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Deutschland überall: Heimwärts mit Manuel Möglich

Artikel veröffentlicht am 24. April 2015
Artikel veröffentlicht am 24. April 2015

'Wild Germany', 'Heimwärts mit...' und 'Deutschland von außen' heißen die ZDF-Sendeformate mit Manuel Möglich. Deutschland überall sein neuestes Buch. Mit dem ist er auf Lesereise quer durchs Land. Beim Halt im Pott treffen wir ihn für einen kurzen Klatsch in der Zeche Carl. Die Themen -Deutschland, die Welt und natürlich sein Buch, in dem es um beides geht.

''Wie schön Deutschland ist, wenn man weit weg ist und nur immer dran denkt !'' heißt das Zitat von Carl Zuckmayer im Klappentext zu Manuel Möglichs neuem Buch. Für dieses war er auf fünf Kontinenten, in fünf Klimazonen überall auf der Welt unterwegs. Auf Spurensuche nach Deutschem, in der Ferne. Worauf ist er gestoßen und wie steht er selbst zu dem Land, in dem er geboren wurde und wo er trotz vieler Reisen bis heute geblieben ist? Wir haben nachgefragt. 

cafébabel: Bewegt sich Deutschland immer noch irgendwo zwischen Nazivergangenheit und Berlin-Hype?

Manuel Möglich: Für die Leute, die in Berlin sind, spielt die Nazivergangenheit keine Rolle mehr. Zumindest nicht für die, die ich kenne. Ich finde Berlin auch nicht so repräsentativ für Deutschland, weil es einfach eine große Stadt ist, die speziell für sich alleine steht. So wie New York. Das steht genauso wenig für Amerika, wie Berlin für Deutschland. Jetzt bei der Lesereise bin ich ja in relativ vielen Städten. Und da merkt man auch, dass Hamburg, Köln, Essen und Co. ganz anders sind und vielleicht viel mehr für 'das Deutschland' stehen als Berlin. Wenn man Leute im Ausland trifft, egal welchen Alters, dann sprechen die von Deutschland in den höchsten Tönen. Und wenn man auf die Vergangenheit anspielt, ist es denen völlig wurscht und sie sagen ''Man muss doch nach vorne gucken''. Ich war immer der, der die Zeit dann wieder auf den Tisch gebracht hat und gesagt hat: ''Es ist doch nach wie vor wichtig, daran zu erinnern und grad, dass das die Jungen tun.'' 

cafébabel: Wie sieht die Haltung zur Vergangenheit in Deutschland selbst aus?

Manuel Möglich: Ich hatte zwischenzeitlich das Gefühl, dass es nicht mehr so ein Thema ist. Und als dann letztes Jahr die ganze Fußball-Feierei vor dem Brandenburger Tor war und der Spiegel am Tag davor so ein Cover in Richtung 'Die neue deutsche Leichtigkeit' gebracht hat, dachte ich, vielleicht habe ich hier was, das überhaupt niemanden mehr interessiert. Aber kurz darauf wurde klar, dass Themen wie Zerissenheit was Nationalstolz angeht, deutsche Identität oder Patriotismus natürlich noch unheimlich präsent sind. Noch immer weiß keiner so recht, wie man sich verhalten soll.

cafébabel: In deinem Buch geht es um deutsch-geprägte Kultur überall auf der Welt. Konntest du Parallelen zwischen den Nachfahren Deutscher feststellen? Einen gemeinsamen Nenner?

Manuel Möglich: Die Idee war einfach loszufahren und eine Art Reise/Abenteuer-Bericht mit rotem Faden zu machen. Und zwar an Orten, die eine ganz klare Verbindung zu Deutschland haben, ob das jetzt alte Kolonien wie Namibia, Samoa und Qingdao oder aber Länder wie Brasilien, Tschechien, Rumänien oder auch die USA waren. Ich könnte jetzt schwer sagen, dass die Nachkommen von Kolonialisten auf der ganzen Welt dieselbe Denke haben. Das fängt schon bei den verschiedenen Deutschvarianten an, die sie sprechen. Aber was die Leute so ein bisschen eint, ist der Blick auf Deutschland von außen. Ich glaube, wenn du das Ganze aus der Ferne siehst, findet eine Art Verklärung statt. Das endet dann beispielsweise in der Idee von einem totalen Phantasiedeutschland mit Lederhosen und Seppelhüten. Das ist teilweise irgendwie ganz süß, aber auch gruselig. 

cafébabel: Gibt es für dich überhaupt 'Deutschsein' oder 'typisch deutsch'?

Manuel Möglich: Schwer. Du kannst jetzt mit den ganzen Klischees kommen, dass die Deutschen pünktlich sind und dass die Deutschen gute Arbeit leisten. Aber wenn man in Deutschland lebt, weiß man, dass das natürlich Quatsch ist. Ich kenne etliche Leute, die total unpünktlich sind. Typisch deutsch ist für mich, glaube ich, die Identifikation über Sprache. Es ist meine einzige Muttersprache. Wenn ich nicht kommunizieren kann, dann bleibt eigentlich nicht viel vom Sein.

cafébabel: Dein Buchtitel Deutschland überall klingt wie eine Anlehnung an 'Deutschland über alles' - gewollt?

Manuel Möglich: Es gibt eine Geschichte in dem Buch, wo eine Frau in Brasilien von der deutschen Nationalhymne schwärmt. ''Seit über 60 Jahren in Brasilien gewöhne ich mich langsam an die brasilianische Hymne, aber die deutsche ist mir aber immer noch viel lieber.'' Da schwingt natürlich 'Deutschland über alles' mit einem Augenzwinkern mit. Zum anderen ist der Titel daran angelehnt, dass ich auf 5 Kontinenten und in 7 Ländern war. Also ein bisschen überall. Ich wollte eigentlich, dass es 'Deutschland überall' heißt aber noch ein weggekritzeltes 'es' am Ende ist. Das fand der Verlag dann aber wohl etwas zu viel.

cafébabel: War es dir schon mal unangenehm Deutscher zu sein?

Manuel Möglich: Ja klar, das hat glaube ich jeder schon erlebt. Da war man zum Beispiel mit der Freundin im Urlaub, hat am Nachbartisch Leute Deutsch reden hören und sich gedacht: ''Können wir mal lieber nen Tisch weiter.'' Das macht kaum eine andere Nation. 

cafébabel: Du selbst bist viel unterwegs. Hast Du schon mal längere Zeit im Ausland gelebt? Wenn ja, hättest du dir vorstellen können dort zu bleiben ?

Manuel Möglich: Ich habe nie wirklich lange im Ausland gelebt. Während meiner Unizeit war ich mal zwei Monate in Madrid, dann war ich mal einen Frühling und einen Sommer am Stück in New York. Das sind Momentaufnahmen. Der Reiz da zu bleiben war schon da, aber dann gibt es immer Gründe, warum sowas dann doch nicht geht. Meine Arbeit ist einfach sehr eng mit der deutschen Sprache verbunden.

cafébabel: Wenn nicht in Deutschland, wo würdest du leben wollen?

Manuel Möglich: Wo ich mir tatsächlich vorstellen könnte zu wohnen, ist Vancouver. Also in meiner idealen Welt, wo jemand sagt ''Hier kannst du arbeiten, Geld verdienen. Ist alles cool.'' Da hat ganz vieles zusammengespielt, was für mich an einer Stadt toll ist. Man hat alles, was kulturell wichtig ist. Die Mentalität der Kanadier ist sehr angenehm. Und man hat ein unglaubliches Umfeld - ist schnell am Meer und in den Bergen.

cafébabel: Welche deutschen Künstler kannst du empfehlen?

Manuel Möglich: Ich habe jetzt die neue Tocotronic-Platte nicht gehört. Da mochte ich die letzte, obwohl ich die früher scheiße fand. Dann gibt es so 'ne kleine Schrammelrock-Band aus Berlin, die heißt Chuckamuck. Eigentlich versteht man teilweise kaum, dass sie auf Deutsch singen. Es gibt schon gute Musik in Deutschland, nicht nur irgendwie Techno, Kraftwerk oder so. Mit deutschen Filmen tue ich mich etwas schwer. Ich muss gestehen, ich habe mich geweigert Oh Boy zu gucken, weil alle meinten ''so ein toller Film''. Irgendwann habe ich ihn dann mal im Flugzeug gesehen. Ich mag die Ästhetik und die Idee. Nicht die Erfindung des Rads, aber gute Unterhaltung. In der Kunst finde ich manchmal auch Sachen von Daniel Richter gut.

cafébabel: Zum Abschluss - wärst Du wirklich gerne ein Pferd ?

Nein. Die Presse lügt.

Manuel Möglich: Deutschland Überall (Rowohlt Verlag, 2015)