Kultur

Salvatore schlägt Tarantino mit 1:0

Artikel veröffentlicht am 22. Juni 2007
Artikel veröffentlicht am 22. Juni 2007
"Die neuen italienischen Filme sind deprimierend", behauptet Quentin Tarantino. Aber Salvatore - Questa è la vita versetzt die ganze Welt in Rührung.

Auch mit einem kleinen Boot kann man auf das offene Meer hinausfahren. Und die Geschichte eines kleinen Jungen kann die Kinosäle verschiedener Kontinente in Rührung versetzen. Salvatore – Questa è la vita (Salvatore – So ist das Leben), das Erstlingswerk des sizilianischen Regisseurs Gian Paolo Cugno, wurde von Buena Vista International und der italienischen Firma Globe Films produziert. Er ist der meistgesehene Film des letzten Jahres unter italienischen Schülern und Studenten - und auch der erste, den Disney in Italien produziert. Salvatore weckt Gefühle und regt zum Nachdenken über Kindheit, Schulzeit und Familie an.

Der Film ist weltweit auf den Kinoleinwänden zu sehen: von den USA bis Australien, von Lateinamerika bis Asien. In Europa ist er bereits in den Sälen der italienischsprachigen Schweiz, in Belgien, Griechenland, Spanien und auf Festivals in Holland und Russland ausgestrahlt worden. Die nächste Etappe ist Deutschland, wo er beim Filmfest München vom 22. bis 30. Juni Vorpremiere erlebt und auch für den Wettbewerb nominiert ist.

Salvatore, ein italienisches Märchen

Wer ist also Salvatore? Ein Waisenkind aus Portopalo di Capopassero in der Nähe von Pachino, in der Provinz Syrakus, ebenfalls die Heimat von Regisseur Gian Paolo Cugno. Ohne Mutter und Vater leitet Salvatore einen kleinen Familienbetrieb mit einigen Gewächshäusern, in denen er Tomaten anpflanzt. Um die jüngere Schwester und die Großmutter zu versorgen, geht er, anstatt in die Schule, zum Fischen. Sein Lehrer (Enrico Lo Verso) überschreitet die Grenzen seiner pädagogischen Befugnisse und beschließt, dem Jungen zu helfen. Nach kurzer Zeit sind die beiden unzertrennlich.

Die Idee des Films beruht auf einer wahren Geschichte. So ist Alessandro Mallia, der die Hauptrolle spielt, im wirklichen Leben wie im Film ein Fischer und Bauer. Und mag er auch noch sehr jung sein, hat er doch - wie Salvatore - die Lebenseinstellung eines Erwachsenen. Während der Dreharbeiten ließ er spontan den Satz "Questa è la vita" ("So ist das Leben") fallen, der anschließend in den Titel aufgenommen wurde.

"Als kleiner Junge", erklärt der Regisseur Gian Paolo Cugno, "machte es mir Spaß, in Pachino, wo früher alle Türen offenstanden, in die Häuser der Leute zu schauen. Salvatore ist die Geschichte eines besonderen Jungen, wie man sie nur selten findet." Wunderschön sind die vom Massentourismus noch unberührten Landschaften an diesem südlichsten Punkt Siziliens, wo Landwirtschaft und Fischerei die hauptsächlichen Einnahmequellen sind. Eine Gesellschaft, die noch so gesund ist, dass sie auch einen Waisenjungen auffängt.

Revanche an Tarantino?

Das von Zucchero komponierte Titellied wird von Laura Pausini gesungen, die für diese Platte prämiert worden ist. Nach dem Festival von Cannes, bei dem das italienische Kino in der Hauptausscheidung entweder gar nicht präsent oder nur Gegenstand von Polemiken war, nimmt das Erstlingswerk von Cugno seinen Weg durch die manchmal bewegte See des internationalen Filmgeschäfts. Salvatore schwimmt aber gegen den Strom.

Im Mai hat der amerikanische Regisseur Quentin Tarantino in einem Interview mit der wöchentlichen Programmzeitschrift Sorrisi e Canzoni TV erklärt: "Die neuen italienischen Filme sind deprimierend und die Filme, die ich in den letzten drei Jahren gesehen haben, schienen mir alle gleich." Vielleicht hat der Regisseur von Pulp Fiction, Salvatore – Questa è la vita nicht gesehen. Oder aber Salvatore entspricht nicht seiner Vorstellung von gutem Kino. Der Publikumserfolg beweist jedoch das Gegenteil.

Die spanischen Medien begrüßen mit Cugnos Film ein neues italienisches Kinotalent. Und in Deutschland wird der Film sicher mit ähnlicher Begeisterung aufgenommen werden, denn hier leben zahlreiche Familien sizilianischer Herkunft, für die das soziale Umfeld der Geschichte und die Landschaftsbilder ein Wiedersehen mit ihrer Heimat bedeuten.

Salvatore - Questa è la vita von Gian Paolo Cugno wird am 23.06.2007 um 20h im Forum am Deutschen Museum 1, am 24.06. um 22h30 im MaxX3 und am 29.06. um 9h45 im MaxX1 ausgestrahlt.