Kultur

Sommerfilme: eine paneuropäische Liste

Artikel veröffentlicht am 27. Juli 2015
Artikel veröffentlicht am 27. Juli 2015

Es gibt keine vergleichbare Jahreszeit zum Sommer, um Klassiker oder Neuheiten der Filmwelt (wieder) zu entdecken. Wir haben für euch eine europäische must watch-Liste zusammengestellt.

Wilder Sommer von Valerio Zurlini (Italien, 1959): 1943 verbringt der 20-Jährige Carlo  (Jean-Louis Trintignant), Sohn eines faschistischen Parteioberen, seinen Sommer in Riccione mit seinen Freunden. Der Krieg ist weit entfernt von Badevergnügen und Parties, sein Herz balanciert zwischen der Freundin Rossana (Jacqueline Sassard) und einer charmanten Kriegswitwe, Roberta (Eleonora Rossi-Draghi). Am 25.Juli wird Mussolini gestürzt und trotz ihrer gegenseitigen Zuneigung werden Carlo und Roberta vom Kriegsgeschehen eingeholt.

Nur die Sonne war Zeuge von René Clément (Frankreich, 1960): die erste Kinoverfilmung des Romans von Patricia Highsmith, die zweite kommt 1999 aus Hollywood – Der talentierte Mr. Ripley. Ein amerikanischer Milliardär engagiert einen jungen mittellosen Mann, Tom Ripley (Alain Delon), um seinen Sohn Philip davon zu überzeugen, seinen verlängerten Urlaub in Itlalien zu beenden und in die USA zurückkehren. Wer wird wen überzeugen? Wer wird wen verführen? Das erste Duell zwischen Alain Delon und Maurice Ronet findet um das Herz von Marie Laforêt statt – auf der Leinwand natürlich! Starker Sonnenschutz empfohlen.

Verliebt in scharfe Kurven von Dino Risi (Italien, 1962): An einem 15. August in Rom trifft Bruno (Vittorio Gassman), ein Verführer und Angeber in seinen Vierzigern, auf den schüchternen Studenten Roberto, der für seine Prüfungen lernt. Die beiden werden Freunde und Roberto versteckt sich endlich nicht mehr hinter seinen Büchern – er lernt dafür mehr in sozialen und Liebesangelegenheiten. Die Filmmusik ist legendär geworden (obwohl zwangsweise vintage: „St. Tropez Twist“  von Peppino Di Capri und „Guarda come dondolo“ von Edoardo Vianello).

Accident von Joseph Losey (Großbritannien, 1967): Dirk Bogarde spielt Stephen, einen Professor in Oxford. Als ihn ein Studentenpärchen treffen soll, haben die beiden einen Autounfall. Vor Ort findet Stephen den Mann tot auf und Anna, seine österreichische Begleiterin (Jacqueline Sassard, die man in Wilder Sommer wiederfindet) ohnmächtig. Stephen verdächtigt sie, betrunken am Steuer gewesen zu sein und versteckt sie bei sich. Nach und nach verliebt er sich. Nach einem Drehbuch von Harold Pinter.

Der Swimmingpool  von Jacques Deray (Frankreich-Italien, 1969): Ein frühes paneuropäisches Casting. Alain Delon, Romy Schneider, Maurice Ronet et Jane Birkin (in ihren Anfängen). Eine grandiose Villa mit Swimmingpool in der sommerlichen Provence bietet den Schauplatz für eine Tragödie, die eine polizeiliche Untersuchung nach sich zieht. 35 Jahre sind vergangen, aber die Vorstellungswelt von Der Swimmingpool inspiriert immer noch so sehr (Swimming Pool von François OzonUn homme idéal von Yann Gozlan, etc.), dass sie es schafft, zu einer Art Stilübung zu werden. 46 Jahre und noch immer kein einziges Fältchen: Das Haus Dior bringt seit einigen Sommern die Bilder des Filmes für Werbungen ihres Eau sauvage heraus, genauso ein Klassiker wie der Film!

 

Son de Mar (Sound of ther Sea) heißt die spanische Kino-Verfilmung von Juan José Bigas Luna aus dem Jahr 2001 des gleichnamigen Romans. Der Lehrer Ulises (Jordi Mollà) 'strandet' in einem Fischerdörfchen in der Nähe der Stadt Valencia und verliebt sich Hals über Kopf in die Tochter seines Vermieters, Martina. Doch er ist nicht der einzige Anwärter.

Die Ewigkeit und ein Tag von Théo Angelopoulos (Griechenland, 1998): Als er sich auf einen Krankenhausaufenthalt vorbereitet, stößt der Autor Alexander (gespielt vom melancholischen Bruno Ganz) auf einen Brief von seiner Frau, die ihm von einem Sommertag erzählt – vor 30 Jahren. Überwältigt begegnet Alexander einem illegal eingereisten albanischen Kind, das beschließt, ihn auf seiner Irrfahrt zu begleiten. Die Goldene Palme in Cannes: ein Meisterwerk in der Thematik kontemporäre „Verfremdung“.

Im Juli von Fatih Akin (Deutschland, 2000): Hamburg. Der schüchterne Lehrer Daniel fällt Modeschmuckverkäuferin Juli ins Auge. Sie verkauft ihm einen Ring in Sonnenform und verspricht ihm, dass dieser ihn dazu bringen wird, eine „Liebe unter dem Zeichen der Sonne“ zu finden. Daniel verliebt sich darauf Hals über Kopf in die Türkin Melek, der er nach Istanbul folgt. Juli bricht zur selben Zeit zum Bosporus auf.

Summer von Alanté Kavaïté (Litauen, Dänemark, Frankreich, 2015): Regiepreis beim Sundance-Filmfestival. Im Laufe des Sommers auf dem litauischen Land macht die introvertierte Jugendliche Sangail die Bekanntschaft mit der jungen Frau Aust, die es schafft, ihr Vertrauen zu gewinnen: der Beginn einer Liebe? Ein Spielfilm, der auch an die vergeistigte Ästhetik der 1970er von David Hamilton erinnert (BilitisEin Sommer in Saint-Tropez).