Lifestyle

C-A-F-F-E-E - trink nicht so viel Kaffee!

Artikel veröffentlicht am 8. September 2010
Artikel veröffentlicht am 8. September 2010
Die Engländer trinken am liebsten Tee, aber eigentlich gibt es nichts Besseres als eine schöne Tasse Milchkaffee, um den Tag zu beginnen. Aber wie bitteschön erkläre ich als Spanierin dem Kellner in dem französischen Bistro nebenan, dass ich zum Frühstück einen "cortado" möchte?

Man muss sich nicht in die französische Hauptstadt begeben, um Probleme beim Kaffeebestellen am Tresen einer Bar zu haben. Da reicht es schon eine kleine Rundreise im eigenen Land zu machen - in meinem Falle Spanien. Wie soll man auch wissen, dass man im südspanischen Malaga eine „Wolke“ (una nube), einen „Schatten“ (una sombra) oder eine „Hälfte“ (un mitad) trinken kann, wenn man aus Córdoba stammt? Mittlerweile habe ich die Lektion gelernt - ich weiß, dass eine 'Wolke' eine Tasse Milch mit ein wenig Kaffee ist, ein Schatten mehr Kaffee und eine Hälfte … naja eben zur Hälfte Milch und zur Hälfte Kaffee enthält. Immerhin verständlicher als die Namen bei Starbucks. Und sicherlich um einiges preiswerter!

Mein armer Pariser Kellner schaut mich vollkommen entsetzt an. Ich, die ich gerade in Paris gelandet bin und mich mit „Bonjour“ und „merci“ über Wasser halte, verstecke mich hinter der Karte mit all den verschiedenen Kaffeenamen und versuche zu erraten, welche der Kaffeespezialitäten einem spanischen cortado (Espresso Macchiato) wohl am nächsten kommt. Letztendlich bestelle ich einen noisette, auch wenn ich nicht verstehe, warum ich nach einer 'Haselnuss' (Frz. noisette) verlange. Die Deutschen, Polen und Briten machen es sich einfacher: Sie haben keine eigene Wortschöpfung für das gleiche Getränk, man benutzt einfach die italienische Bezeichnung (Espresso, Latte...) macchiato (mit Milch).

Aber Vorsicht! Wenn man in Spanien einen einfachen 'Kaffee' (un cafe) bestellt, bekommt man einen Espresso serviert (ristretto auf Italienisch). Ordert man hingegen in Polen poproszę kawę („Einen Kaffee, bitte“), steht kurz darauf ein „Sockensaft“ auf dem Tisch, also ein dünnflüssiger „Amerikaner“ (Spanisch: americano, Französich: café américain).

Seit meiner Kindheit bin ich Kaffeeliebhaberin und meine Mutter erinnert mich oft daran: Bevor sie mir einen Schnuller gab, tauchte sie ihn zunächst einmal in eine Tasse Kaffee. Undenkbar in Deutschland, wo es bis vor ein paar Jahrzehnten noch zu verhindern galt, dass die lieben Kleinen ihre kaffeetrinkenden Eltern nachahmen. Lieber brachte man ihnen stattdessen den Kaffee-Kanon von Carl Gottlieb Hering bei (1766-1853; „C-a-f-f-e-e, trink nicht so viel Kaffee!“). Zugegebernermaßen ist der Kanon im Jahr 2010 nicht besonders politically correct...

Wir bei cafebabel.com lieben Kaffee - zu jeder Tages- und Nachtzeit. Unser Favorit? Filterkaffee aus unserer Nostalgie-Kaffeemaschine… und das allmorgendliche Ritual - Italienischer Redakteur wild gestikulierend: "Chaud - chaud le café!" ('Heiß - der Café ist heiß.')