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Finnland den Finnen, oder?

Artikel veröffentlicht am 24. Oktober 2013
Artikel veröffentlicht am 24. Oktober 2013

Finnland ist für ein herausragendes Bildungssystem und seit den letzten Parlamentswahlen 2011 leider auch für die Wahren Finnen bekannt. Die Rechtspopulisten erzielten 19 Prozent der Stimmen und sind drittstärkste Kraft in Finnland. Sie wettern gegen EU, Euro und Zuwanderungspolitik. Wie stehen die jungen Finnen dieser Entwicklung gegenüber?

Sofia Dimitriadis, 23, Familien Business

"Europa - das ist eher so ein Ding zwischen Deutschen und Franzosen: mehr und besser miteinander zu arbeiten und dann zu wachsen. Andere Länder, wie zum Beispiel Finnland, hatten davon keinen Nutzen. Die haben nicht so viel davon abbekommen. Finnland gibt eher mehr als es bekommt."

Emma Kakko, 23, Gärtnerin

"Ich sehe das neutral, nur über die Preise denke ich öfters nach, wie die von Lebensmitteln zum Beispiel - die sind sehr gestiegen."

Anton Thompson (links), 21, Student

"Europa ist eine gute Sache. Die alten Leute hier möchten unsere eigene Währung zurück, nicht den Euro. Sie finden, dass es in unserem Land zu viele Ausländer gibt – ich dagegen denke anders. Ich glaube, wir sollten mehr Flüchtlinge aufnehmen und wir sollten den internationalen Beziehungen offener gegenüber sein. Unser Land liegt so weit im Norden, wir sind sehr weit weg."

Max Meds (rechts), 24, Student

"Wir waren schon immer ein „Dazwischen-Land“, zwischen den großen Nationen, von der geographischen Lage betrachtet. Wir waren immer abhängig von anderen Ländern, an die wir gebunden waren, Russland zum Beispiel. Ich bin fest davon überzeugt, dass die EU Finnland mehr in den Fokus setzen wird. Heute sieht man Europa als ein großes Land – und wir sind Teil davon."

Lotta-Liina Salonen, 32, Fotojournalistin

"Bevor wir die EU für Probleme verantwortlich machen, sollten wir mal bei uns zu Hause aufräumen. Viele Studenten finden hier nach ihrem Abschluss keinen Job, und das in einem Land, das für sein sehr gutes Bildungssystem bekannt ist. Aber was ist der Sinn von einem solch gutem System, wenn hinterher nichts dabei raus kommt?

Heikki Raisanen, 32, in der Kommunikation tätig

"Ich habe keine wirkliche Meinung. Ich finde, der Euro ist eine gute Sache, eine starke Währung gegen den Dollar. Ein gemeinsamer Schirm, unter dem alle Platz finden, auch Einwanderer."

Udochi Okoro, 33, Arbeiter, seit Mai 2011 in Finnland

"Die Finnen sind sehr simpel und sehr einfach eingestellt. Die Leute sind hier sehr vorsichtig mit dem, was sie tun. Sie versuchen, ihr Land zu beschützen und wollen keinen schlechten Ruf. Auch deswegen stehen sie der EU teilweise skeptisch gegenüber."

Tomi Alatalo, 32, Schauspieler

"Während die ganze Welt in der Globalisierung steckt, passiert doch eigentlich das Gegenteil: sie wird kleiner. Wir dürfen uns hinter unseren Landesmauern nicht verstecken, nur weil es uns gerade gut geht. Momentan wird über Geld gestritten, das ist nicht Teil der länderübergreifenden Beziehungen, sondern vielmehr die Folge des kapitalistischen Systems, das wir entwickelt haben. Im Klartext: Ich glaube, die EU ist eine gute Sache, wenn wir sie offen und zusammen halten."

Monica Ojavuo, 23, Barkeeperin

"Die Europäische Union ist gut für Finnland. Der Gründe Bund ist eher positiv zur EU eingestellt, während die Wahren Finnen tendenziell anti-europäisch denken. Meine Einstellung ist ähnlich den Grünen, weil ich ihre offene Einstellung vertrete."

Dieser Artikel ist Teil der Reportagereihe EUtopia on the ground, die jeden Monat die Frage nach der Zukunft Europas aufwerfen soll. Dieses cafébabel-Projekt wird von der Europäischen Kommission im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem französischen Außenministerium, der Fondation Hippocrène sowie der Charles Léopold Mayer-Stiftung unterstützt.