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Berliner Bar 25: Requiem für ein Bistrot

Artikel veröffentlicht am 30. Mai 2012
Artikel veröffentlicht am 30. Mai 2012
An der Bar 25, eine der trashigsten Bars der deutschen Hauptstadt, führte in Berliner Nächten kein Weg vorbei. In Gedenken an diesen außergewöhnlichen Club kam am 3. Mai ein Dokumentarfilm in die deutschen Kinos: Tage außerhalb der Zeit. Der Film begleitet die Gründer der Bar 25 von ihrer Eröffnung 2004 bis zu ihrer Schließung am 14. September 2010.
Eine gar nicht mal so traurige Grabrede von einer jungen Französin, die sich an die schönsten Momente erinnert.

Über die große Holzumzäunung nähe Ostbahnhof hinaus befand sich vor kurzer Zeit noch ein Wunderland. Ein kleines Dörfchen am Spreeufer, wo es alles zu finden gab: Open-Air Club, Restaurant, Bar, ein kleines Hotel, Improvisationskino und sogar ein Schwimmbad.

Berlin ist der absolute Hammer

Die größte Hürde war das Reinkommen. Die Bar 25 war ausschließlich bei Rückkehr des Sommers, Freitagabend bis Montagmorgen geöffnet und man musste häufig mehr als zwei Stunden warten, um am Türsteher vorbei zu kommen. Wer nicht auf der Gästeliste stand, musste mit Geduld gewappnet sein. Es war auch keine Seltenheit, dass zwei adrette, gut gekleidete Pariserinnen zu Gunsten eines lumpigen Typen abgewiesen wurden. Die Auswahlkriterien blieben ein Rätsel.

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Aber die, die es schafften in den Club zu kommen, blieben öfters länger. Die glücklichen Auserwählten vergaßen in diesem Open-Air Nachtclub, wo Abende schnell mal zum Non-Stop 72-Stunden Wochenende wurden, gern die Zeit. Die besten Abende waren Sonntags, denn sie dauerten oft bis Montagmittag. Nur ein paar Überlebende waren dann noch übrig - die echten Berliner, die montags nicht arbeiteten oder der Arbeit ganz einfach fern blieben.

Im Inneren angekommen, stieß man zunächst auf eine kleine Holzhütte, in der sich die Toiletten befanden. Aufgrund des ekelerregenden Geruchs legte man dort gern ein paar schritte zu. Von dort aus waren es nur noch ein paar Schritte entlang einiger Raver und Bierkadaver geradeaus bis zum Spreeufer. Und hier wurde dann jedermann fündig: Bars, Essen, Schaukeln, Feuerfässer, die über die Fläche verteilt waren, Discokugeln, die in den Bäumen hingen, Autoscooter außer Betrieb.... aber vor allem sehr gute Musik.

Die Bar 25 war nicht nur in Berlin bekannt, sondern galt weltweit als einmaliger Tag- und Nachtclub. Zahlreiche Szenen des Films Berlin Calling [Hannes Stöhr; 2008] wurden im Inneren des sagenumwobenen Holzzauns gedreht. Paul Kalkbrenner, der bekannte Berliner DJ und Hauptdarsteller des Films, legte regelmäßig im Hauptschuppen auf, der die größten Sets und eine enorme Theke hatte.

Hier gab es sowohl zahlreiche Sofas als auch Tische, auf denen man tanzen konnte. Auch die Menschen, die diesen Ort zum Leben erweckten, waren einzigartig. Wie dieser Mann mit roter Sonnenbrille, der sein Hemd abgestreift hatte, um seine Tattoos zu lüften, und sein in Alufolie eingewickeltes Essen wie eine Kette um den Hals trug. Im Rhythmus wiederholte er: « Berlin ist der absolute Hammer ».

Vergänglichkeit der Bar 25? Nicht wirklich

Acht Jahre später, am 14. September 2010, schloss der Club seine Pforten. Er wurde Opfer des Immobilienprojekts Mediaspree. Investoren hatten ein Auge auf die Spreeufer geworfen und der Besitzer wollte sein Gelände zurück, um dort ein Wohnviertel sowie Bürogebäude zu bauen. Und die Berliner schauten stumm an der leeren Spree herum. Die Geschichte des berühmt-berüchtigsten Ortes der deutschen Hauptstadt endete hier zunächst.

Glücklicherweise ist Berlin eine Stadt, die nicht aufhört sich ständig zu erneuern. Die Gründer der Bar 25 wollten nicht aufgeben. Einer von ihnen, Danny Faber, plant eine Club-Neueröffnung im Juli im alten Heinz Minki Gebäude. Das stillgelegte Gelände der Bar 25 könnte wieder zurückerobert werden, um ein Kulturzentrum, den « Holzmarkt », im Einverständnis mit Politikern, Investoren und Gründern des Bar-Clubs, zu errichten. Und auch ein Bar 25 Verschnitt hat im letzten Sommer eröffnet: der Kater. Wie André Gide behauptete, « jede Freude, der nicht ein Warten vorausgeht, hat keinen Wert! »

Illustrationen: Teaserbild und im Text mit freundlicher Genehmigung ©allocine.fr; Videos: Bar25 Trailer (cc)tb303meets606/YouTube, "Sky and Sand (cc)donSchnavolta85/YouTube