Kultur

Sauerkraut bleibt Sauerkraut

Artikel veröffentlicht am 10. Januar 2007
Artikel veröffentlicht am 10. Januar 2007

Die Invasion englischer Wörter macht es den Briten mit „fremden“ Sprachen ziemlich leicht. Franglais, Spanglish oder Denglish – man nehme einfach ein englisches Wort, hänge eine fremdklingende Endung an, und voilà – „chattare“ funktioniert in Italien, „shoppen“ in Deutschland und „downloader“ in Frankreich.

Wortmigranten in die eigene Sprache aufzunehmen, ist kein neues Phänomen. Seit die Menschen reisen, leihen und verleihen sie überall auf der Welt Wörter. Auch die englische Sprache hat sich bei fremden Wortschätzen bedient. Die Normannen brachten schon 1066 französische Wörter mit über den Kanal nach England. Innerhalb zweier Jahrhunderte versickerten im Mittel-Englisch mehr als 10 000 Gallizismen. Viele dieser Wörter sind in ihrer französischen Heimat inzwischen ausgestorben oder haben andere Bedeutungen. Zum Beispiel „rendez-vous“. Auf Französisch ein ganz normales Treffen, bekommt es bei britischen Nachbarn – wie im Deutschen – eine romantische Konnotation.

„Hand“, „finger“ und „ring“ haben die Briten eins zu eins aus dem Deutschen übernommen. Auch für die englische „Schadenfreude“ muss die deutsche Sprache herhalten. Britische und deutsche Kinder gehen in den „Kindergarten“, und Sauerkraut bleibt „Sauerkraut“. Umgekehrt kann man Pullover und Downloads verlustfrei umtauschen. Ein Oldtimer ist auf der britischen Insel allerdings kein altes Auto, sondern ein alter Mann.

Auch das wörtliche Über-Setzen von Wörtern leitet manchmal in die Irre. „Overhear“ bedeutet nicht etwa „überhören“, sondern im Gegenteil „belauschen“. Und „backside“ hat mit „Rückseite“ nur noch indirekt etwas zu tun...

Evolution oder Verschmutzung – schon immer haben Leute und Institutionen wie der Verein Deutsche Sprache, Mussolini oder die Académie Francaise versucht, die Wörterwanderung aufzuhalten. Aber das Virus scheint sich nur noch mehr zu verbreiten.