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Cybersex: Aufklärung der Generation Youporn

Artikel veröffentlicht am 5. November 2013
Artikel veröffentlicht am 5. November 2013

Jugendlichen wird im Internet schnell ein falsches Bild von Sexualität vermittelt. Was im Netz zu sehen und zu lesen ist, beeinflusst das Sexualleben junger Menschen, die zwar "sehr aufgeklärt", aber unzureichend informiert sind. Eine Kampagne in den USA hilft Jugendlichen und Eltern, über das Thema zu sprechen und Mythen zu bekämpfen.

"Wenn ich nach dem Sex ein Tampon verwende, ist das Risiko geringer, schwanger zu werden". "Oralsex ist ungefährlich". "Sex in warmem Wasser beugt Schwangerschaft vor". Eine Auswahl der Ansichten einiger amerikanischer Jugendlicher zum Thema Sexualität. Unter dem Hashtag #sexmyths leistet die Stadt Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin mithilfe einer Multimedia-Kampagne Präventionsarbeit: Mit einem "Richtig oder falsch"-Fragebogen sollen Jugendliche angesprochen werden. Der Slogan "Wenn Sie sich nicht um die sexuelle Bildung Ihrer Kinder kümmern, tut es ein anderer!" richtet sich an Eltern. Die Botschaft dahinter lautet: Lassen Sie das Internet keine Gerüchte und Mythen in die Köpfe Ihrer Kleinen setzen!

die (un)wahrheiten des internet

Mehr als 95% der Jugendlichen in den USA haben sexuellen Aufklärungsunterricht in der Schule. Oft handelt es sich jedoch eher um allgemeine Ratschläge zur Enthaltsamkeit als um umfassende Informationen zu Verhütung und sexuell übertragbaren Krankheiten. Durch fehlende oder unzureichende Verhütung werden jedes Jahr mehrere Millionen US-Amerikanerinnen schwanger. Der Verein United Way of Greater Milwaukee, Urheber der Kampagne, versteht sich als eine Art Berater in Sachen Familienplanung und möchte junge Menschen in Milwaukee informieren und begleiten. Auf seiner Internetseite wirbt er mit dem Slogan "Baby can wait" ("Baby kann warten"). Eltern werden darauf aufmerksam gemacht, dass es sehr wichtig ist, ihren Kindern zuzuhören und Wissen weiterzugeben.

Die Kampagne ist in sozialen Netzwerken und im Internet aktiv, da die Desinformation der Jugendlichen dort bekämpft werden soll, wo sie sich am stärksten bemerkbar macht. "Ein Jugendlicher ist im Schnitt fünf Stunden am Tag online und wird dort mit erschreckenden Unwahrheiten zum Thema Sex konfrontiert", so Gary Mueller, Leiter der Kommunikationsagentur, die das Projekt unterstützt. "Wir wollten die sozialen Netzwerke, in denen sich die Jugendlichen unterhalten, nutzen, um gegen diese Mythen anzugehen. Gleichzeitig wollten wir den Eltern die Augen dafür öffnen, was ihre Kinder im Internet lernen."

Einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des französischen Meinungsforschungsinstituts Ifop zufolge werden die 15- bis 24-jährigen in ihrer Sexualität immer mehr von dem beeinflusst, was sie im Netz zu sehen bekommen. Zum Beispiel hat mehr als ein Drittel der Jugendlichen unter 25 Jahren (38%) schon einmal eine Datingseite im Internet besucht und fast ein Viertel (24%) hat sich bereits mit einer im Internet kennengelernten Person getroffen. François Kraus, Forschungsleiter am Ifop, spricht ebenfalls von einer "Banalisierung des Pornokonsums, der das Sexualleben Jugendlicher dahingehend stark verändert hat, dass bereits im ganz jungen Alter Praktiken übernommen werden, die die Jugendlichen aus Pornofilmen kennen". Zu diesen Praktiken gehören insbesondere die Ejakulation ins Gesicht der Partnerin (24%) oder das Filmen des Sexualakts (22% wären dazu bereit) - (siehe Infografik)

 

Ein weiteres Ergebnis dieser Studie lautet, dass die Jugendlichen verstärkt digitale Kanäle in ihr Sexualleben integrieren: Sex-SMS, Chats auf Datingseiten, Webcam-Sex etc. Die Generation der 15- bis 24-jährigen ist beim Thema eigene Sexualität eher freizügig. Aber haben wir es wirklich mit der "Generation Youporn" zu tun, wie der Titel der Studie suggeriert? Das ist alles andere als sicher.

"Je freier die praktiken, desto besser"

"Je freier die Praktiken, desto besser", sagt der Gynäkologe Sylvain Mimoun. In einem Interview erklärt er diese Auffassung: "Vor 15 Jahren war das Verhältnis zum Oralsex ein ganz anderes. Frauen sind zu mir gekommen und haben gesagt, dass sie es nicht mögen. Heute ist das anders. Das soll nicht heißen, dass Frauen es heute lieben, sondern einfach, dass Oralsex heute nicht mehr als problematisch angesehen wird. Das gleiche gilt für Sodomie."

Die Herausforderung für Jugendliche besteht also darin, zwischen den Fantasien im Internet und der Realität unterscheiden zu können. Und zwar, was die Praktiken als auch die Risiken betrifft (Krankheiten, Schwangerschaft etc.) "Jugendliche wissen, dass Pornos nicht das wirkliche Leben abbilden, aber es reizt sie trotzdem, sie anzuschauen, und sie stellen sich viele Fragen", ergänzt Sylvain Mimoun. Es ist daher notwendig, dass Eltern und Pädagogen (Lehrer, Erzieher, Betreuer etc.) aufmerksam bleiben und die Aufklärung der Jugendlichen nicht alleine dem Internet überlassen.