Kultur

Vegan in Litauen: You can't escape Romas Zabarauskas

Artikel veröffentlicht am 2. November 2015
Artikel veröffentlicht am 2. November 2015

Wie ein veganes Filmset aussieht, erklärt der litauische Filmemacher Romas Zabarauskas, dessen Crew während der Dreharbeiten zu seinem letzten Streifen You can't escape Lithuania fleischlos glücklich war.

Karotten sind das ultimative Health Food‪ #‎carrot: Das erste, was ich von Romas Zabarauskas als Antwort auf unsere Interviewanfrage erhalte, ist dieses Selfie. Darauf ist der litauische Filmemacher mit durchtrainiertem, nackten Oberkörper und besagter Karotte zu sehen. Karotte?

Der 25-jährige Filmemacher und Aktivist hat bereits einige engagierte Filme im Kasten. Diesen Sommer hat Romas Zabarauskas die Montage seines letzten Streifens You can’t escape Lithuania abgeschlossen. Darin will sein fiktionales Selbst – ein schwuler Filmemacher (gespielt von Denisas Kolomyckis) - einer Freundin, die ihre Mutter getötet haben soll, zusammen mit seinem mexikanischen Lover über die Landesgrenzen helfen. Für den Queer-Roadmovie fehlte es zunächst aber an Finanzen. „Das litauische Filmzentrum hatte unsere Bewerbung mit der offiziellen Empfehlung abgelehnt, wir sollten doch bitte das Thema des Films ändern.“ Mist!

#veganfilmmakingchallenge

Ein Crowdfunding, nackte Tatsachen und einen persönlichen Challenge später, hat Romas sein Projekt, das 2016 in europäische Kinos kommt, verwirklicht. Und hier kommt nun endlich die Karotte ins Spiel. Als Romas im letzten Jahr selbst Veganer wurde, fragte er sich, ob er nicht auch seiner Filmcrew veganes Essen servieren könne. „Und dann hatte ich die Idee, mit positivem Beispiel voranzugehen und eine ganze Kampagne daraus zu machen. Die Reaktionen waren unterschiedlich. Manche haben es geliebt, andere gehasst.“

Dank dieses Vegan Film making challenge, für den sich Romas mit dem litauischen Tierschutzverein Tušti narvai (Empty Cages) verbündete, konnten zusätzliche 3500 Euro für den Indie-Film gesammelt werden. Art Director Giedre Valeisaite und Kostümdesignerin Virginija Valeisaite vermieden zudem Leder, Pelz, Wolle und weitere nicht vegane Materialien. You can’t escape Lithuania ist also „so vegan, wie es nur sein könnte, auch wenn die Story an sich nichts mit veganem Leben zu tun hat.“ Romas will auch in Zukunft ‘vegane Shoots’ machen und nach Möglichkeiten suchen, seine Sets so eco-friendly wie möglich zu gestalten.

Zwei Fliegen – eine Klappe

Romas Zabarauskas ist LGBT-Aktivist (er hat zum Beispiel die LGBT Friendly Vilnius Initiative gegründet), setzt sich gegen Rassismus ein (wie in seinem letzten Film We Will Riot), er ist überzeugter Veganer und Tierschutzaktivist. All das. Ob zu viel Aktivismus dem Aktivismus schlussendlich nicht im Weg stehe? „Ich denke nicht, dass es sowas wie zu viel Aktivismus gibt. Eher zu viel Ungerechtigkeit. Ich denke, wir sollten alle aktiv werden, das wäre doch natürlich,“ sagt Romas.

Von der Weltklimakonferenz COP21, die in einem Monat in Paris stattfindet, wünscht er sich vor allem die Erkenntnis, dass industrielle Fleischverarbeitung einen enormen Einfluss auf Treibhausgase hat. „Aber ich denke nicht, dass das passieren wird. Wenn die Länder zumindest einen verbindlichen Vertrag über die Reduzierung der Treibhausgase und saubere Technologien unterzeichnen würden, dann wäre das ja immerhin etwas.“  

Mit seiner veganen Film-Kampagne hat Romas zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, er konnte sein Engagement publik machen und gleichzeitig die Finanzen seines Films abrunden. Die Frage, ob er nach wie vor das Vegan-Ding durchziehe, konnte ich mir dann aber trotzdem nicht verkneifen: „Ja. Ich bin Veganer. Und du? Machst Du immer noch dieses Eier-und-Fleisch-Ding?” 

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Dieses Porträt ist Teil unseres cafébabel-Projekts #21faces im Rahmen der Weltklimakonferenz COP21 in Paris.