Kultur

Videominuto: sechzig Sekunden, um von unserer Zeit zu erzählen

Artikel veröffentlicht am 4. September 2008
Artikel veröffentlicht am 4. September 2008
Vom 6. bis zum 13. September findet in Prato in der Nähe von Florenz das internationale 1-Minuten-Kurzfilmfestival statt. Das Ereignis, das danach in Zagreb, Istanbul, Lissabon und Sao Paolo stattfinden wird, stellt den Beginn der World One Minutes Biennale dar.

Im Centro Pecci per l’Arte Contemporanea von Prato startet die internationale Veranstaltung, bei der Videofilme gezeigt werden, die nur eines gemeinsam haben: Sie dürfen nicht länger als eine Minute sein. Das hört sich einengend an, aber genau dies ist die Herausforderung des Wettbewerbs: die eigene Kreativität in 60 Sekunden zu verpacken und zu synthetisieren.

Unter den Videomachern finden sich Neulinge ebenso wie alte Hasen, aber wer sind die Zuschauer von Videominuto? “Viele sind Fans der Teilnehmer,“ erklärt Georg Breusch, der Leiter des Veranstaltungsbüros des Festivals, “sie geben Kommentare ab und bejubeln ihre Favoriten, aber auch Pfiffe und lautstarke Kritik bleiben nicht aus. Es ist nicht das klassische Filmfestival-Publikum, das auf seinen Stühlen sitzen bleibt und schweigt. Auch für das Endurteil ist das Publikum ausschlaggebend, denn seine Stimmen haben das meiste Gewicht“, fährt Breusch fort.

Minuten in unterschiedlichen Zeitzonen

©www.videominuto.itVideominuto ist nicht das einzige Festival seiner Art und hat über die Jahre ein Kooperationsnetzwerk mit anderen 1-Minuten-Festivals auf der ganzen Welt entwickelt: das One World One Minute Festival. Das Format, das 2007 entstanden ist, existiert heute in der Schweiz (Video Festival Aarau), Holland, England, Polen, Litauen (Pravda One Minute), der Slowakei (Azyl Film Festival), Kroatien (COM Film Festival), Portugal, Chile, Brasilien (One Minute Festival Brazil), den USA, Kanada (Minute Moments), Spanien (Iberminuto) und als Festival ohne Grenzen im Internet (Filminute). Um genau diese große Familie von Videominuto zu feiern, ist eines der Hauptereignisse in diesem Jahr die World One Minutes exhibition: 900 Videos aus 87 Ländern, die von der One Minutes Foundation aus Amsterdam ausgewählt worden sind und die zum ersten Mal im Juni im Today Art Museum in Peking vorgestellt wurden, wo sie einen integralen Bestandteil des Kulturprogramms der Olympischen Spiele bildeten. Dies beweist, dass kulturelle Schranken leicht zu überwinden sind, nicht nur im Sport.

Nach ihrem Aufenthalt im Museo Pecci in Prato wird die Ausstellung in Zagreb, Istanbul, Lissabon und São Paolo gezeigt werden. Sie stellt den Beginn der World One Minutes Biennale dar mit weiteren Events in den Jahren 2010 und 2012.

Sex, Krieg und Kunst

Eines der Werke im Programm ist Banana Rossa, eine Videoanklage der Antipersonenminen von Paolo Zucca, dem Sieger des Videominuto 2004. Zucca berichtet, dass er mehrfach am Festival teilgenomen hätte, bevor er den ersten Preis gewonnen hat. “Das erste Mal haben sie mich angerufen,“ erzählt er, “um mir zu sagen, dass meine Arbeit nicht für den Wettbewerb ausgewählt worden war, aber dass sie sie gern auf den Toiletten gezeigt hätten. Immer noch besser als gar nichts.“

©videominuto.itAuch Sex fehlt nicht: Wenn man im Cortomobile, einem Alfa Romeo 2000 Berlina von 1974, dessen Fenster von bordeauxfarbenen Vorhängen verdunkelt werden, Platz nimmt, kann man Sexy minute sehen: Filme zum Thema Sex in all seinen ironischen, sinnlichen und romantischen Spielarten. Nur zu zweit anzuschauen. Für den Abschlussabend ist eine Party mit internationalen DJs und Vjs vorgesehen, darunter mit den Kanadiern Chic Miniature und der Crew der Berliner Visual Designer Pfadfinderei, bei der sich Musik und Video durch die Säle des Museums winden werden, um die unauflösliche Einheit von Klang, Bildern und Technik als Seele der modernen Kunst zu demonstrieren.