Kultur

UNO: Aus dem Bauch heraus

Artikel veröffentlicht am 26. September 2007
Artikel veröffentlicht am 26. September 2007
Am 24. September wurde die 62. jährliche Sitzung der Vereinten Nationen (UN) in New York eröffnet. Vor dem Gebäude wurde demonstriert. Aktivisten meinen, dass die weltweite Hungersnot zu fahrlässig bekämpft werde.

"Ich komme zum ersten Mal in die Vereinigten Staaten. Dabei kann ich gar nicht anders, als empört über die Gleichgültigkeit der Länder zu sein, die sie gegenüber den schwerwiegenden Plagen in meinem Land zeigen." Malvika Subba ist eine ehemalige nepalesische Schönheitskönigin. Inzwischen ist sie in ihrer Heimat auch für ihren Einsatz gegen die Armut bekannt. Außerdem leitet sie die Kampagne 'Hunger Free' (dt.: Eine Welt ohne Hunger). Diese wurde im Juli in mehr als 30 Ländern ins Leben gerufen. Dadurch soll das Recht auf Ernährung als Grundrecht anerkannt werden.

Eine Woche vor der Eröffnung der jährlichen UN-Vollversammlung ist Malvika nach New York gekommen. Dort nahm sie an einer Reihe Demonstrationen teil, welche von Nichtregierungsorganisationen vor dem UN-Hauptquartier veranstaltet wurden. Die Teilnehmer wollten darauf hinweisen, dass die weltweiten Hungerprobleme nicht einmal auf der Tagesordnung standen.

Galaxien vom Ziel entfernt

Das Jahr 2000 scheint in weiter Ferne. Damals hatten sich die Mitgliedsstaaten dafür entschieden, den Kampf gegen den Hunger als wichtigste Priorität anzugehen. Gleichzeitig wurden etliche Ziele festgelegt, welche die Armut bis zum Jahr 2015 halbieren sollten. Ihr Name: "Jahrtausendziele".

Doch sieben Jahre nach den großmundigen Versprechen sieht die Realität eher negativ aus. Während eines der Hauptziele war, die Zahl der an Unterernährung leidenden Menschen zu halbieren, zeigen die Zahlen ein ganz anderes Bild. Laut aktuellem Bericht der Welternährungsorganisation (FAO) hat sich die Zahl der Hungerleidenden nämlich nicht verringert, sondern ist von 800 Millionen im Jahr 2000 auf inzwischen 854 Millionen angestiegen.

Innerhalb der Organisation bestreitet auch niemand das offenkundige Scheitern der Maßnahme. So stellt sich die Frage, ob Malvika tatsächlich an eine Welt ohne Hunger glaubt. "Als mich die amerikanische Polizei während der Passkontrolle gefragt hat, was ich in New York machen werde, habe ich erklärt, dass ich an einer internationalen Kampagne gegen den Hunger teilnehme. Da hat sie mich angelacht und sagte: 'Aber das ist unmöglich, das passiert niemals'."

Vorbild Brasilien

Dennoch zeigt sich Malvika überzeugt: "Natürlich bin ich nicht weltfremd", erklärt sie, "aber die Berichte der FAO und zahlreicher Entwicklungsorganisationen zeigen, dass ausreichend Nahrung und Bodenschätze zur Verfügung stehen, um den gesamten Planeten zu ernähren. Die Hindernisse im Kampf gegen den Hunger sind eher politisch" betont sie nochmals. "Beispielsweise ist Frauen in vielen Ländern Afrikas oder Asiens der Zugang zum Land versperrt."

Auch die afrikanischen Demonstranten äußern sich ähnlich: "Im Senegal nehmen Frauen an mehr als der Hälfte landwirtschaftlicher Produktion teil. Doch nur ein bis zwei Prozent haben Zugang zum Land und den Produktionsmitteln." erklärt Ibrahima Niasse. Er vertritt die Erdnusshersteller des Senegals.

Für viele Menschen könnte ein Hoffnungsschimmer aus Brasilien kommen. So meint der junge brasilianische Aktivist Marcelo: "Die Einsetzung des Programms 'Eine Welt ohne Hunger' durch Präsidenten Lula - dank einer beispiellosen Mobilisierung der Gesellschaft - hat es ermöglicht, die Unterernährung in unserem Land deutlich zu verringern."

Selbst hohe Beamte sind auf der Seite der Demonstranten - wenn auch hinter vorgehaltener Hand. "Was Sie machen, ist wirklich sehr wichtig." äußerte ein kubanischer Diplomat. "Halten Sie Ihre Forderungen aufrecht. Das hilft uns, Druck im Inneren zu machen."

Intext-Fotos: ©Charles Eckert/ ActionAid