Kultur

Vasistas & Wihajster

Artikel veröffentlicht am 5. März 2008
Artikel veröffentlicht am 5. März 2008
Lebende Fossilien im Reich der Sprachen

Pflichtfelder in Formularen - wer kennt sie nicht in Europa. So hält sich die Legende, Snob käme von dem Zusatz "s. nob." ("sine nobilitate", Lateinisch: ohne Adel), den die Namen nichtadliger Studenten in den Listen der Universitäten von Oxford und Cambridge erhielten. Eigentlich geht das Wort "Snob" auf nordenglische Flickschuster im 18. Jahrhundert zurück. Aber wen wundert's, dass diese Parvenüs auch etymologisch versuchen, ihre Wurzeln zu verbergen...

In der Manier des Snobs spazieren auch andere Ausdrücke durch Europas Sprachen, die in ihrem neuen Umfeld eine völlig andere Bedeutung angenommen haben. Die Franzosen waren im 18. Jahrhundert große Verwalter. Während sie in ihren Büros über Listen brüteten, tranken sie Mocca faux (falschen Mokka, Getreidekaffee). Einmal drübergepustet wurde daraus der Muckefuck, den man in Deutschland noch heute bekommen kann.

In Polen hebt man nur die Augenbrauen und bittet um einen Wihajster. Dieses hübsche Wort ist die lautmalerische Übernahme der deutschen Frage: "Wie heißt er?" und steht im Polnischen für jedes Dings, zu dem einem der passende Name gerade nicht einfällt.

Auch: Was ist das? kann man in Frankreich und Italien auf Deutsch fragen. Mit diesem lauten Ausruf der Neugier auf den Lippen, rannten die Deutschen an kleine Mansardenfenster, als Napoleon in ihre Stadt einritt. Die Académie française definiert allerdings bereits 1798: Kleine Teile von Fenstern oder Türen, die sich unabhängig von diesen öffnen lassen, heißen le vasistas. Heutzutage bezeichnet es im Französischen auch Oberlichter, Türspione und Dachflächenfenster. Und da es Neugier überall gibt, ist vazistaso sogar bis ins Esperanto vorgedrungen.

Europa auf einen Klick:

Englisch: « Snob! »

Deutsch: « Muckefuck »

Polnisch : « wihajster »

Französisch: « vasistas »