Lifestyle

Fugly Fregatte

Artikel veröffentlicht am 29. Juli 2009
Artikel veröffentlicht am 29. Juli 2009
Hässlich ist relativ. Doch das Augeninferno lässt Europa kreativ werden: Vom Thunfisch, über Gardinen, Muscheln oder gealterte Popstars - alles muss herhalten, wenn Europa lästert!

Mit dem Hass, von dem sich das deutsche hässlich  ursprünglich ableitet, hat die abschätzige Bemerkung über das Aussehen unserer Mitmenschen heute zum Glück nichts mehr zu tun. Das französische moche  kommt seiner heutigen Bedeutung schon näher, denn im franzischen Dialekt bezeichnete man mit 'mokka' eine unförmige Brotmasse - auch heute wird Hässlichkeit noch gern mit Fettleibigkeit gleichgesetzt.

Franzosen bezeichnen korpulente Mädels deshalb heute gern als gros thon  ('großen Thunfisch') oder wahlweise auch als 'Blutwurst' (boudin ; Deutsche sprechen im Anblick eines Schlachtschiffes von einer 'alten Fregatte' ; die Polen lassen die Frau mit dem übertriebenen Bodymaßindex noch etwas besser wegkommen: jenseits der Oder spricht man von einer 'Pastete' (pasztet).

Blutig bleibt es auch bei den Briten, die sich sprachökonomisch austoben, um den englischen Hässlon treffend zu beschreiben. So wird aus 'bloody' und 'ugly' bugly ; eine weitere Variante ist fugly  ('f… ugly'). Auch das coole (figo Italien mogelt ein paar Buchstaben hinzu und bezeichnet den italienischen Quasimodo-Loser als sfigato.

Tierisch hässlich geht es in Frankreich (wie ein Floh - laid comme un pou), Italien (Muscheln - cozza ) und Deutschland (hässliche Kühe)  zu. Polen lässt sich von dunklen nordischen Traditionen inspirieren: Die 'Hemulen' - Mumintrolle der finnisch-schwedischen Schriftstellerin Tove Jansson - werden in Polen (Paszczak) gern als Beleidigung ausgeteilt, wenn jemand 'hässlich wie die Novembernacht' (brzydki jak noc listopadowa) ist.

Die Idee der nächtlichen Verhüllung wird in deutscher Mundart auch mit dem Begriff der Schabracke  wieder aufgegriffen. Damit wurde früher (von türkisch 'çaprak') eine Satteldecke bezeichnet oder heute auch ein großer Vorhang, um - wie sollte es auch anders sein - Unschönes zu verdecken!

Anstatt zu kaschieren wird in Spanien erst recht dick aufgetragen - als hässlich wie die 'Hornhaut' an den Füßen (cayo werden hier die Menschen bezeichnet, die durch das Schönheitsraster fallen. Dazu gehörte leider auch der Folkloresänger El Fary, dessen mit dem Ausdruck Eres más feo que el Fary comiendo limones  ('Du bist hässlicher als El Fary beim Zitronen essen') in Spanien noch heute gedacht wird.