Kultur

Viel Glück!

Artikel veröffentlicht am 24. Mai 2006
Artikel veröffentlicht am 24. Mai 2006

So mancher Europäer sieht seinen guten, alten Kontinent gerne als Wiege der Rationalität, wo solch mittelalterlichen Neigungen wie der Aberglaube der Vergangenheit angehören. Dennoch werden wir am Freitag den 13. nervös und vermeiden es, unter einer Leiter durchzulaufen.

Deshalb ist es seltsam, das laut auszusprechen, was man unbedingt vermeiden will. Man muss sich aber nicht bedroht fühlen, wenn ein Brite einem beim Betreten einer Bühne eine ernsthafte Verletzung wünscht. Break a leg! („Brich dir ein Bein!“) ist seine Art, dir viel Glück zu wünschen. Auch Deutsche und Ungarn, die sich mit einem bloßen Beinbruch nicht zufrieden geben, wollen einen mit ihrem „Hals und Beinbruch“ oder kéz és labtörést’ („Brich dir Arm und Bein“) nicht verfluchen – vielmehr drücken sie damit ihre Sorge aus. Die Italiener hingegen, bekannt für ihre Theatralik, wehren teuflische Geister ab, wenn sie einen in den Rachen eines Wolfs wünschen: In bócca al lupo, sagen sie. Man sollte dabei nicht vergessen mit crepi di lupo adäquat zu antworten. „Auf dass der Wolf sterben möge!“ Die Franzosen aber, so bekannte wie begabte Poeten, sagen einfach nur merde - Scheiße.