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Mammamia: Finger weg von unserer Pasta!

Artikel veröffentlicht am 20. März 2009
Artikel veröffentlicht am 20. März 2009
Schande über jene, die auf der anderen Alpenseite Frevel an Mammas Pasta betreiben. Ein paar kurze Anekdoten dazu, wie die Franzosen die italienische Küche neu erfinden.

©john-aïves-1946/flickrParis, 2009. Vor einem schnittigen Flachbildschirm, auf dem ich das Fußballspiel meines Vereins - Juventus - verfolge, serviert mir die Kellnerin im Pariser Bastille-Viertel eine ebenso flache Pizza, die sich auf der Karte 'Parma' nannte. Ich probiere ein Stück und rufe dann direkt den Kellner, dem ich mit meinem unvergleichlichen süditalienischen Akzent auf folgenden Fauxpas hinweise: „Wenn das hier Parmaschinken sein soll, stamme ich wohl aus Bolzano“ [Stadt in Norditalien; A.d.R.]. Der Kellner ist verwirrt. Auch wenn 4 Millionen Franzosen italienische Ursprünge haben, scheinen sie die Reinheit der italienischen Küche zu Hause gelassen zu haben.

Leichtigkeit: Mit der Leichtigkeit steht und fällt alles. Der italienische Inhaber eines kleinen Restaurants Nähe Opéra erzählt mir folgendes: „Ich habe alle Rezepte meiner primi [erster Gang; A.d.R.] ändern müssen, um haufenweise Crème Fraîche und Parmesan hinzuzufügen. Die Franzosen bevorzugen schwerere Speisen.“ Die Lokalversion der „Carbonara“, mit viel Crème Fraîche - in Italien ein Unding - bestätigt seine Theorie. Auch die Pariser Mode der Antipasti, die häufig in Öl oder Essig ertränkt werden, sind sicherlich von italiensichen Rezepten inspiriert, aber viel zu fettig, um in Italien als Aperitif durchzugehen.

©magnetisch/flickrPasta: Ein anderer schmerzlicher Punkt der italienischen Küche made in France ist die Pasta, die entweder mit geriebenem Gruyère, zerkocht oder schlimmer als Beilage mit Fleisch oder Fisch serviert wird. Außerdem ist eine gute Pasta leider auch meistens obligatorisch, wenn man seine unglücklichen italienischen Freunde zum Abendessen geladen hat: Die Existenz pseudo-italienischer Nudelmarken wie Panzani, die gar nicht aus Italien stammen, ist amüsant. Panzani hatte für einen Werbespot sogar Ornela Muti [italienische Schauspielerin; A.d.R.] vor die Kamera gelotst, die nichts anderes zu sagen hatte als „mmmmh…nicht schlecht“.

Doppelkonsonanten: Auch die Grammatik hat ihre komischen Seiten. Die Franzosen betrachten Doppelkonsonanten, die in der Sprache Molières nicht ausgesprochen werden, als typisch italienisch. "Osso buco" [Markknochen] wird somit schnell mal zu einem "Osso bucco", ebenso wie die Joghurt-Marke "Cremosso" [eigentlich cremoso] - so italian!

Das « Panini » - Auch italienische Produkte, die eigentlich gar nicht italienisch sind, bedürfen hier einer speziellen Nennung: so zum Beispiel das Panini, eine Art gegrilltes Sandwich, das mit Gruyère, Tomaten und Schinken gefüllt wird, oder auch Eis aus Italien, das vielleicht aus italienischen Eismaschinen stammt, mit dem handgemachten Dessert aus dem Stiefel aber nicht das Geringste zu tun hat.

Das (echte!) « Spaghetti alla carbonara » Rezept

©monkeycat!/flickr450 Gramm Spaghetti

3 Eier

150 Gramm « pancetta » (Speckwürfel)

200 Gramm Parmesan

Salz - Pfeffer

Die Eier schaumig schlagen, Salz, Pfeffer und Parmesan hinzufügen. Die Schinkenwürfel mit einem Tropfen Olivenöl (gutes!) in einer Pfanne erhitzen, bis sie goldbraun sind. Die Spaghetti - al dente - kochen und sie dann in der Pfanne mit den Schinkenwürfeln mischen. Die geschlagene Eiermischung hinzugeben - aber nicht kochen! Mit ein wenig frischem schwarzen Pfeffer servieren!