Kultur

Verliebt in Berlin

Artikel veröffentlicht am 6. Juni 2014
Artikel veröffentlicht am 6. Juni 2014

Was kommt dabei raus, wenn man Harry und Sally nach Berlin verlegt, einen Schuss deutsch-französische Irrungen und Wirrungen zugibt und das Ganze von einem Amerikaner drehen lässt? Ein Film wie Go with Le Flo

Flo­ri­an liebt Ca­mil­le, die ihn aber nicht, weil sie einen an­de­ren hei­ra­ten wird, der wie­der­um even­tu­ell eine Af­fä­re mit einer Schau­spie­le­rin hat. Davon ahnt Flo­ri­an nichts. Eben­so­we­nig davon, dass seine beste Freun­din Jenny seit Ewig­kei­ten heim­lich in ihn ver­liebt ist. Kein Wun­der also, dass Flo­ri­ans ge­plan­ter Hei­rats­an­trag in mehr­fa­cher Hin­sicht auf wenig Ge­gen­lie­be stößt. Wird Jenny es recht­zei­tig schaf­fen, Flo­ri­an ihre Ge­füh­le zu ge­ste­hen? Und wie lange kann Ca­mil­le ihrem Ver­lob­ten den lie­bes­tol­len Flo noch ver­heim­li­chen? So­weit die Aus­gangs­la­ge von Go with Le Flo, einem char­mant-un­ter­halt­sa­men Ver­wirr­spiel, wel­ches im Rah­men des fran­zö­si­schen Thea­ter­fes­ti­vals La Ména­ge­rie (23. bis 25. Mai) in Ber­lin als Vor­pre­mie­re ge­zeigt wurde.

Kein Happy End in Sicht

Flo­ri­an (Denis Au­bert) ist Halb­fran­zo­se und be­treibt im Prenz­lau­er Berg den De­li­ka­tes­sen-La­den Le Flo, spe­zia­li­siert auf fran­zö­si­sche Sa­la­mi (sau­cis­son). Er ver­liebt sich gerne, oft und stets Hals über Kopf in Fran­zö­sin­nen – ein Happy End hat es bis­her aber nie ge­ge­ben. Immer für ihn da, wenn mal wie­der Ge­schirr an die Wand fliegt: Jenny (Ma­ri­na Senckel), deutsch, beste Freun­din, Bä­cke­rei-Be­sit­ze­rin und Flo-Ex­per­tin („Du bist ein lau­si­ger Men­schen­ken­ner!“). Als Flo­ri­an sei­ner mon­dä­nen Freun­din Ca­mil­le (Les­lie Du­breuil) einen Hei­rats­an­trag ma­chen will, däm­mert es Jenny plötz­lich: Sie liebt Flo­ri­an! Und will auf kei­nen Fall, dass er Ca­mil­le hei­ra­tet. Was weder Jenny noch Flo ahnen: Ca­mil­le ist ver­lobt, ihr Zu­künf­ti­ger (Ma­thieu Alex­and­re Char­rière) dreht ge­ra­de unter der Regie von Ca­mil­les Vater einen Film. Ca­mil­le, fest davon über­zeugt, dass ihr Herz­blatt sie be­trügt, ge­nießt Flo­ri­ans Auf­merk­sam­keit – etwas Erns­tes ist die Be­zie­hung für sie aber nicht.

BER­LIN À LA FRANÇAISE

Ohne zu viel ver­ra­ten zu wol­len: Die Sache mit dem Hei­rats­an­trag klappt na­tür­lich nicht wie ge­plant und so ver­bringt Flo die meis­te Zeit des Films damit, sei­ner ge­lieb­ten Ca­mil­le hin­ter­her­zu­ja­gen, wäh­rend Jenny ihn davon ab­hal­ten will. Und dann taucht auch noch Ca­mil­les Ver­lob­ter und Vater in Ber­lin auf, um ihren Film dort fer­tig zu dre­hen! Zu­ge­ge­ben: Die Hand­lung an sich ist recht sim­pel – dafür sor­gen jede Menge sku­ril­le Ne­ben­fi­gu­ren für Es­prit. Da wäre zum Bei­spiel Flo­ri­ans ei­gen­wil­li­ge Aus­hil­fe Tina (Ro­ber­ta Bi­an­chi­ni), die eher nach boy­fri­end ma­te­ri­al Aus­schau hält statt nach einem neuen Fah­rer für den Laden. Oder Jen­nys Freun­din und Mit-Bä­cke­rin Gabi (Luisa Wietzo­rek), eine trotz ihrer le­dig­lich 21 Jahre ex­trem ab­ge­klär­te Lie­bes­ex­per­tin.

Lie­be­voll nimmt Go with Le Flo Kli­schees auf’s Korn – so vol­ler amour Flo auch ist, in sei­nem Laden herr­schen preu­ßi­sche Dis­zi­plin und Ord­nung (mit Tina als un­kon­trol­lier­ba­rem, an­ar­chis­ti­schem Ele­ment). Und Ber­lin hat etwas von Paris, wenn Flo auf sei­nem Mofa durch die Stra­ßen fährt und dazu Ak­kor­de­on­mu­sik er­klingt. Ber­lin à la française. Dabei ist der Re­gis­seur, Mi­cha­el Gl­over, Ame­ri­ka­ner. Viel­leicht kommt daher die wohl­tu­en­de iro­ni­sche Dis­tanz. Gl­over hat ein kun­ter­bun­tes, in­ter­na­tio­na­les Team um sich ver­sam­melt, auf Deutsch und Fran­zö­sisch im Som­mer 2012 in Ber­lin ge­dreht und das Ganze dann mit eng­li­schen Un­ter­ti­teln ver­se­hen. Das Er­geb­nis: Ein Film, der sich selbst nicht zu ernst nimmt, ohne über­dreht zu sein oder seine Cha­rak­te­re lä­cher­lich zu ma­chen. Selbst am Ende, wenn Jenny, Ca­mil­le, Ca­mil­les Ver­lob­ter, Ca­mil­les Vater und Flo­ri­an sich beim Dreh be­geg­nen, eine Ka­pel­le Marsch­mu­sik spielt und lau­ter Men­schen in baye­ri­schen Trach­ten her­um­lau­fen, kippt der Film nie ins Al­ber­ne, ist nicht be­müht lus­tig – son­dern ein­fach un­ter­halt­sam. Eine leicht­fü­ßi­ge, deutsch-fran­zö­si­sche Som­mer­ko­mö­die, die gar nicht vor­gibt, mehr sein zu wol­len.

Der Film läuft am 26. Au­gust im Frei­luft­ki­no Kreuz­berg um 21.15