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Cowspiracy: Verheerende Viehzucht

Artikel veröffentlicht am 17. Februar 2015
Artikel veröffentlicht am 17. Februar 2015

Meinung: Die Produktion von Fleisch hat für unseren Planeten verheerende Folgen. Sie ist die Hauptursache für Wasserverschwendung, die Zerstörung von gut erhaltenem Land und die Ausrottung mehrerer Tierarten. Die EU reagiert nicht, während große Unternehmen weiterhin profitieren.

Für die Fleischproduktion werden große Weideflächen benötigt. Vor einigen Jahren habe ich mir Al Gores Dokumentarfilm Eine unbequeme Wahrheit angesehen und war alarmiert. Die Tatsache, dass unser Planet vor einer ökologischen Krise steht, war zwar nichts Neues für mich. Ich war jedoch zutiefst berührt, als ich mit fundierten empirischen Daten konfrontiert wurde und mit meinen eigenen Augen sah, wie Eisbären in der Arktis sterben.

Ab diesem Zeitpunkt handelte ich achtsamer, um unserem Planeten nicht zu schaden. Es sind ganz einfache Dinge, wie sich die Zähne nicht bei laufendem Wasser zu putzen oder nur Lichter im Haus brennen zu lassen, die wirklich gebraucht werden; versuchen, zu recyceln, keinen Müll (auch keine Kaugummis!) auf den Boden zu werfen und viele andere kleine Dinge, die wirklich etwas bewirken können.

Vor kurzem sah ich einen anderen Dokumentarfilm mit dem Titel Cowspiracy: The Sustainability Secret. Ich erkannte, dass es trotz all meiner persönlichen Bemühungen, für das Wohlergehen des Planeten zu sorgen, weit davon entfernt ist, nur an mir, oder an uns einfachen Bürgern zu liegen. Offenbar stellt die Viehzucht die größte Bedrohung für die Erhaltung unserer Welt dar. Mit weiteren Recherchen wuchs auch meine Sorge.

Der Wunsch und die Gewohnheit großer Teile der Weltbevölkerung, Fleisch zu essen, sind ganz wesentlich für die Zerstörung unseres Planeten verantwortlich. Vieh, das zum Verzehr oder zur Milchproduktion gezüchtet wird, produziert riesige Mengen Methangas und Distickstoffmonoxid. Diese Treibhausgase führen zu einem größeren Hitzestau als Kohlendioxid. Letztes Jahr wurde in Deutschland eine Explosion durch Methangas, das in einem Holzstall durch Kühe freigesetzt wurde, ausgelöst. Zwar wurde dieser Vorfall damals als witzig abgestempelt, aber letztendlich zeigt er im Kleinen, wie schwerwiegend die bestehende Problematik ist. Methangas wird hauptsächlich durch die Gärung im Darm produziert, ein Verdauungsprozess, der bei Wiederkäuern wie Rindern, Ziegen und Schafen stattfindet.

Laut Cassandra Brooks vom Stanford Woods Institute for the Environment wird sich "aufgrund des Bevölkerungswachstums und des steigenden globalen Pro-Kopf-Verbrauchs von Fleisch, die Fleischproduktion bis zum Jahr 2020 voraussichtlich verdoppeln. Den Hauptanteil dieser Produktionssteigerung werden industrialisierte Tierproduktionssysteme ausmachen. Diese Entwicklungen werden schwerwiegende Konsequenzen für die globale Umwelt haben. Es wird auf internationaler Ebene zu gewaltigen Transfers von "virtueller" Energie, Wasser und Nährstoffen, mit erheblichen Auswirkungen auf lokale und entfernte Umgebungen kommen. Eine volle Bilanz dieser Trends und Prognosen wird uns dazu befähigen, politische Strategien vorzuschlagen, welche die negativen Aspekte dieser Entwicklungen verbessern können und uns befähigen, an den vielfältigen Auswirkungen industrialisierter Viehproduktionssysteme arbeiten zu können."

Europa: Tierisch langsam

Die weltweite Festlegung, die globale Erwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen, ist nicht vereinbar mit unserer Trägheit. Es müssen konkrete Maßnahmen her, um die massive Emission von Treibhausgasen zu stoppen. Hinsichtlich präventiver politischer Strategien scheint die Europäische Union nicht gewillt zu sein, ein soziales Bewusstsein gegenüber diesem Thema in Gang zu setzen.

Giovanni La Via, ein italienischer Parlamentarier, stellte fest, dass "sich die Menschen zwar darüber bewusst sind, dass die Nahrungsmittel, die sie verzehren, einen wichtigen Faktor für ihre Gesundheit darstellen. Weniger bekannt sind jedoch die Auswirkungen der Herstellung und des Konsums von Lebensmitteln auf die weltweiten Ressourcen."

Anja Hazekamp, holländisches MdEP für die "Partei für die Tiere" (PvdD), sagte, dass der Versuch, die EU-Bevölkerung zu einem geringeren Fleischkonsum zu bewegen, mit der aktuellen Landwirtschaftspolitik der Union kollidiere, da fast die Hälfte des EU-Budgets für die Subventionierung von Landwirtschaft und Fischerei ausgegeben würde. Diese Subventionen fließen in Projekte, die europäische Agrarprodukte unterstützen, zu denen Fleisch und Milcherzeugnisse zählen.

Darüber hinaus schickten Hazekamp und weitere 36 MdEPs im Oktober 2014 einen Brief an die Kommission: "Wie ein nachhaltiges europäisches Nahrungsmittel-System aufgebaut werden kann". Hier wurde nicht nur die Viehzucht thematisiert. Der Brief, der im Jahre 2011 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte, enthielt auch einen Bericht über nachhaltige Nahrungsmittel. Die Veröffentlichung blieb jedoch aus. Die Kommission, damals noch unter der Präsidentschaft von José Manuel Barroso, schickte zwar ein Antwortschreiben. Der Inhalt war jedoch nicht explizit genug, und es fehlte eine Erklärung für die Verzögerung der Veröffentlichung des Berichts.

Die Rindfleisch-Produktion ist dafür verantwortlich, dass wertvolles Wasser tonnenweise zur Bewässerung benutzt wird, dass Tierarten ausgerottet und Naturlandschaften, wie das Amazonas-Gebiet, zerstört werden. Um uns unseren Wunsch nach Luxus zu erfüllen, weihen wir unseren Planeten dem Untergang. Der Bumerang-Effekt ist bereits spürbar.

Zuerst der Profit, dann die Erde

Denken Sie an das Fleisch, das von Fast-Food-Giganten (wie, unter anderem, McDonald's, Burger King, KFC) verkauft wird. Und zwar nicht nur hinsichtlich der schlechten Qualität des Fleisches, das Sie essen, sondern auch in Bezug auf die Fleischmengen, die diese riesigen Firmen täglich benötigen, um ihre jeweiligen Geschäfte durchzuführen. Es ist ganz klar, dass sie sich einen Teufel um die Umwelt scheren, so lange ihre Unternehmen Profite machen. Ist Ihnen das alles völlig egal? Für mich gibt es noch mehr, worüber ich mir Sorgen mache. Ich mache mir Gedanken über meine kleinen Nichten und Neffen und die ganze Generation, die nach uns kommen wird. Und genau deshalb wächst meine Überzeugung, dass ich beim Herbeiführen einer Veränderung mitwirken will.