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Europäischer die Glocken nie klingen

Artikel veröffentlicht am 16. Dezember 2009
Artikel veröffentlicht am 16. Dezember 2009
Alle Jahre wieder! Die Glocke hat nicht nur um die Weihnachtszeit Einzug in Europas Sprachen gehalten.

Was Twitter dem digitalisierten Menschen ist, sind im ländlichen Raum noch häufig die Glocken: Taktgeber und Informationsquelle. So sind die Glocken in den europäischen Sprachen häufig eine Metapher für Kommunikation. Wie die Leute leben, so läuten die Glocken, heißt es in Italien (Come la gente vive, così suonano le campane) Friedrich Schiller schrieb hierzu „Das Lied von der Glocke“, eine lange Ballade, die fast komplett in den deutschen Zitatenschatz einging - unvermeidbares Grauen für Legionen an Schulkindern.

Quatscht Anna, die ja bekanntlich von der Venus kommt, Gianni ein Loch in den Bauch, so hat dieses in Italien Glockenform (fare a qualcuno la testa come una campana). Dazu kann John nur müde nicken, denn dieses Gefühl kommt ihm bekannt vor: It rings a bell for him („lässt eine Glocke bei ihm klingen“).

Wer in Polen „die große Glocke klingen lässt“ (od wielkiego dzwonu) möchte etwas Besonderes verkünden. Doch streben Promis so häufig nach Beachtung, dass zur Not auch Unreifes verkündet wird: In Spanien nennt man dies, „die Glocken in die Höhe schwingen“ (echar las campanas al vuelo) - worüber man in Frankreich nur die Schultern zuckt: „Pauvre cloche!“ („Arme Glocke!“). Doch vor Infotainment warnte schon John Donne im elisabethanischen England* und in Italien heißt es: Bleib auf dem Teppich, sozusagen in Rufweite der Glocken (Stare in campana!).

Auch in vielen Weihnachtsliedern werden Glocken besungen und klingen diese zu süß wie in Deutschland (Süßer die Glocken nie klingen), dann schrillen bei der Jugend die Alarmglocken (the alarm bells ring auf Englisch und auf Polnisch zapalił mi się dzwonek alarmowy): Dann doch lieber die zuckerfreie Version der immergrünen Schlittenglöckchen (Jingle Bells).