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Berge, Gold, Mauren und das Blaue vom Himmel versprechen

Artikel veröffentlicht am 31. August 2012
Artikel veröffentlicht am 31. August 2012
Der englische Ausdruck promises that can't be kept („Versprechen, die nicht gehalten werden können“) wird in den anderen europäischen Sprachen in viel natürlichere und farbigere Bildsprache übersetzt. Seien es „Berge von Gold“ im Polnischen oder das „Blaue vom Himmel“ auf Deutsch - die Europäer wissen, wie man falsche Versprechungen charmant verpackt.

Wie der berühmte französische General Napoleon I. einst sagte: „Wenn du erfolgreich sein willst in der Welt, versprich alles, und löse nichts ein.“ Versprechen die Franzosen deshalb „Berge und Wunder“ (promettre monts et merveilles)?

Vielleicht ist das gar nichts Besonderes, wenn man bedenkt, dass sie in Italien und Kroatien „Berge und Seen“ (promettere mari e monti) und „Berge und Täler“ (Obećati brda i doline) versprechen. Könnte es sein, dass wir in ganz Europa so inspiriert von unserer bergigen Landschaft sind, dass wir gar nicht anders können, als uns zu lyrischen Versprechungen hinreißen zu lassen?

Tatsächlich entstand der französische Ausdruck um das Jahr 1300, als man mit „mont“ eine große Menge von etwas bezeichnete, und der Ausdruck „Übel und Wunder erzählen“ (raconter des maux et merveilles) bedeutete, märchenhafte Geschichten zu erzählen. Die beiden Redewendungen verschmolzen im 16. Jahrhundert und wurden zu „promettre monts et merveilles“. Die Deutschen benutzen den kreativen und einzigartigen Ausdruck das Blaue vom Himmel versprechen, der in einer Rezension des gleichnamigen deutschen Films aus dem Jahr 2011 als „poetisch und schön“ beschrieben wird. Er habe „etwas von Vergebung an sich“.

Falls es nicht reichen sollte, Berge oder das Blaue vom Himmel zu versprechen, könnte es mit etwas kostbarem Gold klappen. Zumindest in Holland (Gouden bergen beloven), Polen (Obiecywać złote góry) und Russland (obetchat zolotie gori) ist es üblich, „goldene Berge“ oder „Berge Gold“ zu versprechen. Die Dänen versprechen „Gold und grüne Wälder“ (Love guld og grønne skove). In Spanien und Argentinien erreicht der Goldrausch mit der Wendung „das Gold und den Mauren versprechen“ übernatürliche Ausmaße. Der Ausdruck geht auf die Zeit der Reconquista zurück, als Abdalà, das Oberhaupt der Stadt Ronda bei Málaga, und sein Neffe Hamet bei einem bewaffneten Überfall in Jerez gefangen genommen wurden. Abdalà kaufte sich schnell aus der Gefangenschaft frei. Aber trotz der Bitte des Königs Johann II. von Kastilien, ließen sie seinen Neffen für kein Geld der Welt gehen. Nachdem sie viel Gold angesammelt hatten, lieferten sie Hamet schließlich am Königshof ab, doch das Sprichwort blieb bei den Einheimischen hängen: „das Gold und den Mauren versprechen“ (prometer el oro y el moro).

(Illustration: ©Henning Studte/ studte-cartoon.de)