Kultur

Werbung: Welche Bilder schocken Europa?

Artikel veröffentlicht am 2. August 2010
Artikel veröffentlicht am 2. August 2010
Werbung gehört zu unserem täglichen Leben. Die Bilder sind überall, im Fernsehen, auf Plakatwänden und in Zeitschriften. Adolf Hitler, Geschlechtskrankheiten oder die Queen - was schockt Europa? Cafebabel.com zeigt eine kleine Auswahl der letzten Euro-Schocker.

Großbritannien: „Abtreibung“ - übertrieben?

Darf man Werbung für Abtreibungen machen? In Großbritannien schon, seit Mai 2010. Produziert hat diesen aktuellen Spot das Unternehmen Marie Stopes International, welches in England acht Kliniken betreibt. In dem Spot sind schwangere Frauen zu sehen und die Nummer einer kostenlosen Hotline, an der interessierte Frauen Informationen erhalten, wird eingeblendet. Wie immer, wenn es um das heikle Thema Abtreibung geht, schlagen die Wogen hoch. Michaela Ashton, Abtreibungs-Gegnerin und Sprecherin der Organisation Life, kann es nicht fassen: Abtreibungskliniken zu erlauben, im Fernsehen Werbung zu machen, sei „grotesk“. Denn diese wären nun einmal keine Hersteller von Reinigungsmitteln. Marie Stopes International versteht den Spot nicht als Werbung für Abtreibung. Vielmehr gehe es darum, zu informieren und aufzuklären. Die Rate der Teenager-Schwangerschaften in Großbritannien gehört laut UNICEF zu den höchsten in Europa.

Polen - „NaziSexyMaus“

Es mag sich um Kunst handeln - die Bewohner der polnischen Stadt Posen finden das Motiv jedoch alles andere als ansprechend. Schon die Kombination aus einem nackten Frauenkörper und einem darauf montierten Mickey-Mouse-Kopf wäre wohl nicht jedermanns Sache. Dass im Hintergrund außerdem noch ein großes Hakenkreuz vor sich hinstrahlt, kommt in Polen, wo viele Menschen in den 1940er Jahren durch deutsche Nationalsozialisten ermordet wurden, gar nicht gut an. „NaziSexyMouse“, so der einleuchtende Titel des Werks, wurde vom Italiener Max Papeschi geschaffen und soll in Posen für die Ausstellung einer Kunstgallerie werben. Tragischerweise hängt das Plakat nur wenige Meter von der städtischen Synagoge entfernt, die während des Nazi-Regimes als Schwimmbad genutzt wurde. Pepischi will sein Werk durchaus politisch verstanden wissen: Durch die Kombination von u.a. Symbolen der Unterdrückung mit „Kulturikonen“ wie Mickey Mouse würden Letztere ihre „beruhigende Wirkung“ verlieren und sich in einen „kollektiven Albtraum“ verwandeln.

Frankreich - „Alzheimer“ anstößig

Gegen diesen Spot von Saatchi&Saatchi, produziert für die Vereinigung France Alzheimer, wurde im Februar 2010 per Internet-Petition erfolgreich Einspruch eingelegt. Er darf in Frankreich also nicht mehr ausgestrahlt werden. Die Initiatorin der Petition, Valérie Roumanoff, erklärt dazu: „Diese Werbung zeigt eine deformierte und apokalyptische Vision der alzheimerschen Krankheit.“ Es würden Mittel des Horrorfilms genutzt, wie Gruselmusik. Tatsächlich irren die Protagonisten im Spot wie Zombies durch die Gegend und agieren seltsam gleichgültig. Am Ende erscheint der Slogan „Glücklicherweise werden sie sich daran nicht erinnern.“ An diese Werbung wird man sich hingegen wohl noch lange erinnern.

Italien - Ex-Pornostar „Rocco Siffredi“ mag Kartoffelchips

Dem Nicht-Italiener erschließt sich eventuell nicht gleich auf den ersten Blick, warum diese Werbung für eine bekannte Chipsmarke in Italien zensiert wurde. Na gut, Rocco Siffredi ist ein bekannter Pornofilm-Darsteller und das Szenario mit leicht bekleideten Frauen, die sich lasziv am Pool räkeln, mag auf den ein oder anderen anstößig wirken. Der eigentliche Grund für das Verbot ist jedoch der Text. Während Siffredi seine Chips isst, spricht er folgende, bedeutungsschwere Worte: „Mmmmmh, ich liebe kleine Kartoffeln (patatina).“ Nun muss man wissen, dass „die kleine Kartoffel“ in Italien auch als umgangssprachliche Bezeichnung für das weibliche Geschlecht verwendet wird. Diese Tatsache, in Kombination mit Rocco Siffredi, reichte offensichtlich für einen handfesten Skandal.

Deutschland - „Aids ist ein Massenmörder“

Mit dieser Werbekampagne hat sich die Initiative Regenbogen e.V., ein Verein für AIDS-Prävention, 2009 keine Freunde gemacht: Weder in Deutschland, noch in anderen Ländern wurde der Slogan „Aids ist ein Massenmörder“ positiv aufgenommen. Neben Adolf Hitler haben in der Kampagne auch noch Josef Stalin und Saddam Hussein offenbar ungeschützten Sex mit Frauen. Besonders in Großbritannien und den USA sorgt das für Proteste. Kritisiert wird vor allem die Stigmatisierung HIV-positiver Menschen als „Massenmörder“. Auch enthält die Werbung keine Informationen darüber, wie man sich vor AIDS schützen kann. Was Geschlechterrollen angeht, ist die Kampagne ebenfalls problematisch: Frauen werden als Opfer der Ansteckung dargestellt, „böse“ Männer sind die Überträger.

Spanien - „Tagebuch einer Nymphomanin“

„Tagebuch einer Nymphomanin“ (spanisch: Diario de una ninfómana), so der Titel des Films von 2008, für den dieses Plakat werben sollte. Das Bild einer leicht bekleideten Frau, die ihre Hand unter den Slip führt, zierte Busse und U-Bahn-Stationen von Spaniens Hauptstadt Madrid - und diente nur zur Provokation. Das fanden zumindest die Madrider Behörden. Christian Molina, seines Zeichens Regisseur des Nymphomaninnen-Films, vermutete, dass weniger das Motiv der Frau in Unterhose, als vielmehr der Begriff „Nymphomanin“ ein Problem darstellte. Ein anderes Plakat, auf dem nur der Filmtitel und keine dazugehörige halbnackte Frau zu sehen war, wurde ebenfalls abgelehnt.

Videos: Abtreibung UK ©Marie Stopes International/Youtube; Video NaziSexyMaus ©maxpapeschi/Youtube; Video Alzheimer Frankreich ©flouze1/Youtube; Video Rocco Sifffredi ©alemona/Youtube; Video Aids Massenmörder ©The Young Turks/Youtube; Tagebuch einer Nymphomanin Trailer ©xunadvdclub/Youtube