeinflussung unseres Geschmacks uns keineswegs an der Produktion von Filmen made in France hindert. Deswegen kann Frankreich sich eigentlich zurücklehnen und, statt über gesetzliche Reglementierungen nachzudenken, auf seine Softpower berufen: aus seine eigene Kreativbranche. Dafür bracht es aber noch mehr Freiheit für die Produzenten und Filmemacher… To be continued!