Kultur

Zehn Kino-Newcomer und gebrochenes Englisch: Berlinale Shooting Stars 2009

Artikel veröffentlicht am 11. Februar 2009
Artikel veröffentlicht am 11. Februar 2009
Seit 1998 präsentiert der Verband European Film Promotion auf der Berlinale eine Auswahl begabter und talentierter europäischer Nachwuchsschauspieler. Nach der Eröffnungsveranstaltung reisen die jungen Talente durch die ganze Welt, um den europäischen Film und sich selbst bekannt zu machen. Zu den Ehemaligen gehören heutige Berühmtheiten wie Daniel Craig und Rachel Weisz.

Die zehn Schauspieler, die noch nicht so erprobt im Rampenlicht großer Festivals stehen, zeigten sich auf der Eröffnungskonferenz bewusst selbstsicher und überzeugend. Auch wenn einige den Rummel noch nicht ohne Weiteres wegstecken, sind sich doch alle einig, dass es eine „fantastische Gelegenheit” für ihre Karrieren sei. „Diese Initiative ist etwas Wichtiges”, erzählt die spanische Newcomerin aus Madrid, Veronica Echegui. „Es geht nicht nur darum, Erfahrungen auszutauschen, sondern auch darum Regisseure, Produzenten und die internationale Presse zu treffen.” Am Morgen vor der bereits 12. Veranstaltung fand ein Treffen der Shooting Stars mit Produzenten aus aller Welt statt. Bis jetzt gibt es noch keine konkreten Ergebnisse, doch der dänische Jungschauspieler Cyron Melville schlug witzelnd vor, einen Film zusammen mit allen Shooting Stars zu machen.

Zehn Nationalitäten und gebrochenes Englisch

©www.shooting-stars.eu

In diesem Jahr kommen die Nachwuchsschauspieler aus zehn Ländern und die Eröffnungsveranstaltung gleicht einem europäischem Jugendcamp mit Schauspielern aus Irland, Spanien, Frankreich, Deutschland, Dänemark, Italien, Ungarn, Finnland, dem Vereinigten Königreich und der Schweiz. Englisch war die bevorzugte Sprache, aber nicht alle Schauspieler beherrschten es gleich gut. Die 22-jährige Hafsia Herzi aus Frankreich hat beispielsweise einen lieblich französischen Akzent, wenn sie ein Shakespeare-Gedicht vorträgt. Dies muss nicht unbedingt ein Manko für die Karriere sein. Good Bye Lenin-Star Daniel Brühl (2003) musste zum Beispiel in der paneuropäischen Produktion Merrry Christmas (2005) einen Soldaten mit starkem deutschen Akzent spielen. Daniel Craig und Rachel Weisz sind zwei andere ehemalige Shooting Stars, die mittlerweile weltweit gefeiert werden. Craig, das neue Gesicht von 007, war im Jahr 2000 dabei, als noch wenige Europäer seinen Namen kannten. Die Oscargewinnerin Rachel Weisz hatte im Jahr 1998 die Ehre.

Die diesjährigen Talente erklärten, dass „Kunst keine Grenzen haben sollte” und dass sie für ein gutes Drehbuch überall hin fahren würden. „Die Geschichte muss zuerst kommen, nicht die eigene Ambition“, sagte der 27-jährige Samuli Vauramo (Finnland) und die 23-jährige Carey Mulligan (UK) fügte hinzu, dass sie liebend gerne für einen Film eine fremde Sprache erlernen würde. Bis jetzt war sie nur in englischsprachigen Produktionen wie The Greatest und An Education dabei, die 2009 in die Kinos kommen.

Die 18-jährige Irin Sara Bogler war gerade mal zehn Jahre alt, als sie in Jim Sheridans In America (2002) ihre erste Rolle übernahm. Seitdem stand sie schon an der Seite von Andie MacDowell in Tara Road (2005) und Mickey Rourke in Stormbreaker (2006). Für ihren neuen Kinofilm Iron Cross musste sie sogar etwas Polnisch lernen.

Polen ist auch ein Land, in dem Veronica Echeguis neuer Film Bunny and the Bull spielt. Echegui spielt darin eine spanische Kellnerin, die in einem Warschauer Restaurant arbeitet, bis sie sich entschließt in ihre Heimat zurückzukehren.

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Nach Cannes kommen die großen Stars, Berlin entdeckt sie

David Kross ist wohl in wenigen Wochen der berühmteste Shooting Star der Gruppe, denn er spielt die Hauptrolle neben Kate Winslet in Der Vorleser. Kross lobte die Dreharbeiten mit Stephen Daldry und erklärte, nachdem all seine jungen Kollegen ihre Traumregisseure aufgelistet hatten (u.a. David Lynch, Tim Burton, Wong Kar Wai), dass er am liebsten noch einmal mit Daldry arbeiten würde.

Die 27-jährige Ungarin Orsi Toth erklärte hingegen, dass sie keine Regisseure auswähle, sondern warte, bis jemand sie auswählt. Dies tat Kornel Mundruczo für seinen Film Delta, der auf dem letzten Filmfestival in Cannes als heißer Favorit für die goldene Palme ins Rennen ging. Delta war aber für Toth ebenfalls eine schwierige Prüfung. Denn der Film musste nach dem Tod des männlichen Hauptdarstellers (Lajos Bertok, dem der Film gewidmet ist) zur Hälfte neu gedreht werden.

Die vielseitige Schweizer Schauspielerin Celine Bolomey würde am liebsten mal wie Cate Blanchett in I’m Not There (2007) einen Mann spielen. Für ihre Rolle als geschiedene Mutter in On dirait le Sud bekam sie im letzten Jahr den Schweizer Filmpreis.

©www.shooting-stars.euDer Traum der italienischen Newcomerin Alba Caterina Rohrwacher ist eine abstruse Rolle wie Edward mit den Scherenhänden oder eine Nonne wie Meryl Streep in Doubt. Bis jetzt kennt sie das italienische Publikum vor allem als von Liebeskummer geplagte Frau in Good Morning Heartache (2007).

Zum ersten Mal verleihen die Filmstudios Babelsberg, die als Hauptsponsoren der Shooting Stars agieren, einen Preis an die jungen Talente. Die Trophäe ist der Roboterfrau Maria aus Fritz Langs Metropolis nachempfunden, der 1927 in Babelsberg gedreht wurde. Mit dieser Ehrung unterstreicht die Berlinale erneut ihre Funktion als Festival für junge Talente. Der britische Superstar Charlotte Rampling (63) erklärte entsprechend gegenüber cafebabel.com auf dem roten Teppich: „Nach Cannes kommen die großen Stars, doch in Berlin werden sie entdeckt“.

Mehr zum Festival, den Filmen und dem Geschehen auf dem roten Teppich findet Ihr in unserem Berlinaleblog.