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Danke Kommission: Erasmus-Märchen werden wahr

Artikel veröffentlicht am 30. September 2014
Artikel veröffentlicht am 30. September 2014

Hallelujah. Einer Studie der EU-Kommission über den Einfluss von Erasmus auf das Leben junger Europäer zufolge, bewahre uns Erasmus vor Arbeitslosigkeit, Einsamkeit und Armut. Netter Versuch liebe Kommission. Wir haben junge Europäer gefragt, ob sie noch an Erasmus-Märchen glauben.  

David hat keinen Job, weil er die Erasmus- Erfahrung verspottete

Seit vier Jahren sucht David nach einem Job - und das leider ohne Erfolg.  Zunächst konnte er die Quelle seines Misserfolgs nicht ausmachen, aber die Antwort war einfach: David hat nie am Erasmus-Programm teilgenommen. Der Bericht der EU-Kommission hingegen zeigt klipp und klar, dass das Austauschprogramm der erste Punkt auf der Liste jedes Arbeitgebers auf der Suche neuer Mitarbeiter ist. Denn nur Erasmus macht es möglich, gleich sechs persönliche Soft Skills zu perfektionieren, die sich anschließend als entscheidend für die Arbeitslosigkeit herausstellen: Konfliktfähigkeit, Neugierde, Selbstvertrauen, Einfühlungsvermögen, Entscheidungsfreudigkeit und Fähigkeiten zur Problemlösung.  

Manas Reaktion (Belgien): Erasmus als der "erste Punkt"?! Ich denke, das ist ziemlich übertrieben... Was ist mit Erfahrung? Viele Absolventen vergessen, dass das Arbeitsleben mit ehrenamtlicher Arbeit beginnt, mit der man bereits während des Studiums beginnt, um Fertigkeiten und Kompetenzen zu entwickeln. Damit erhöht man seine Jobchancen im Vergleich zu anderen Kandidaten. Außerdem ist  diese Liste für jeden Arbeitegeber subjektiv: Was ist mit geläufigeren Fähigkeiten wie Verlässlichkeit, Effizienz, Multitasking, schnelles Lernen usw.?

Sheila hat keinen Freund, mit Erasmus wäre sie längst verheiratet

Sheila ist einsam. Die junge Frau heult sich jeden Abend die Augen aus, weil sie keinen Freund hat. Noch viel schlimmer: Sie hat keinen Freund aus dem Ausland. Wie wir alle wissen, können die Frauen dieser Welt nicht glücklich sein, wenn sie keinen Freund haben; und wenn dieser Nicht-vorhandene-Freund kein Ausländer ist, ist es sogar noch schlimmer. Wie auch immer, es war allein ihr Fehler. Sie hätte ja Erasmus machen können. Wie die neueste Studie zeigt, könne man als Europäer nur Erfolg im Liebesleben haben, wenn man bei Erasmus mitgemacht hat. Außerdem gebe es dank Erasmus einen ganze Menge mehr Kinder in Europa - eine Million Babys mehr als ohne das Programm. 

Chloés Reaktion (Frankreich): Ich denke, dass Sheila Glück hat. Denn wahrscheinlich muss sie gerade nicht nach einem Job oder einer Wohnung suchen, wenn sie genug Zeit hat, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen. Sheila lebt definitiv nicht in der realen Welt. Zu denken, dass dich ein Partner sozial aufwertet und als "Statussymbol" für Weltoffenheit gelten soll, ist völlig daneben. Ich frage mich, ob Erasmus Sheilas Leben besser gemacht hätte...

Petra hätte sich ein Leben im Ausland vor Erasmus nicht vorstellen können

Vor ihrem Erasmussemester hätte sich Petra nie ein Leben im Ausland vorstellen können. Sie hatte noch nicht einmal realisiert, dass man außerhalb seines Heimatlandes leben kann. Freunde in anderen Ländern zu haben war für sie so unvorstellbar wie eine natürlich gewachsene Pamela Anderson. Einzig Erasmus konnte sie in ihrem bestreben bestärken.  

Carolines Reaktion (Schweden): Ich habe nicht die komplette Studie gelesen. Aber in Antwort auf diese Interpretation würde ich sagen, dass Leute sich dank Erasmus schon eher ins Ausland trauen. Es ist aber mit Sicherheit übertrieben zu sagen, eine Person hätte ohne Erasmus niemals realisiert, dass es möglich ist im Ausland zu leben. Die Menschen suchten auch schon vor Erasmus Arbeit im Ausland. Ich meine, Millionen von Europäern sind vor 150 Jahren in die USA ausgewandert - ohne Stipendien! Und wieder andere bereisten auch schon vor dem Austauschprogramm Europa. Trotzdem denke ich, dass Erasmus die Hemmschwelle senkt. Eine Person, die sich nie für einen Job im Ausland bewerben würde, könnte im Erasmus-Fall dennoch für ein paar Monate bereit sein - wohlwissend, dass alle verwaltungstechnischen Angelegenheiten gelöst sind, die Studienbelastung gering ist und viele Freunde, vielleicht sogar aus dem selben Land, in einer ähnlichen Situation sind. Ich selbst habe nie Erasmus gemacht. Vielleicht habe ich auch deshalb diese Vorstellung im Kopf, dass Erasmus-Studenten ein bisschen verwöhnt sind, weil sie sich nie mit den normalen Unannehmlichkeiten des Lebens im Ausland herumschlagen müssen und sich nur sorglos betrinken. Aber vielleicht ist auch das ein Märchen. Oder vielleicht bin ich ganz einfach nur neidisch.

Lest die vollständige ERASMUS IMPACT STUDY hier.