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„Drungli: Reisen für Abenteuerlustige

Artikel veröffentlicht am 22. April 2013
Artikel veröffentlicht am 22. April 2013
Die 29-jährige Orsi Tóth aus Ungarn ist diplomierte Betriebswirtschaftlerin. Ihr Partner Ereid Gjergji, 35 Jahre, ist Albaner und lebt in Italien. Das albanisch-ungarische Paar erläutert, warum es für ihre ungewöhnliche Flüge-Suchmaschine Drungli eine Vermarktungsstrategie gewählt hat, die auf Abenteuerlust und Spontanität abzielt.

cafebabel.com : Orsi und Ereid, Ihr habt euch über Couchsurfing kennengelernt. Hat sich diese Erfahrung seitdem verändert ?

Orsi Tóth : Wir waren beide jahrelang aktive Couchsurfer. Ab und zu nehmen wir immer noch Personen auf, die wir bereits durch CS kennen gelernt haben, und es macht mir immer Spaß. Du lädst einen Fremden ein, bei dir zu Hause zu wohnen. Dieses Stückchen Intimität ermöglicht dir, dich zu öffnen, dich zwanglos zu unterhalten und unterschiedliche Ansichten kennen zu lernen. Ich habe wirklich schöne Erinnerungen : zum Beispiel an eine Motorrad-Tour auf der Isle of Wight. Oder daran, wie ich in Budapest mit italienischen Surfern den Sonnenaufgang vom Gellertberg aus ansah. Wenn du in eine Sache involviert bist, die du schon seit langem kennst, ist es unvermeidbar, dass du denkst, es sei am Anfang besser gewesen. So funktioniert eben Nostalgie.

„Ich finde es schade, dass Couchsurfing eine Firma geworden ist. “

Ich finde es schade, dass Couchsurfing eine Firma geworden ist. Nicht weil es schlecht wäre, auf Gewinn ausgerichtet zu sein. Aber wir brauchen in unserer Welt auch gemeinnützige Organisationen, vor allem wenn es um Gastfreundschaft – und ihre PR-Probleme – geht. Aber ich bin gespannt darauf, wie sich die Webseite selbst und ihre Community entwickeln werden. Ich hoffe, dass sie ein Geschäftsmodell finden werden, das die Grundlinie nicht zerstört. Es geht nicht um ein kostenloses Quartier, sondern um eine Unterkunft, bei der man auf emotionaler und intellektueller Ebene investieren kann. Wenn wir Couchsurfing als eine Art zu Reisen und eine Einstellung, die wir zueinander haben, ansehen, ist es jedenfalls präsent und stark.

cafebabel.com : Wie seid ihr auf das Konzept für euer Reiseunternehmen gekommen ?

O : In gewisser Hinsicht war es einfach : Ereid wollte es für sich selbst nutzen.

Ereid Gjergji : Was uns inspiriert und gereizt hat, war die Idee verreisen zu können, ohne Zeit zu verlieren – und natürlich ohne viel auszugeben. Kurz gesagt : Alles, was wir auf anderen Seiten nicht finden konnten.

cafebabel.com : Kann man mit so einer Geschäftsidee überhaupt Geld verdienen ? Wo bekommt ihr Rat und Unterstützung ?

O : Neue Geschäftsideen sind wichtig und wir rechnen definitiv mit Profit. Unsere Struktur steht auf mehreren Beinen und wurde in den letzten achtzehn Monaten durchdacht und optimiert. Unser Plan ist es, in einem Jahr kostendeckend zu arbeiten. Die besten Ratschläge kommen von unseren Usern. Sie sind wirklich toll : sie schicken uns ihre Ideen und teilen uns mit, was sie benötigen, um das Planen von Reisen noch einfacher zu machen. Das ist eine große Inspiration.

cafebabel.com : Welche kulturellen Unterschiede oder Gemeinsamkeiten erlebt ihr in eurer Zusammenarbeit, oder in der mit anderen Kulturen ?

E : Das, was uns verbindet oder trennt, hängt vielmehr von unseren Charakteren und individuellen Lebenswegen ab. Wer wie wir viel reist, empfindet sehr stark, was es bedeutet, ein Weltenbürger zu werden. Teil einer Menschheit in Bewegung zu sein, die sich bei jeder Begegnung mit anderen Menschen verändert. Wir sind die Menschen, die wir treffen.

O : In der Regel betrachten wir kulturelle Unterschiede als Quelle für Beobachtungen und lassen uns von ihnen unterhalten. Die Frage ist eher, wie man sich anpassen und akzeptieren kann und nicht, wie groß der Unterschied ist. Mit Ereid ist das so, dass wir uns gegenseitig sehr gut bei der Arbeit ergänzen. Ich könnte hier keine kulturellen Unterschiede aufführen, außer, dass er entspannter ist und ich eher dazu neige, gestresst zu sein. Ich bin mir nicht sicher, ob Arbeitsmoral eine Nationalität hat. Da wir beide sehr fleißig, hartnäckig und eigensinnig sind, können wir uns gegenseitig inspirieren und voranbringen.

cafebabel.com : Drungli ruft zu Abenteuern und spontanen, preiswerten Buchungen auf. Gibt es unter jungen Europäern zumindest insofern einen Zeitgeist, dass wir so leben wollen - morgens aufwachen und einfach einen Flug nach Australien buchen, beispielsweise ? Kann das auf einem Kontinent, der größtenteils von einer Krise geplagt wird, funktionieren ?

E : Die Sehnsucht nach Abenteuern ist typisch für spontane Menschen. Sie ist ein Teil der Leute, die Pioniere sind, so wie Columbus oder Vespucci. Sie gehört zu jenen, die an neue Orte reisen, um die Arroganz zu durchbrechen, die uns die Welt so sehen lässt, wie wir sie uns vorstellen. Reisen ist wie unsere eigene Wiedergeburt, weil wir Dinge entdecken, die wir noch nicht über uns gewusst haben.

„Aber das ist in Ordnung. Wir jammern schon oft genug darüber, dass alle interessanten Sehenswürdigkeiten von Touristen überflutet werden.“O : Ja, genau so wollen wir leben. Aber dieses Lebens-„Ideal“ hat verschiedene Gründe. Der Reisesektor hat eine gute Lobby und ein riesengroßes Marketing. Das macht es schwer zu sagen, wer wirklich einen wahnsinnigen Drang zum Reisen hat, oder wer einfach nur dem Trend folgt. Der Zeitgeist existiert, weil die technischen Voraussetzungen vorhanden sind. Es ist möglich, im Ausland zu arbeiten. Im Internet kann man Dutzende cooler Dinge finden, die man tun kann, um damit Geld zu verdienen. Und man kann jeden Abend mit seiner Mutter skypen, wenn man will.

„Der Zeitgeist existiert, weil die technischen Möglichkeiten vorhanden sind. “

Außerdem ist die wachsende Zahl von „Freiheitsjägern“ genau das Produkt der Krise. In einer Gesellschaft, in der klassische Lebens- und Beschäftigungsmodelle nicht mehr funktionieren, werden die Kreativen schnell das sinkende Schiff verlassen. Das Risiko ist geringer, wenn man mit neuen Lösungen experimentiert, um eine Lebensaufgabe zu haben. Ein Stück Eskapismus gehört auch zu diesem Trend, aber ich kann mir wesentlich schlimmere Versionen von Realitätsflucht vorstellen.

cafebabel.com : Was sind eure Prognosen für das künftige Reisen quer durch Europa ? Wird es bald einen neuen Zeitgeist geben ?

O : Für unsere und die folgende Generation ist es völlig selbstverständlich geworden, ‚eben mal kurz‘ in ein Flugzeug zu steigen. Wenn etwas zur Selbstverständlichkeit geworden ist, ergibt sich daraus wieder ein Entwicklungssprung. Ich bin gespannt, wann wir die erste grüne Fluggesellschaft sehen werden – oder andere Reiseveranstalter, die sich auf nachhaltige Lösungen konzentrieren. Ich bin gespannt, wie sich die autonom organisierten Touren auf Webseiten wie Gidsy entwickeln werden. Low Budget-Fluggesellschaften stehen ebenfalls im Vordergrund. Flugreisen sind für die Massen so wichtig geworden, dass die Menschen für niedrige Ticketpreise dazu bereit sind, gewisse Regeln zu akzeptieren und sich vom Glamour des Fliegens zu verabschieden. Wir nehmen normalerweise auch Billig Flüge. So gesehen ist diese Entwicklung ein Indikator dafür, was das von der Industrie geforderte Minimum ist und gibt Aufschluss über die momentane Befindlichkeit und finanzielle Situation der Europäer.

Fotos : mit freundlicher Genehmigung von ©Orsi Tóth offizieller Tumblr ; Drungli-Werbung im Text mit freundlicher Genehmigung von ©Drungli auf Flickr