Lifestyle

Kämpfer des guten Geschmacks

Artikel veröffentlicht am 23. Januar 2006
Im Magazin veröffentlicht
Artikel veröffentlicht am 23. Januar 2006
Viele europäische Bürgerbewegungen kämpfen für die Qualität der Lebensmittel.

Sie ziehen slow food dem fast food vor, kaufen Obst und Gemüse direkt beim Bauern vor Ort und süßen ihren Kaffee mit braunem Rohrzucker aus dem „fairen Handel“. Sie, das sind die Anhänger der Bio-Lebensmittel, die dem Gen-Food in Supermärkten den Krieg erklärt haben. Sie lesen die Liste der Inhaltsstoffe mit derselben Hingabe wie einen Roman von Dan Brown, immer auf der Suche nach der Erklärung für kryptische Siegel wie E212 oder E199. Diese Armee von Besessenen ist bereit, für den Schutz ihres Magens zu kämpfen. Immer mehr Bürger schließen sich ihr an. Seit einigen Jahren sind immer mehr landesübergreifende Organisationen und Zusammenschlüsse entstanden. Diese Bürgerbewegungen haben EU-Normen beeinflusst, die unsere Art und Weise zu essen verändern und uns über die Qualität der Lebensmittel durch das Prinzip der Herkunftsangabe informieren sollen.

Langsam und gut essen

„Slow Food“ wurde von Carlo Petrini 1986 in Paris gegründet. Sie ist eine internationale Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Vielfalt der Tischfreuden gegen die Einförmigkeit des fast-food-Lebensstils zu verteidigen. „Slow Food“ will die Tischkultur verbreiten, die Geschmackserziehung durch Kurse und Seminare entwickeln, zur Artenvielfalt in der Landwirtschaft ermutigen und die traditionellen Lebensmittel vor allen erdenklichen Bedrohungen schützen. Der Verein hat heute mehr als 82 000 Mitglieder und Unterguppen in Italien, Deutschland, der Schweiz, den USA, Frankreich, Japan und mehr als 107 weiteren Ländern. Der Verein wird von den Liebhabern guten Essens am Laufen gehalten; der authentische Geschmack und die regionalen Spezialitäten sind ihre Trümpfe.

„Cittadinanzattiva“ ist eine 1978 entstandene Bürgerbewegung, die für die Förderung und Festlegung der Bürger- und Verbraucherrechte in Europa und Italien arbeitet. Diese Intitiative verfügt über 235 regionale Untergruppen und fast 76 000 Mitglieder. Auf ihrer Habenseite verbucht sie ein Evaluationsverfahren, das es ihr erlaubt, die Auswertung von Schulkantinen, Krankenausküchen oder den Küchen in Altenheimen zu kontrollieren.

Auch „Greenpeace“ beginnt sich für Ernährungsfragen zu interessieren und versucht, eine internationale Kampagne gegen genmanipulierte Lebensmittel auf die Beine zu stellen. Die Petition verlangt die Kennzeichnungspflicht für Produkte von Tieren, die mit genetisch modifizierten Pflanzen gefüttert wurden. Die Greenpeace-Aktivisten kämpfen außerdem gegen den unsinnigen Einsatz von Pestiziden und die Bedrohung der Artenvielfalt.

Schließlich gibt es noch die „Gruppen solidarischer Käufer“. Diese Vereine sind Zusammenschlüsse von Verbrauchern, die ihr Obst Gemüse direkt vom Bauern kaufen und dabei solche kleine Höfe bevorzugen, die umweltgerecht anbauen. Sie existieren seit einigen Jahren in Italien, wo die Solidarischen Käufer sich regelmäßig zusammentun, um Lebensmittel oder Verbrauchsgüter zu Großhandelspreisen zu kaufen, um sie dann unter den Mitgliedern aufzuteilen. Die Idee ist, den Lebensstil zu ändern und kritisch zu konsumieren. Im Handel soll die Ethik berücksichtigt werden.

EU-Direktiven in der Kritik

Seit 1993 arbeitet die europäische, gemeinnützige Organisation Eufic (European Food Information Council) mit nationalen und internationalen Organisationen zusammen, um den Verbrauchern ein Maximum an Informationen über die Qualität der Lebensmittel und die Lebensmittelsicherheit zur Verfügung zu stellen. Zu den Aktivitäten der Eufic gehören auch zwei Internetseiten: „Coolfood“, das Jugendlichen die grundlegenden Ernährungsregeln und einen gesunden Lebenstil vermitteln soll sowie „Food students“, ein interaktives Forum über Lebensmittel, ihre Sicherheit und die neuen Produktionsverfahren.

Die von der EU, den Lebensmittelerzeugern und Verbraucherverbänden initiierte „Kampagne für Lebensmittelsicherheit“ will nun reagieren, um einen guten Qualitätsstandard der Produkte zu garantieren. Manche wollen die Absenkung der Standards in diversen Direktiven und Regelungen der EU an den Pranger zu stellen.