Kultur

The Brussels Business: Lobbyismus in Michael Moore-Manier

Artikel veröffentlicht am 14. November 2012
Artikel veröffentlicht am 14. November 2012
Eine stylische Doku möchte Licht in das Dunkel des EU-Lobbyismus bringen. Der Film folgt einem legitimen Lobbyisten und den Aktivitäten des Corporate Europa Observatory (CEO), aber auf verblüffende Enthüllungen wartet man vergeblich.

Lobbyismus ist ein dunkles Geschäft. Der Dokumentarfilm The Brussels Business – Who Runs The European Union? (2012) will Licht in die Dunkelheit bringen. Denjenigen außerhalb der "Brussels Bubble" - dieser geschlossenen Gesellschaft in der belgischen Hauptstadt - wird dieser längst überfällige Film etwas die Augen öffnen. Jene innerhalb der Blase werden aber nichts Bahnbrechendes erfahren. Die Dokumentation nimmt sich mehr vor, als sie letztendlich schafft.

Gute Lobby, böse Lobby

68% der Lobby-Gruppen in Brüssel drehen sich um die Geschäftswelt, 1-2% um Handel, gibt der deutsche Forscher Dieter Plehwe an. Der Film folgt einem 'guten' Lobbyisten bei seiner Arbeit. Gleichzeitig zeigt er die Entstehung und Geschichte des Corporate Europe Observatory, einer Organisation die es sich zur Aufgabe macht, die am wenigsten transparenten Lobbying-Vorgänge in Brüssel aufzudecken. Die CEO beobachtet, ob und wie das wachsende Lobbying die Ergebnisse des EU-Gesetzgebungsprozesses beeinflusst. Hier hätte der Film weitergehen und sich mit Nachforschungen über zwielichtige Praktiken beschäftigen können. Stattdessen erzählt der Film von der Antwort Europas auf das wachsende Netz von Lobbyisten - ein nicht zufriedenstellendes Transparenz-Register.

Die Regisseure Friedrich Moser und Matthieu Lietaert, beide Ex-Lobbyisten, gebrauchen einen schnittigen Kamerastil, der Brüssel ein bisschen wie Gotham City aussehen lässt. Bei der Premiere im April meldete sich ein früherer Repräsentant der EU-Kommission in der Diskussion zu Wort und meinte, er könne sich bloß wünschen, sein Job wäre so sexy wie er im Film aussehe. Die Realität der Arbeitsweise von EU-Kommission und Lobbyisten wird in dem Film nicht enthüllt. Ebenso wenig wagt The Brussels Business jene zu erforschen, die viele Gruppen in puncto Transparenz für die schlimmsten Übeltäter halten – Gruppen zum Beispiel, die den Worst EU Lobbying Award gewonnen haben und dafür ein bisschen Recherche verdient hätten.

Der Dokumentation fehlt es an Rohmaterial, deswegen setzt sie auf gut gefilmte, nachgestellte Szenen und Set-Ups. Dadurch geht jedoch die Glaubwürdigkeit unterwegs öfters mal flöten. Der Film ist zu großen Teilen Spekulation ohne handfeste Bestätigung. Diese Herangehensweise ist bereits für eine Doku, die sich dem Thema aus historischer Perspektive nähert, schwierig, aber umso mehr für eine, die auch die alltägliche Aktivität des Lobbyismus abbilden möchte. Alles in allem erreicht The Brussels Business jedoch was es will, nämlich Interesse für ein wichtiges und bisher vernachlässigtes Thema in Europa zu wecken. 

Illustrationen: Mit freundlicher Genehmigung von ©TheBrusselsBusinessMovie/facebook